Pferde-Anatomie: Biegen beginnt im Genick - Tipps für Reiter

Pferde in Stellung und Biegung reiten


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CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
Foto: Lisa Rädlein

 

CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
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CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
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CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
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CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
Foto: Lisa Rädlein
Das Geheimnis guten Biegens steckt hinter den Pferdeohren und ist jetzt gelüftet. Was bedeutet das fürs Reiten? Hier sind die Antworten – samt Übungen, mit denen sich Ihr Pferd wie von Zauberhand biegt.

 

CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
Foto: Lisa Rädlein Gymnastik von vorne bis hinten: Damit das Pferd sich biegt, muss es sich im Genick stellen. Das löst im Körper eine Kettenreaktion aus. Das richtige Training sorgt für optimale Beweglichkeit.

Wer gut reiten will, muss sein Pferd biegen. Und wer es biegen will, muss das Pferd zuerst im Genick stellen. Das predigen und praktizieren gute Reitlehrer und Pferdetrainer seit Jahrhunderten. Bloß warum, das konnten sie bisher genausowenig erklären wie Tierärzte und Wissenschaftler.

Die meisten Reiter gaben sich damit zufrieden. Nur in einem kleinen Dorf in Oberbayern wühlte jemand hartnäckig immer tiefer in der Pferdeanatomie, bis endlich eine logische Erklärung gefunden war. Es ist Cornelia Greifenberg-Gruns, Klassik-Trainerin, Huforthopädin und Osteopathin aus Schweitenkirchen.

Die von Altmeister Egon von Neindorff ausgebildete Bereiterin sucht im Pferdekörper immer wieder nach Antworten auf ungeklärte Fragen aus dem täglichen Pferdetraining. „Stellung und Biegung faszinieren mich schon lange“, sagt Cornelia Greifenberg-Gruns. „Und dass mir niemand sagen konnte, was dabei im Pferdekörper und vor allem im Genick wirklich passiert, fand ich frustrierend.“ Also nahm sie selbst den Hals eines toten Pferds in die Hand und zerlegte ihn in seine Einzelteile. In CAVALLO erläutert sie exklusiv, was sie dabei entdeckte. Ihre Erkenntnisse zeigen erstmals schlüssig, dass Pferde immer in eine Richtung gestellt sind und warum sie sich nur dorthin auch biegen lassen.

Der Knackpunkt ist das Genick. Doch hier beginnt auch gleich die Verwirrung: „Sprechen Reiter vom Pferdegenick, meinen sie oft wenige Zentimeter direkt hinter den Ohren“, sagt Cornelia Greifenberg-Gruns. „Tatsächlich muss man aber fast das ganze erste Drittel des Halses betrachten.“ Das Genick beginnt am Kopf und endet mit dem zweiten Halswirbel. Dazwischen liegen zwei besondere Gelenke, ein Kippgelenk zwischen Schädel und dem ersten Halswirbel (Atlas) sowie ein Drehgelenk zwischen Atlas und dem zweiten Halswirbel, der Axis oder Dreher genannt wird. „Für die Genickstellung ist das zweite Gelenk entscheidend. Was dort meiner Ansicht nach passiert, hat bisher niemand beschrieben.“

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CAVALLO Dressur Biegung Stellung Genick Greifenberg-Gruns
Foto: Lisa Rädlein Halswirbels (pink) und Axis (grün).

Die Schaltstelle fürs Stellen und Biegen:

Die Genickstellung passiert im Drehgelenk zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel (Atlas und Axis/Dreher). Das liegt etwa eine Handbreit hinter den Ohren. Ein Zapfen an der Axis-Vorderkante kollidiert mit einer Erhebung im Wirbelkanal des ersten Halswirbels (pink). Dadurch hat das Gelenk keine Mittelstellung. Der Axis ist immer zu einer Seite gekippt (grüne Punkte), das Pferd also stets gestellt. Je schiefer ein Pferd, umso mehr bevorzugt es eine Seite.


22.07.2014
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe Mai 2013/2013