Gangpferde: Werden Isländer zu hart angepackt?

Neue Islandpferde-Prüfung des IPZV?

Schön oder Show – die Gangpferde-Szene steht an einem Wendepunkt. Funktionäre müssen entscheiden, ob sie weiterhin spektakuläres Strampeln belohnen oder feines Reiten endlich effektiv fördern wollen.

 

CAVALLO Standpunkt Gangpferde
Foto: Lisa Rädlein Eine Islandkandare mit Sperrriemen ist brutal. Sie wird nur nötig, wenn gestresste Pferde ängstlich flüchten.

Diese neue Islandpferde-Prüfung des IPZV ist eigentlich eine alte. Das Gæðingakeppni wurde auf der Nordmeerinsel vor etwa 50 Jahren erfunden, um die besten isländischen Reitpferde zu ermitteln. Hierzulande geht es offenbar um etwas anderes. „Dem Zuschauer werden fliegende Hufe, wehende Mähnen und Gangarten wie Tölt und Pass in Perfektion und vor allem Schnelligkeit dargeboten“, jubelt der Verband in seiner Pressemitteilung zum neuen Wettbewerb.

Was sich die IPZV-ler von der Prüfung versprechen, liest sich wie folgt: „Im Vordergrund des Wettkampfes steht vornehmlich das Pferd und seine Qualitäten, während der Reiter und dessen Stil eine untergeordnete Rolle spielen. Auch der Charakter und Ausstrahlung des Pferdes sind wichtig. Reiterliche Fehler hingegen werden auf dem Gæðingakeppni eher toleriert als in den Sportprüfungen. [...] Die freie und einfache Form des Wettbewerbs erlaubt es selbst weniger geübten Reitern, gut vorwärts gehende Pferde unter sich vorzustellen.“

Das klingt vor allem nach Show. Und die ist selten besonders pferdefreundlich. Wie stellen die Veranstalter sicher, dass Reiter ihre Freiheit nicht ausnutzen? Oder wird kräftiges Zulangen im Sattel wissentlich in Kauf genommen, solange die Pferde nur schnell und spektakulär genug um die Bahn sausen?

Der IPZV sieht da keine Gefahr: „Beim Gæðingakeppni wird intensiv auf das Wohlergehen des Pferds geachtet. Schlechtes, grobes oder unharmonisches Reiten bringt auch bei den Gæðingakeppni-Wettbewerben keinen Erfolg“, erklärt Charlotte Erdmann, Pressesprecherin des IPZV. Die Prüfungsordnung verbiete Gerte, Sporen sowie Hilfszügel und fordere ausdrücklich leichte, elastische und freie Bewegungen. Alles, was die Geschmeidigkeit und die freie Art des Pferds beeinträchtige, wie etwa eine übertriebene Beinaktion, die nicht mit den anderen Bewegungen des Pferds zusammenspiele, werde negativ bewertet.

Fotostrecke: Fotostrecke: Weltmeisterschaft der Isländer 2013

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CAVALLO Isländer WM 2013 Berlin Foto: Springfeldt
CAVALLO Isländer WM 2013 Berlin Foto: Springfeldt
CAVALLO Isländer WM 2013 Berlin Foto: Springfeldt

Fotostrecke: Fotostrecke: Eisturnier für Islandpferde in Oberstdorf 2013

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CAVALLO Eisturnier Tölt Isländer Allgäu Foto: www.nw-photo.de
CAVALLO Eisturnier Tölt Isländer Allgäu Foto: www.nw-photo.de
CAVALLO Eisturnier Tölt Isländer Allgäu Foto: www.nw-photo.de

01.09.2013
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 04/2012