Gute Beziehung: So erreichen Reitlehrer und Schüler gemeinsame Ziele

Der Traum vom guten Reitlehrer

Reitlehrer
Foto: Lisa Rädlein
Gute Reitlehrer bringen ihre Schüler vorwärts - falls die Chemie stimmt. CAVALLO zeigt, mit welchen Psycho-Tricks Reiter schneller und vor allem mit Spaß lernen.

"Gut so. Weiter so." Mehr spuckt der Pferdewirtschaftsmeister nicht aus. Der alte Reitlehrer mit dem ausgezeichneten Ruf erklärt fast nichts. Stumm sitzt er hinter der Bande, lugt teilnahmslos über das oberste Brett. Trabt ein Schüler an ihm vorbei, gibt er ihm lediglich ein lahmes "Gut so. Weiter so" mit auf seinen krummen Weg.

Halten Sie Zoff in Grenzen

In der Bahn zirkeln allerlei Emotionen. Die Selbstbewussten hören nur das "Gut so". Die Ehrfürchtigen freuen sich, wenn der Reitlehrer hinschaut. Die Wissbegierigen sind frustriert. Fast alle langweilen sich – trotzdem beschwert sich keiner. Was hält Reiter bei Ausbildern, bei denen sie nichts dazu lernen? Und was dürfen Reiter von ihren Trainern erwarten? Wie und wann äußert man Kritik am besten, damit sich der Zoff in Grenzen hält?

Wie verzwickt manche Situationen zwischen Ausbilder und Schüler sein können, weiß auch Ingola Berg. Deshalb trainiert sie Reitlehrer in der Kommunikation. Die gelernte Pferdewirtin und Ausbilderin aus Berlin ist Coach (zielorientierter Begleiter und Berater) und weiß, wie kleine psychologische Tricks die Paare ein großes Stück weiterbringen.

Ingola Bergs Methoden stammen aus der Arbeitswelt und bringen auch bei Reitern verblüffende Erfolge: "Als ich das zum ersten Mal im Unterricht ausprobierte, hörten mir meine Reiter plötzlich besser zu", sagt Ingola Berg. Sie nahmen Kritik besser an und setzten auch komplizierte Anweisungen viel leichter um. Und das ist im Reitsport eine Kunst. Denn während des Reitunterrichts wird viel gesprochen, der Anteil der Kommunikation ist mit fast 80 Prozent recht hoch. Bei Reitern bleibt jedoch nur ein Bruchteil tatsächlich hängen. Effektiver wären praktische Hilfen.

Das ist schwierig, da die Hilfen vom Boden kommen, der Reiter aber mit dem Pferd in Bewegung ist. Eine bestimmte Körperhaltung, Bewegung oder Hilfe zu zeigen, ist daher nur im Halten oder im Schritt möglich. Das machen aber die wenigsten Reitlehrer, weshalb viele Korrekturen missverstanden werden. Das führt zu Frust auf beiden Seiten – auf Dauer sogar zu echten Lernblockaden.


28.04.2013
Autor: Stefanie Böck
© CAVALLO
Ausgabe 11/2011