Pferde ausbilden: Lasst Euch von Reit-Profis helfen

Sucht Rat bei Reit-Profis!

CAVALLO Pferde ausbilden Problempferde
Foto: Lisa Rädlein
Hilfe suchen: Wer Pferde als Laie allein ausbildet, scheitert meist kläglich. Das erlebte eine CAVALLO-Leserin beim ersten eigenen Pferd. Im letzten Moment suchte sie bei guten Profis Rat.

März 2013: Eine Woche vor ihrem zehnten Geburtstag steht ein jämmerliches, klapprig wirkendes Nervenbündel vor unserer Familie: Halbblutstute Mona Lisa, kurz Mona. Wir geben ihr und uns noch eine Chance. Geht die schief, muss das Pferd in Frührente.

So hatten wir uns das Ergebnis allerdings nicht vorgestellt, als wir im Herbst 2012 unser erstes eigenes Pferd kauften. Die Halbblutstute mit Hannoveraner Brand sollte als Turnierpferd bis L-Springen und L-Dressur ausgebildet sein. Ein gut ausgebildetes, wohlerzogenes Pferd im perfekten Alter, direkt zum Durchstarten. Prima! Doch weit gefehlt. Denn was uns mit der Stute blühte, überraschte gewaltig. Und ich habe mir vor allem eins auf die Fahne geschrieben: Versuche nicht, ein Pferd alleine auszubilden. Lass dir von Experten helfen.

Ich gebe zu, der Pferdekauf war vielleicht eine etwas zu spontane Entscheidung gewesen. Wie viele Laien überrollte uns die scheinbar geniale Chance, auf die Schnelle ein hübsches Pferd für wenig Geld zu kaufen. Musste man da nicht zugreifen?

Dazu ein neuer, laut Verkäufer „sehr gut passender“ Sattel. Und dass das Pferd in der Probewoche zeitweise etwas durcheinander wirkte, dafür hatten wir größtes Verständnis.

Wir – das sind mein Mann, unser älterer Sohn und ich. Wir träumten schon eine Weile von einem Familienpferd. Vom perfekten Allrounder, auf dem mein Mann reiten lernen konnte, während unser Sohn und ich unsere reiterlichen Kenntnisse vertiefen wollten. Warum das Pferd nicht im Alleingang weiter trainieren? Erfahrung mit Pferden hatten wir ja.

Ich reite seit meiner Kindheit, verdiente meine ersten Sporen auf heißblütigen Trakehnern und erweiterte meinen Horizont nach einigen Jahren Auszeit auf Irish Tinkern. Was sollte also schief gehen, redeten wir uns den Pferdekauf munter weiter schön. Die Ernüchterung folgte schnell. Nicht einer unserer Träume wurde mit Mona Lisa real. Wo lagen die Probleme?

Unser familiärer Neuzugang entpuppte sich als Musterbeispiel für ein ganz schön problematisches Freizeitpferd. Den Anfang machte das Exterieur: ein kurzer, fester und kaum bemuskelter Rücken, die leicht überbaute Hinterhand. Außerdem besaß Mona einen ausgeprägten Hirschhals, war schreckhaft und nervös. Sie schwitzte schon beim Satteln und stand beim Aufsitzen nicht eine Sekunde still. Unterm Sattel entzog sie sich möglichst jeder reiterlichen Hilfe, indem sie meinem Sohn und mir einfach unterm Hintern davon rannte. Schenkeleinsätze quittierte sie nahezu hysterisch, indem sie – so das überhaupt möglich war – noch hektischer wurde. Kurz: Mona Lisa war nicht annähernd vernünftig zu reiten.

Unter diesen Umständen brauchte mein Mann gar nicht mit Mona Lisa in den Reitsport einzusteigen. Das wäre viel zu gefährlich geworden. Mein Sohn und ich blieben trotzdem zunächst optimistisch. Hofften, unser Temperamentsbündel mit liebevollem Umgang und ruhigem Vorwärts-Abwärts-Reiten in den Griff zu bekommen. Dem war nicht so. Wir mussten weiterdenken.

 

CAVALLO Pferde ausbilden Problempferde
Foto: Christine Falckenberg-Eberhardt

Christina Eberhardt

ist CAVALLO-Leserin aus Breckerfeld/Nordrhein-Westfalen. Vor zweieinhalb Jahren kaufte sie mit ihrer Familie das erste eigene Pferd, Mona Lisa. Die Stute eröffnete der langjährigen Reiterin neue Horizonte.


Inhaltsverzeichnis

14.02.2015
Autor: Christina Eberhardt
© CAVALLO
Ausgabe 02 / 2015 /2015