So steuern Sie die Stimmung Ihres Pferds

Pferde reagieren auf Menschen

Färben Gefühle des Reiters aufs Pferd ab? Ein CAVALLO Experiment zeigt, wie sich beide beeinflussen, was sie stresst oder entspannt.

 

CAVALLO Gefühle Pferd Reiter Dressur Pferdeausbildung
Foto: Lisa Rädlein Entspannte Ausritte heben die Laune von Pferd und Reiter.

Doch auch kleine Studien werfen wichtige Schlaglichter auf das Verhältnis zwischen Pferd und Reiter. Von denen können beide in der Praxis profitieren. Im Fokus steht meist Stress, der Mensch und Tier in brenzlige Situationen bringen kann. Gehen dem Reiter die Nerven durch, tut‘s womöglich auch das Pferd – und ergreifen die Flucht.

Dass Pferde tatsächlich auf die Stimmung des Menschen reagieren, wie viele Reiter vermuten, bestätigen inzwischen diverse Untersuchungen. So kann sich die Nervosität des Menschen aufs Pferd übertragen, und zwar selbst dann, wenn dieser gar nicht reitet, sondern das Tier lediglich führt. Schnellt der menschliche Puls bei Stress in die Höhe, steigt auch die Herzfrequenz des Pferds. Es ist ebenfalls gestresst. Austricksen lassen sich Pferde nicht. „Tut der Reiter nur so, als sei er nervös, verändert sich der Pulsschlag des Pferds nicht“, stellte König von Borstel fest.

Das Verhalten des Tiers kann den Reiter allerdings leicht in die Irre führen. Denn Pferde benehmen sich scheinbar paradox, beobachtete König von Borstel in einer Studie. War der Mensch wirklich nervös, ließ sich das Tier nichts anmerken; umgekehrt wirkte es erregt und riss den Kopf hoch, als der Mensch seinen Stress nur simulierte. Warum sich Pferde so verhalten, ist unklar.

Pferde reagieren kurios auf Menschen

Die Reaktionsmuster der Tiere scheinen jedenfalls viel komplexer gestrickt zu sein als bisher vermutet. Darauf deutet auch eine aktuelle Pilotstudie hin. Wissenscha  ler der Universitäten Göttingen und Guelph/Kanada untersuchten, wie Pferde auf Menschen reagieren, die 1. im Umgang mit den Tieren erfahren sind, 2. körperlich angestrengt und 3. psychisch erregt sind. Die Testpersonen standen nur still in der Mitte eines Roundpens, ohne Kontakt zum Pferd zu suchen; ihre Augen waren verbunden, damit der menschliche Blick die Tiere nicht beeinflussen konnte.

Die Reaktionen waren verblüffend: Die Herzfrequenz der Pferde sank bei Menschen mit hohem Pulsschlag (Gruppe 2 und 3), und zwar am stärksten bei den richtig nervösen Testpersonen. Konfrontiert mit gelassenen Pferdeleuten, stieg der Puls der Tiere dagegen an. Sie verhielten sich auch kurios: Die Pferde hielten ihre Köpfe niedriger, als Menschen mit Herzrasen im Roundpen standen. „Der gesenkte Kopf ist ein äußeres Zeichen für innere Entspannung“, so König von Borstel. Waren nervöse Menschen in der Bahn, liefen die Pferde zudem am langsamsten. Bei den ruhigen Testpersonen waren die Pferdeköpfe höher, die Bewegungen aktiver.

Was könnte hinter diesem merkwürdigen Verhalten stecken? „Pferde ordnen den Menschen ein. Sie unterscheiden, ob dieser eher ranghöher oder rangniedrig ist, und ob sie auf ihn achten müssen oder nicht; bei Personen, die Angst vor Pferden haben, merken sie, dass von denen nichts zu befürchten ist“, interpretiert Dr. Uta König von Borstel das Ergebnis. Dabei dürfte nicht allein die Herzfrequenz der Menschen eine Rolle gespielt haben. „Ich vermute, dass es minimale Änderungen in der Körperhaltung gab, die die Pferde registrierten; das können sie spitzenmäßig“, sagt König von Borstel.

Fotostrecke: Fotostrecke: Freiheitsdressur mit Kenzie Dysli

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CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt

Fotostrecke: Pferde-Ausbildung: Schneller lernen durch gute Stimmung

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CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald
CAVALLO Stimmung Horsemanship Florian Oberparleiter Foto: Udo Schönewald

01.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 06/2012