Wanderreiten: Mit Pferden auf Tour

Wetter im Auge behalten

Wanderreiten macht glücklich: 65 Tage, 1700 Kilometer auf dem Pferderücken – Fotograf Florian Wagner ritt von der Zugspitze nach Sylt. Sein Fazit: Die wahre Exotik liegt direkt vor der Haustür.
Foto: Florian Wagner CAVALLO Florian Wagner Wanderritt Wanderreiten

Was geht? Wallach Bob, CAVALLO-Redakteur John Patrick Mikisch und Florian Wagner bei der Fotobesprechung.

Auch der Tagesablauf auf dem Wanderritt war strikt geregelt. Aufstehen morgens um 5 Uhr, 6 bis 13 Uhr Reiten, 13 bis 21 Uhr Bearbeitung und Verschlagwortung der neuen Fotos, Internetblog befüllen, 21 bis 21.30 Uhr Abendessen, noch ein Stündchen plaudern, danach halbtot ins Bett und in der Früh wieder aufs Pferd. „Anders geht so etwas nicht“, sagt Wagner, der fast ein Jahr in die Vorbereitung gesteckt hat. Die meisten Teilnehmer waren erfahrene Reiter mit eigenen Pferden. Florian Wagner war gleich mit zweien dabei, Araber-Wallach Rooh für sich sowie Paint-Stute Soloma für Assistentin Hannah Gorkenant. „Wir haben sogar vorher regelmäßig Anti-Schreck-Training gemacht, damit die Pferde nicht gleich beim ersten Trecker stiften gehen“, sagt Florian Wagner.

Trotzdem wäre der Ritt schon fast nach der ersten Woche vorbei gewesen. Als Wagner einen knisternden Brotbeutel aus der Satteltasche zieht, geht Rooh durch. Wagner fällt vom Pferd und prellt sich den Rücken. „Zum Glück konnte ich nach ein paar Tagen wieder reiten“, sagt er. Wochen später rennt Fjordstute Sonne Hannah Gorkenant über den Haufen. Auch das geht glimpflich ab, zeigt aber, dass die beste Planung nur bedingt nützt.

Das ist auch heute so: Anders als vorgesehen, reitet nur ein Teil der Gruppe die volle Strecke zum Tagesziel, dem Josenhof (www.josenhof-kutter.de) in Rot an der Rot. Florian Wagner fährt mit einem anderen Teil im Pferdeanhänger voraus und reitet nur das letzte Stück. „Mir ist das Wetter zu unsicher“, sagt er. „Das sieht mir doch sehr nach weiteren Gewittern aus.“ Dabei sind gerade nur ein paar Wolken am Himmel zu sehen. Doch Wagner behält recht. Kaum, dass wir am Josenhof eintreffen, zieht in unserem Rücken eine düstere Regenfront auf, die die zweite Reitgruppe voll erwischt.

Auch Florian Wagners Vater war Holzbildhauer – und er liebte Pferde. „Sein Gesellenstück war ein Pferd“, erzählt Florian Wagner. „Die Reitstunden als Bub musste ich mir trotzdem selbst verdienen“, erinnert er sich. Irgendwann hörte er mit dem Reiten auf, ganz los von den Pferden kam er dennoch nicht: Nach dem Abitur geht er nach Australien, arbeitet einige Zeit als Cowboy und beginnt zu fotografieren. Später begleitet er Inuit mit der Kamera bei der Robbenjagd, besteigt den K2 im Himalaya und springt in Kanada mit Snowboardern aus dem Helikopter über den Cariboo Mountains ab.

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19.02.2015
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO