Mimik der Pferde: Gestresst oder konzentriert?

Pferdegesichter richtig deuten

Mimik, Bewegung und Schweif zeigen, wie sich das Pferd beim Reiten fühlt. So deuten Reiter die Signale für Dauerstress, anstrengende Lektionen und Komfort.

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Mimik Pferd Foto: Lisa Rädlein
Mimik Pferd Foto: Lisa Rädlein
Mimik Pferd Foto: Lisa Rädlein

 

Mimik Pferd
Foto: Lisa Rädlein

Die Ohren sind zur Seite geklappt, Maul und Nüstern wirken verkniffen. Ist das Pferd gerade total gestresst, wird es gar gequält oder zeigt einfach nur eine kräftezehrende Lektion? Der Grat zwischen Anspannung und Verspannung ist beim Reiten so schmal wie eine Wäscheleine.

Verhaltensexperten erklären, wie Reiter Anzeichen für Stress unterm Sattel erkennen, deuten – und warum selbst fein gerittene Pferde mal gestresst sein dürfen. Wer den körperlichen und psychischen Zustand eines Pferds beurteilen möchte, braucht mehr als eine einzige Momentaufnahme. Gerade Fotos können einem schnell einen Streich spielen, wenn sie einfach nur im falschen Moment entstanden sind.

Etwa, weil das Pferd kurz mit dem Schweif geschlagen hat, das Maul öffnet, weil es gerade zufrieden auf dem Gebiss kaut oder sich für einen Augenblick hinterm Zügel verkriecht und aussieht, als würde es gerollkurt. Man muss genau hinschauen, ob das scheinbar gestresste Pferd gerade korrigiert wird oder voll konzentriert in einer schweren Lektion steckt. Das ist auch der Grund, warum CAVALLO kritische Berichte etwa zum Thema Rollkurreiten immer mit Videos begleitete und Serienaufnahmen machte.

Im Prinzip besteht das ganze Leben aus Stress – das ist beim Pferd genauso wie beim Menschen. Sobald etwas Neues kommt, läuft im Körper blitzartig Schema F ab und macht den Organismus fit für Leistung, Flucht oder Angriff. Der Begriff „Stress“ kommt aus dem englischen und bedeutet übersetzt schlicht „Belastung“.

Wissenschaftler haben beim Menschen herausgefunden, dass bei einer außergewöhnlichen Belastung im Körper Anpassungsreaktionen ablaufen: Die Nebennierenrinde – die Adrenalin-Fabrik des Körpers – vergrößert sich stark, Immunorgane wie Milz und Lymphknoten schrumpfen. Krankheiten breiten sich leichter aus. Magengeschwüre wuchern.

Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO
Ausgabe Mai 2013/2013