Distanzreiten: Virginie Atger beim Okahandja-Ritt in Namibia

Tempobremse zum Wohl des Pferds

Fünf französische Enduroreiter haben am Okahandja-Distanzritt des „Windhoek Endurance Riding Club“ in Namibia teilgenommen. Darunter die Enduro-Vizeweltmeisterin von 2006, Virginie Atger. Cavallo war dabei.

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CAVALLO Distanzreiten: FEI CEI**-Ritt in Namibia Foto: Benjamin Linsner
CAVALLO Distanzreiten: FEI CEI**-Ritt in Namibia Foto: Benjamin Linsner
CAVALLO Distanzreiten: FEI CEI**-Ritt in Namibia Foto: Benjamin Linsner

Zum Schutz ihrer Pferde belegte Ingeborg Heynes die Profireiterin Atger mit einer Stallorder. „Ich habe sie dazu angehalten, mit einer maximalen Durchschnittsgeschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde zu reiten“, sagte die Pferdebesitzerin. „Ich will nicht, dass mein Pferd überfordert wird“. Atger hielt sich an die Regelung und erreichte in der 85,1-Kilometer-Distanz den letzten Platz mit einer Zeit von 5:36:57,38 Stunden.

Dennoch war die erfahrene Reiterin nach der abschließenden veterinärmedizinischen Untersuchung gut gelaunt und resümierte: „Die Route war landschaftlich sehr schön, aber dennoch technisch anspruchsvoll. Durch tiefen Sand zu reiten, war für mich vollkommen neu“. Weiterhin erklärte Atger, sie wolle in den kommenden Wochen an zwei Distanzritten in Frankreich mit 130 Kilometern bzw. 160 Kilometern teilnehmen. „Dann nehme ich auch wieder mit meinem eigenen Pferd teil“, sagte Virginie Atger. „Der Ritt in Namibia ist für mich auf jeden Fall ein gutes Training und ein bisschen Safari haben wir auch noch gemacht. Dieses Land ist wie geschaffen zum Reiten“.

Zertifikate statt Preisgeld

Die französische Vizeweltmeisterin und Teamweltmeisterin von 2006 konnte sich auch damit trösten, dass bei dem namibischen Distanzritt kein Preisgeld ausgeschrieben wurde. Peet Harmse, Vorsitzender des Windhoeker Enduro-Reitvereins sagte: „Die besten unter den Teilnehmern erhalten lediglich Zertifikate, die sie für die FEI-Qualifizierungen benötigen“.

Atgers Landsmann Raphael Willot war bei dem afrikanischen Distanzritt außer Konkurrenz. Als einziger Starter in der 120,1 Kilometer-Kategorie (No Weight) beendete er das Rennen auf Le-Wardi Coco in 6:50:42,46 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,54 Km/h.

Distanzreiten - die umstrittene Disziplin

Der Distanzsport ist nicht unumstritten. Auf den langen Distanzen werden die Pferde stark gefordert und in manchen Fällen sogar überfordert. Dies belegen zahlreiche Verletzungen bis hin zu Todesfällen bei internationalen Distanzritten. Auch Doping, sowohl bei Pferd, als auch Reiter ist nicht unbekannt.

Die Namibische Enduro-Szene streitet die Schattenseiten nicht ab, weist aber von offizieller Seite darauf hin, dass der namibische Distanzsport niedrige Ausfallquoten verzeichne. „Wir haben einen Ausfall von 16 Prozent pro Jahr, das ist eine der niedrigsten Quoten weltweit“, betonte Raik Richter, Pressesprecher des „Windhoek Enduro-Reitvereins“.

Medizinische Untersuchung nach jeder Runde

Die Distanzen sind auf Runden mit durchschnittlich 30 Kilometern Länge aufgeteilt. Nach jeder Runde wird das Pferd mit Wasser gekühlt, damit sich der Puls senkt. „In der Kühlzone dürfen sich die Pferde höchstens 20 Minuten aufhalten“, erklärte Richter. „Ist der Puls danach immer noch über einem Wert von 64, wird das Pferd samt Reiter disqualifiziert“.

Bevor das Pferd auf die nächste Runde starten darf, wird es vom Tierarzt untersucht. Der Arzt prüft, ob der Herzschlag angemessen ist und achtet auf eventuelle Verhaltensauffälligkeiten des Pferdes. „Es kommt aber auch schon mal vor, dass der Arzt dem Reiter die nächste Runde verwehrt, weil er dehydriert oder entkräftet ist“, merkte Richter an.

Verband bezeichnet Distanzsport als pferdefreundlich, Reiter sind skeptisch

In Okahandja erreichte Gabriel Tjinakua auf Wiejandie Emir die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,79 Km/h auf 85,1 Kilometern. Dieses Tempo liegt weit unterhalb der Höchstgeschwindkeiten von bis zu 27 Km/h anderer internationaler Ritte mit bis zu 160 Kilometern Länge. Der namibische Verband der Distanzreiter, die „Namibia Endurance Riding Association“ erklärte, viele ihrer Mitglieder seien Farmer, die zum Zeitvertreib an den Distanzritten teilnähmen und keine Gesundheitsschäden ihrer Tiere in Kauf nehmen wollen.

Peet Harmse, Vorsitzender des Windhoeker Enduro-Reitvereins, wies darauf hin, dass der Distanzritt kein Publikumssport sei und es daher im Gegensatz zum Dressur- oder Springreiten kaum Sponsoren gebe. „Wir schreiben für die Wettbewerbe keine Preisgelder aus, somit fehlt den Teilnehmern ein wichtiger Anreiz, um mit aller Gewalt erster werden zu wollen“, sagte Harmse.

Die Reiter selbst wollen sich die rosa Brille des Verbandes dagegen nicht aufsetzen. Hinter vorgehaltener Hand werden Reiter verdächtigt, ihre Pferde nicht angemessen zu behandeln und Starterlisten werden skeptisch betrachtet. Eine langjährige Teilnehmerin sagte: „Wenn ich mir die Starterlisten über einen längeren Zeitraum ansehe, fällt auf, dass einige Reiter im Schnitt nach zwei Jahren mit neuen Pferden antreten. Das machen die Reiter nicht ohne Grund“.

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CAVALLO Distanzreiten Foto: Rädlein
CAVALLO Distanzreiten Foto: Rädlein
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24.07.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / Benjamin Linsner
© CAVALLO
Ausgabe August 2013/2013