Herzens-Pferde: Freundschaft von Mensch und Pferd

Für dieses Pferd habe ich gekämpft

CAVALLO Herzenspferde - Freundschaft von Pferd und Mensch
Foto: privat
Manche Pferde bestimmen unser Leben wie kein anderes. Weil von Anfang an eine Verbindung da war. Oder weil sie uns extrem herausgefordert haben. Geschichten von CAVALLO-Lesern, die berühren.

Das ist die Geschichte von Naomi und Friese Fijalar: "Er griff Pferde und Menschen an – auch mich. Aber ich fühlte von Anfang an: Das ist mein Pferd!"

Ob es so etwas wie Schicksal, Vorsehung oder Gottes Wille gibt? Oder war es schlicht meine innere Bereitschaft und die Sehnsucht nach der Erfüllung eines langjährigen Traumes, die mich dazu brachte, mich ein wenig blauäugig auf das Abenteuer "eigenes Pferd" einzulassen? Fakt ist: Ich wusste, dass Fijalar mein Pferd ist, noch ehe ich ihn das erste Mal sah.

Ich fuhr 500 Kilometer, um mir den Friesen-Wallach anzusehen, kannte nichts von ihm außer Größe, Alter und zwei kleine Annoncenbilder, und doch war mir völlig klar: Ich hatte mein Pferd gefunden! Und mein Herz jubilierte vor Glück und Freude, als er dann vor mir stand. Obgleich er klein, dürr und struppig war, mit hängenden Ohren – wahrlich alles andere als eine Schönheit – fuhr ich nach einer halben Stunde die ganzen 500 Kilometer wieder zurück, ohne den geringsten Zweifel an meiner Entscheidung zu hegen.

Alles hat sich so richtig angefühlt. Unser erstes Jahr war eine schwere Zeit. Eine Zeit voller Angst, Tränen, Trauer,
Kampf und doch immer wieder der stillen Hoffnung auf ein gutes Ende. Fijalar kämpfte mit den anderen Pferden bis aufs Blut. Am dritten Tag, nachdem er zu mir kam, zertrat er einem Pony den Schädel.

Beim Füttern griff er mich und andere Menschen mehrmals ernsthaft an, biss sogar einer Person in den Hals und schleuderte sie weg. Fijalar konnte aus dem Nichts heraus bösartig sein. Ich versuchte mit aller Macht, dieses Tier zu verstehen. Noch nie in meinen Leben habe ich für etwas so erbittert gekämpft wie für dieses Pferd. Aber so schwer es mit ihm auch war – wir erlebten auch wunderbare Momente.

Momente der Stille, der kleinen Erfolge und erste Zeichen der Vertrautheit, als er zögernd die ersten Male freiwillig zu mir kam. Von Anfang an sah ich etwas in ihm, das mit Worten nicht zu beschreiben ist. Etwas, das mich weiter um ihn kämpfen und mich immer wieder an ein Happy-End glauben ließ. Es gelang.

Unsere weiteren Jahre waren ruhiger, vertrauter, näher. Wir fanden mehr und mehr zueinander. Ich konnte ihn besser lesen und seine feinen Signale deuten. Und endlich, endlich, kam mein Pferd zur Ruhe. Jeden Tag, wenn bei meinem Rufen sein Kopf hoch fliegt und er mit blitzenden Augen freudig auf mich zugelaufen kommt, geht mir das Herz auf.

Ich fühle mich mit ihm tief verbunden, und dieses Band zwischen uns ist so stark, dass auch schlechte Tage es nicht zum Zerreißen bringen können. Wenn ich mit Wut im Bauch in den Stall komme und Fijalar völlig verunsichert wieder zurücklasse, kommt er mir am nächsten Tag wieder ebenso freudig entgegen wie an allen anderen auch.

Ist das Freundschaft? Immer noch ist Fijalar ein eigenwilliges und freiheitsliebendes Tier. Aber er ist einmalig, inzwischen wunderschön – und mein geliebtes Pferd. Viele fürchten ihn; von einigen lässt er sich nicht einmal anfassen. Doch wir verstehen uns. Er hat mir sein Vertrauen geschenkt und ich ihm das meine.

Nur wenige erkennen die zarte Seele in ihm, doch ich habe sie gefunden. Das ist mein größtes Glück.

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32 Bilder
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01.08.2016
Autor: Redaktion CAVALLO / Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe /2016