Harmonie-Lehre: Wenn sich Pferd und Reiter vertrauen

Wege zur Harmonie

Wenn Reiter und Pferd harmonieren, ist im Sattel alles möglich. Harmonie lässt sich trainieren. Versuchen Sie es - mit den CAVALLO Trainings-Tipps!

 

CAVALLO Pferd Vertrauen
Foto: Lisa Rädlein Harmonie plus inniges Vertrauen: 84 Prozent unserer Leser besitzen ein eigenes Pferd Der Großteil der CAVALLO-Leser hat laut unserer neuesten Befragung mindestens ein eigenes Pferd. Es ist ein tolles Gefühl, den Traumpartner gefunden zu haben.

Loben motiviert: Reagiert ein Pferd anders, als Sie wollen, ist das noch lange kein Drama. „Vielleicht ist das Pferd nur deshalb so temperamentvoll, guckig oder ungehorsam, weil es verwirrt ist und es eine Hilfe missversteht“, sagt die sportpsychologische Expertin Dr. Inga Wolframm. Beobachten Sie sich selbst: Welche Reaktionen Ihres Pferds belohnen Sie – bewusst oder unbewusst? Überlegen Sie dann, welche Reaktionen Sie eigentlich erreichen wollten und belohnen Sie diese sofort, indem Sie im Druck nachgeben und mit Stimme, Leckerli oder Kraulen zusätzlich loben. „Ihr Pferd wird motiviert mitarbeiten. Und Sie selbst werden Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln“, sagt Wolframm.

Reiten Sie nach Plan: Erkennen Sie den Moment, wann Ihr Pferd zum nächsten Schritt bereit ist und etwas Neues dazulernen kann. Wichtig: Unterscheiden Sie zwischen Fordern und Überfordern. Geht etwas daneben, suchen Sie die Ursachen, statt stur weiterzuüben, bis das Pferd irgendwie pariert. Läuft Ihr Pferd zum Beispiel auf der Vorhand und ist es schief? „Je nachdem wo Ihr Pferd seine hohle und seine steife Seite hat, sollten Sie entsprechende Seitengänge reiten“, rät Ausbilderin Anja Beran. Pferde merken schnell, dass sie sich nach einer gelungenen Trainingseinheit besser bewegen können und ein besseres Körpergefühl haben. Beran: „Dann wird das Pferd Ihnen am nächsten Tag gerne auf den Reitplatz folgen.“

Achten Sie auf Gefühle: Ist Ihr Pferd aufsässig, unkonzentriert oder unmotiviert, ist das Training womöglich zu eintönig. Bauen Sie Neues ein. Wie viel Abwechslung Pferden gut tut, ist individuell verschieden: Ängstliche Pferde sind zum Beispiel schnell verunsichert durch viele verschiedene Lektionen. Dehnen Sie einzelne Lektionen lieber aus; schalten Sie zwischen Trab und Galopp regelmäßig Schrittphasen. Faulpelze wecken Sie durch abwechslungsreiches Training mit Stangen oder Sprüngen auf.

Lösen Sie Ihr Pferd: Ist das Pferd losgelassen, wird es die Anlehnung von sich aus suchen und seine positiven Eigenschaften weiterentwickeln. „Losgelassene Pferde lassen sich auch weniger durch äußere Reize aus der Ruhe bringen oder wehren sich gegen den Reiter“, sagt Jörg Bös, Klassik- und Westerntrainer aus Elmshorn bei Hamburg. Er schafft Losgelassenheit durch Arbeit an der Hand: Abkauübungen lockern den Unterkiefer, Seitengänge dehnen den Rücken. „Das bringt automatisch ein ausgeglichenes, williges Pferd, das mit stressigen Situationen besser fertig wird.“

Checken Sie die Gesundheit: Auch körperliche Probleme können den Charakter beeinflussen. „Schwache Pferde neigen oft zur Nervosität, starke sind tendenziell ruhiger“, sagt Ausbilderin Anja Beran. Harte Muskeln oder blockierte Halswirbel können schuld sein, wenn Ihr Pferd unausgeglichen ist. Faule Pferde haben oft einen festen Rücken und feste Muskeln. Das verhindert, dass sie gerne vorwärts gehen. Manche wollen nicht vorwärts, weil der Sattel zwickt. Daher ist es so wichtig, dass Reiter die Pferdeausrüstung regelmäßig vom Profi prüfen lassen. Pferde, die unterm Reiter hektisch werden, können unter gesundheitlichen Problemen wie Rückenschmerzen oder Zahnproblemen leiden. Rufen Sie möglichst frühzeitig den Tierarzt oder Therapeuten.

Fotostrecke: Fotostrecke: Freiheitsdressur mit Kenzie Dysli

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CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt

Fotostrecke: Pferde-Ausbildung: Schneller lernen durch gute Stimmung

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CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald

01.05.2016
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 12/2012