Herzens-Pferde: Freundschaft von Mensch und Pferd

Ein Wesen mit zwei Seelen

CAVALLO Herzenspferde - Freundschaft von Pferd und Mensch
Foto: privat
Manche Pferde bestimmen unser Leben wie kein anderes. Weil von Anfang an eine Verbindung da war. Oder weil sie uns extrem herausgefordert haben. Geschichten von CAVALLO-Lesern, die berühren.

Das ist die Geschichte von Lisa Kittler und Angloaraber-Stute Pien: "Ich weine vor Freude, wenn wir alleine durch den Wald reiten. Früher war das nicht möglich."

Vor neun Jahren bekam ich ein Angebot für eine Reitbeteiligung. Ich war damals mitten im Lehramtsstudium, hatte kaum Zeit und noch weniger Geld. Aber es fiel das Zauberwort: Araber. Seit jeher bin ich ein großer Fan dieser Rasse. Es kam also, wie es kommen musste, und ich schaute mir die Angloaraber-Stute Pien an.

Leider stellte sich heraus, dass Pien sowohl körperlich als auch seelisch nicht in der Lage war, einen Reiter zu tragen und an der Arbeit mit dem Menschen wenig Interesse zeigte. Nein, das hatte keinen Sinn! Aber irgendwie ging mir diese Stute nicht aus dem Kopf. Ich fuhr wieder zu ihr – und nahm das Reitbeteiligungs-Angebot an.

Aber was sollte ich mit einem Pferd machen, das nicht zu reiten war? Ich hatte zwar schon ein bisschen über Bodenarbeit gelesen, wusste aber nicht, wie ich das nun umsetzen sollte. Im Internet stieß ich auf den Longenkurs der Pferdetrainerinnen Babette Teschen und Tania Konnerth. Darin erkannte ich einen roten Faden für unsere gemeinsame Ausbildung, den ich bis heute durch viele weitere Ansätze ergänze und immer wieder erweitere – von der Arbeit an der Longe bis hin zum Reiten.

Ich begann, Longenkurse zu besuchen, ließ mich von Babette ausbilden. Wir zogen um auf einen Hof mit Offenstallhaltung. Die Haltungsänderung machte Pien ruhiger und gelassener. Mein Hungerhaken entwickelte allmählich Muskeln an den richtigen Stellen und wurde runder. Nach drei Jahren habe ich Pien gekauft. Aus der ehemaligen Durchgängerin ist inzwischen ein Verlasspferd geworden.

Ich habe Tränen der Freude in den Augen, wenn ich daran denke, dass ich stundenlang alleine mit ihr ausreiten kann. Ich juchze vor Glück, wenn sie mich zum freien Spielen auffordert. Und immer wieder überwältigen mich die Gefühle, wenn sie mir auf der großen Weide wiehernd entgegenkommt. Manchmal erscheint es mir unwirklich.

Es hat sich so viel verändert im Gegensatz zu früher. Heute ist Pien mein Herzenspferd – meine Prinzessin. Nein, sie war es letztlich schon damals. Sonst wäre ich nicht ein zweites Mal zu ihr gefahren. Aber nun kann sie sich auch als mein Herzenspferd zeigen. Nicht nur, weil ihr Körper wieder funktioniert.

Sie strahlt auch von innen heraus. Pien hat Freude an der Arbeit. Sie ist lebenslustig und neugierig
und hat die Nervosität und Anspannung verloren, die sie vorher mit sich herumtrug. Oft denke ich: Näher können wir uns nicht mehr kommen. Aber dann führt es uns doch noch enger zusammen. Ein bloßer Gedanke reicht, ohne dass ich noch etwas mit den Hilfen sagen müsste. Als wären wir ein Wesen mit zwei Seelen.

Hätte ich Pien nicht kennengelernt, wäre mein Leben heute ganz anders. Mein Lehramtsstudium habe ich abgeschlossen, aber ich bekam die Chance, Pferdetrainerin zu werden. So ist ein Traum wahr geworden, der mich tagtäglich zu den Pferden und ihren Besitzern führt. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Ich bin glücklich – jeden Tag! Danke, meine Prinzessin!

Kontakt zu Pferde-Trainerin Lisa Kittler gibt es hier unter http://www.ganzheitliche-pferdegymnastizierung.de


01.08.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe /2016