Pferdekenner Frédéric Pignon und Magali Delgado

Piaffen ohne Gebiss und mit feinen Hilfen

Die Pferdekenner Frédéric Pignon und Magali Delgado verbinden Reitkunst und Kuscheln zur Mega-Show. Wie das geht, erfahren Sie hier.

 

CAVALLO Frédéric Pignon und Magali Delgado
Foto: Rädlein Spaß muss sein!

Freie Pferde strengen sich gerne für ihre Menschen an. Das demonstriert Magali Delgado mit Lusitano Galito. Ohne Gebiss, nur an einem einfachen Reithalfter mit Zügeln, dirigiert sie den achtjährigen Hengst durch anspruchsvolle Dressurlektionen. Spanischer Schritt, Pia¢ e, Passage, Pirouetten, Kompliment und Verneigung, aber auch immer wieder rasanten Galopp zeigt der prächtige Schimmel auf kaum sichtbare Signale.

Seine Mähne fliegt, die Ohren spielen lebhaft, die Augen blitzen fröhlich. Für ihn ist das Training nichts anderes als ein Spiel. Delgado achtet darauf, dass er nicht müde wird oder die Lust an einer Lektion verliert. „Wir arbeiten nicht mit den Pferden, wir verfeinern die Beziehung“, beschreibt Pignon ihre Philosophie.

Es geht nicht um Leistung, sondern um die Freundschaft zwischen Pferd und Mensch. Sie ist der Grund, warum Pignon und Delgado seit über zehn Jahren auf ihrem kleinen Hof leben und dort auch bleiben wollen. „Es ist zwar recht eng, aber hier sind wir dicht bei unseren Pferden und können in ihrem Rhythmus leben“, sagt Pignon. „Erfolg mit Pferden erfordert viel Geduld. Wer versucht, etwas zu beschleunigen, verliert sofort die Leichtigkeit.“

 

CAVALLO Frédéric Pignon und Magali Delgado
Foto: Rädlein Vertrauen zwischen Mensch und Pferd.

Stundenlang schauen und schmusen

Der Ausbilder verbringt deshalb viele Stunden damit, den Tieren auf der Weide nur zuzuschauen oder mit ihnen zu schmusen. „Das ist auf einer großen Anlage mit vielen Leuten nur schwer möglich, aber die absolute Voraussetzung für harmonische Beziehungen, wie wir sie uns wünschen.“ Selbstverständlich ist diese Harmonie nicht nur für daheim reserviert. Auch bei Showauftritten soll die enge Verbindung zwischen Pferd und Mensch erhalten bleiben – und sichtbar werden. „Dabei hilft es enorm, wenn im Training entspanntes Ferien-Feeling herrscht.

Aber auch die Shows selbst müssen Reitern und Pferden vor allem Spaß machen“, sagt Frédéric Pignon. Dafür verzichten Magali Delgado und Frédéric Pignon auf ein großes Haus und exklusive Autos. Denn Shows sind teuer. Ihr neues Projekt, ein abendfüllendes Programm, das noch in diesem Jahr Premiere haben soll, verschlingt schon vorab eine Menge Geld, zum Beispiel für den Kauf neuer Pferde. „Natürlich könnten wir uns dafür einen Produzenten suchen, der die Investitionen schultert“, sagt Pignon. „Doch das wollen wir nicht. Wir möchten unabhängig bleiben.“

Wer große Summen investiert, will mitbestimmen. „Für hohe Erträge werden dann auf Tourneen sieben bis acht Auftritte pro Woche gefordert“, sagt Pignon. Doch das schadet den Akteuren. „Mehr als fünf Shows verderben allen schnell den Spaß.“ Auch um den Show-Nachwuchs kümmert sich das Trainer-Paar selbst. „Als wir von 2003 bis 2008 mit der Show Cavalia weltweit auf Tour waren, haben wir gemerkt, wie schwierig es war, Ersatz für ausgefallene Reiter zu finden.“

Es wuchs die Idee, selbst eine Schule für angehende Reit-Künstler zu gründen. 2011 wurde der Traum dann wahr. In der „Cité du Cheval“ von Tarascon/Provence können Show-Aspiranten nun das Handwerkszeug für den Bühnenerfolg lernen. Die Nachwuchspferde stammen überwiegend aus der Familie. „Meistens kommen sie aus der Lusitano-Zucht meiner Eltern“, sagt Magali Delgado. „Wir kennen ihre Vorfahren und können oft gut einschätzen, wie ein Pferd sich verhalten und entwickeln wird. Und wir können durch unsere Erfahrungen auch die Zuchtauswahl beeinflussen.“

Fotostrecke: Freiheitsdressur mit den Brüdern Pignon

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CAVALLO Pignon Foto: Rädlein
CAVALLO Pignon Foto: Rädlein
CAVALLO Pignon Foto: Rädlein

Fotostrecke: Fotostrecke: Freiheitsdressur mit Kenzie Dysli

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CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt
CAVALLO Kenzie Dysli Foto: Springfeldt

02.05.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Melanie Tschöpe
© CAVALLO