Wanderreiten: Mit Pferden auf Tour

Reitgenehmigung nötig?

Wanderreiten macht glücklich: 65 Tage, 1700 Kilometer auf dem Pferderücken – Fotograf Florian Wagner ritt von der Zugspitze nach Sylt. Sein Fazit: Die wahre Exotik liegt direkt vor der Haustür.

 

CAVALLO Florian Wagner Wanderritt Wanderreiten
Foto: Florian Wagner Begegnung mit der dritten Art: Das Allgäuer Braunvieh beäugt neugierig Wagners Wanderreitgruppe.

Wanderreiter und Fotograf Florian Wagner hatte immer Jobs mit Risiko. Dabei hatte sich Wagners Mutter eigentlich eine sichere Banklaufbahn für ihren Sohn gewünscht. „Ich muss mir die Welt aber mit Sachen erschließen, die für andere vielleicht gefährlich oder kindisch wirken“, sagt Wagner. Man kann jedoch in weniger gefährlichen Berufen ebenfalls völlig aufgehen, wie Wagner bei seiner Reise durch die Republik feststellte: Im fränkischen Laaber traf die Gruppe Michael Plank, den besten Bierbrauer der Welt. „Ein echter Typ“, sagt Wagner. Wie der Botaniker Jürgen Feder, der jeden Grashalm der Lüneburger Heide mit Vornamen zu kennen scheint. Oder Doreen und Philipp. Sie studierte Anglistik und BWL, er war Balletttänzer, Tabledance-DJ und besaß mal einen Escort-Service. Heute betreiben die beiden einen Biedermeier-Strand in der Nähe von Leipzig.

Noch so einer Erkenntnis des Ritts : „Man muss nicht in Berlin oder Köln wohnen, um interessante Leute zu treffen“, sagt Wagner. „Außerdem ist Deutschland weitaus unspießiger, als wir meistens glauben.“ Und deutlich gastfreundlicher. „Die Etappen waren zwar geplant, wo wir unterkommen meistens nicht.“ Einen Platz zum Übernachten zu organisieren, war Aufgabe von Fahrer Fif. Nicht gerade einfach, eine Bleibe für fünf Pferde , sechs Menschen und drei Hunde zu finden. „Aber Fif hat es immer geschafft“, sagt Florian Wagner anerkennend. In Düsedau im Norden von Sachsen-Anhalt trieb Fif mit einem echten Schloss sogar ein überaus feudales Nachtlager auf.

Ärger gab es hingegen nur selten. In Wittenberg etwa: „Wir hatten die Pferde vor einem Straßencafé nahe der Schlosskirche geparkt“, sagt Wagner. An deren Türen hatte Martin Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen genagelt und damit die Spaltung der christlichen Kirche ausgelöst.

Solche revolutionären Zeiten sind definitiv vorbei, denn es dauerte nicht lange, bis zwei Polizisten von Wagners Gruppe eine Reitgenehmigung für die Innenstadt sehen wollten. „Wir waren der Meinung, dass wir die nicht brauchten“, sagt Wagner. Damit liegt er prinzipiell richtig: Reiten ist nach der Straßenverkehrsordnung auf öffentlichen Wegen grundsätzlich erlaubt (siehe auch CAVALLO 9/2014). „Nach kurzer Beratung gaben die beiden Polizisten zwar zu, dass sie sich da auch nicht ganz sicher waren“, erinnert sich Wagner. „Wir sollten aber trotzdem bitte weiterreiten. Das haben wir dann auch lieber gemacht.“

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Fotostrecke: Wanderritt vom Taunus nach Norderney

18 Bilder
Wanderritt vom Taunus nach Norderney Foto: Henning Doderer
Wanderritt vom Taunus nach Norderney Foto: Henning Doderer
Wanderritt vom Taunus nach Norderney Foto: Henning Doderer

19.02.2015
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO