Rittigkeits-Probleme durch Seitengänge lösen

Schiefe seitwärts überwinden

Reitprobleme? Können Reiter ab sofort lösen. Wer im Sattel Seitengänge gut kombiniert, überwindet fast jede Schwierigkeit beim Reiten. Tipps für das Rücken lockern, Galoppwechsel und Schenkelgehorsam.

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CAVALLO Seitengänge Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Seitengänge Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Seitengänge Foto: Lisa Rädlein

 

CAVALLO Seitengänge
Foto: Lisa Rädlein Im Schulterherein biegt sich Andrea Bethges Top-Pferd Waikato um ihren inneren Schenkel.

Seitengänge wirken so positiv, weil sich die Muskeln im Pferdekörper besonders effektiv dehnen. Das löst Verspannungen. Gelenke, die von strammen Muskeln blockiert wurden, können sich wieder freier bewegen. Das hilft vor allem auf der steiferen Seite des Pferds, wo es sich stärker festhält. Mit konsequentem Seitwärtstraining überwinden Reiter die Schiefe ihrer Pferde.

Das klappt nur, wenn Seitwärtsübungen korrekt mit langsamen und langen Bewegungen ausgeführt werden. Nur dann dehnt das Pferd die Muskeln. Zudem muss immer genügend Vorwärtstendenz da sein. Die erkennt man mit einem Blick auf die Bewegung der Hufe: Sie sollten sich bei unerfahrenen Pferden mehr vor als zur Seite bewegen. Fortgeschrittene Pferde setzen die Beine ebenso weit vor- wie seitwärts.

Starkes Kreuzen ist deshalb schon beim lösenden Schenkelweichen nicht erwünscht. Bei versammelnden Seitengängen ist es sogar schädlich. Nur wenn das Pferd mit dem Hinterbein unter den Körperschwerpunkt fußt, kann es optimal Last aufnehmen. Kreuzen die Beine deutlich, tritt es meist am Schwerpunkt vorbei.

Bleibt noch die Frage nach den „echten“ Seitengängen. So werden oft Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen zusammengefasst. Für diese Lektionen müssen Pferde sich unterm Reiter bereits gut biegen können und beginnen, sich zu versammeln. Demgegenüber gilt Schenkelweichen nicht als „echter“ Seitengang, weil hier weder Biegung noch Versammlung gefordert sind. Allerdings dürften die Pferde sich schon ein wenig biegen. Wie sonst wäre es möglich, dass sich die Muskeln der äußeren Körperseite dabei so effektiv dehnen?

Die Unterscheidung ist vor allem deshalb problematisch, weil sie den Eindruck erweckt, dass Schenkelweichen bzw. Übertreten weniger wert sei als die „echten“ Seitengänge. Das sorgt dafür, dass viele Reiter zu früh mit Schulterherein und Co. beginnen, während sie das Übertreten vernachlässigen. Der Effekt: In vielen Reithallen werden Pferde von schief sitzenden, verdrehten Reitern mit kräftigem Schenkeldruck, Gerte oder Sporen irgendwie seitwärts gequetscht. Dabei entsteht Frust, und die Pferde klemmen, anstatt sich zu lösen.

„Leider beschäftigen sich viele Reiter und auch manche Trainer nicht genügend mit den Hintergründen und Anforderungen der einzelnen Lektionen“, hat Andrea Bethge beobachtet. „Sie bemerken dadurch oft gar nicht, wenn Mensch oder Pferd noch wesentliche Voraussetzungen für Schulterherein, Travers und ähnliches fehlen.“ Zum Beispiel der Drehsitz für die Biegung. „Wer noch nicht gelernt hat, Schultern, Becken und Beine in Wendungen korrekt zu koordinieren, kann sein Pferd nicht in ein gutes Schulterherein dirigieren“, erklärt Bethge.

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24.02.2015
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 5 / 2014 /2014