Herzens-Pferde: Freundschaft von Mensch und Pferd

Ich hatte Angst - Aber Aufgeben gilt nicht!

CAVALLO Herzenspferde - Freundschaft von Pferd und Mensch
Foto: Rädlein
Manche Pferde bestimmen unser Leben wie kein anderes. Weil von Anfang an eine Verbindung da war. Oder weil sie uns extrem herausgefordert haben. Geschichten von CAVALLO-Lesern, die berühren.

 

CAVALLO Herzenspferde - Freundschaft von Pferd und Mensch
Foto: privat Aline Derschug und Blue.

Das ist die Geschichte von Aline Derschug und Blue: "Damals dachte ich, Blue ist alles, was ich nicht will. Heute bin ich dankbar, dass es ihn gibt."

Meinen Appaloosa-Wallach Blue haben wir selbst gezogen. Eigentlich wollte ich nie einen Schimmel und am liebsten ein Dressurpferd. Aber weil Blue so ein unglaublich liebenswürdiges Pferd ist, war ich doch glücklich mit ihm. Bis zum 23. August 2006. An diesem Tag war alles anders. Blue kam sonst immer zum Koppeltor, wenn ich ihn rief. Aber an diesem Tag antwortete er nur mit einem Wiehern. Ich fand ihn hinter dem Unterstand, völlig verkrampft stand er dort. Wir fuhren Blue in die Klinik. Diagnose: Kniebruch. Ein Stück Knochen hatte sich in den Muskel gebohrt. Eine Operation war unmöglich. Wir sollten überlegen, ob wir Blue einschläfern lassen, wenn der Bruch nicht verheilt. Reiten würde wahrscheinlich nie mehr möglich sein.

In den Tagen danach saß ich oft bei ihm auf der Weide. Er musste nun alleine stehen, um sich zu schonen. Meine Gedanken drehten sich um Blue. Mir wurde klar, dass Reiten nicht alles ist. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als ein schmerzfreies Leben für ihn und hätte alles dafür gegeben, dass er einfach nur „da“ ist.

Drei Monate später fuhren wir noch einmal in die Klinik. Die Überraschung war groß: Der Knochensplitter war an die ursprüngliche Stelle gewandert und hatte sich dort verkapselt. Ich durfte wieder reiten! Glücklich brach ich mit Blue zu unserer ersten Schrittrunde auf. Doch kaum saß ich im Sattel, bockte er ununterbrochen. Ich sprang ab und führte ihn zurück. Auf der Straße kam ein Lastwagen, Blue erschreckte sich, riss sich los und galoppierte davon.

Glücklicherweise kam kein Auto und so konnte ich ihn an der Weide wieder wohlbehalten einsammeln. Ich war geschockt. Wo war mein umgängliches Pferd geblieben? Mit dem ich nur am Halfter spazierengehen konnte? Das beim Reiten so lieb war? Es wurde nicht besser. Ich bekam Angst – so stark, dass ich überlegte, ihn zu verkaufen. Doch meine Mutter sagte: Aufgeben ist keine Option! Heute bin ich ihr sehr dankbar dafür.

Ich begann, Blue mehr am Boden zu arbeiten und brachte ihm zirzensische Lektionen und Kunststücke bei. Er lernte schnell. Mit der Zeit vergaß er die Schmerzen, die sich in seinen Kopf gebrannt hatten. Auch dass er wieder zu den anderen auf die Koppel durfte, tat ihm gut. Wir lernten wieder, uns zu verstehen. Es dauerte lange, doch es lohnte sich: Ich bekam meinen Blue zurück. Früher dachte ich oft, ich hätte mit ihm genau das Pferd, das ich nicht wollte.

Doch es gibt keines, das besser zu mir passen würde als er. Ich habe Blue versprochen, dass ich alle Entscheidungen zu seinem Wohl treffen werde, auch wenn das für mich bedeutet, selbst zurückzustecken. Wenn ich neben Blue auf der Weide liege und er seinen Kopf in meinen Schoß legt, gibt es nichts auf dieser Welt, für das ich diesen Moment hergeben würde. Nicht ich habe nach meinem Herzenspferd gesucht, sondern mein Herzenspferd hat mich gefunden – lange, bevor es mir selbst bewusst war.

Fotostrecke: Die schönsten Leserfotos: CAVALLO Fan-Pferde (Namen E bis G)

32 Bilder
CAVALLO Fan-Pferde Foto: Desiree Sa_privat
CAVALLO Fan-Pferde Foto: Elisabeth Öchslein_privat
CAVALLO Fan-Pferde Leseraktion Foto: privat

Inhaltsverzeichnis

01.08.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe /2016