Pferde individuell fördern: Wie Profis Talente im Pferd wecken

Wie wecken Sie Talente Ihres Pferds?

Foto: Lisa Rädlein Apportieren
Pferde individuell fördern: In jedem Pferd schlummern verborgene Stärken. Unsere Profis verraten Ihnen, wie diese Talente am besten zum Vorschein kommen.
Foto: Rädlein CAVALLO Pferdekiefer Rittigkeit - Sabine Matt

Sabine Matt, Reitlehrerin aus Züsow in Mecklenburg-Vorpommern.

Ihr Pferd scheint kein Dressur-Crack zu sein und will auch nicht gerne über Hindernisse springen? Macht nichts! CAVALLO hat Pferde-Profis befragt, wie sie Talente ihrer Pferde wecken. Vielleicht kann Ihr Pferd Dinge, denen Sie erst noch auf die Spur kommen müssen? Viel Erfolg mit den CAVALLO Profi-Tipps.

Sabine Matt: "Wild experimentieren"

Ich habe mal ein Westernpferd zum Springen geschickt und siehe da: Es hatte Spaß daran! Es wollte sogar unbedingt Hindernisse überwinden. So etwas ist natürlich toll, denn es stärkt gleichzeitig das Selbstbewusstsein des Pferds und die Bindung zum Reiter. Daher meine Devise: einfach ausprobieren und beobachten. Wenn das Pferd aber keinen Spaß am Neuen hat, sollte der Reiter auch so fair sein und es nicht mit seinen Wunschvorstellungen ärgern.

Foto: Rädlein CAVALLO Pferdekiefer Rittigkeit - Michael Jung

Michael Jung, Weltmeister der Vielseitigkeit aus Horb in Baden-Württemberg.

Michael Jung: "Mit dem Leichten starten"

Ein Talent sollte immer schrittweise vom Leichten zum Schweren entwickelt werden. Beispiel: Jedes Pferd hat die Fähigkeit, einen kleinen Sprung zu machen. Der Reiter muss es nur vorsichtig heranführen. Ich beginne mit einer Stange auf dem Boden und steigere langsam den Schwierigkeitsgrad mit Hilfe eines Cavalettis. Wichtig ist dabei, das Pferd nicht zu überfordern. Wenn es plötzlich stoppt oder ausweicht, sollte man wieder auf eine niedrigere Höhe wechseln.

Foto: Rädlein CAVALLO Pferdekiefer Rittigkeit - Jörg Bös

Jörg Bös, Reitlehrer aus Weilmünster in Hessen.

Jörg Bös: "Eigenes Becken lockern"

Aufgrund der modernen Zeit ist der Bewegungsapparat des Menschen unflexibler geworden. Das Problem dabei: Um das Pferd in seinen Bewegungsabläufen nicht zu behindern, muss sich das menschliche Becken dreidimensional bewegen können, also nicht nur auf und ab, sondern auch kreisend nach rechts und links. Ansonsten wird der Energiefluss des Pferds blockiert und sein Gleichgewichtsgefühl gestört. Durch Gymnastik kann der Reiter seinen Körper elastisch und flexibel halten, um auf die Bewegungsimpulse des Pferds besser eingehen zu können. Das erleichtert dem Pferd seine Entwicklung. Es kann seinen Körper freier und kreativer bewegen und die eigenen Fähigkeiten und Talente ungehemmter ausprägen.

Foto: Rädlein CAVALLO Pferdekiefer Rittigkeit - Christine Konrad

Christine Konrad, Ausbilderin aus Reitenbach in Hessen.

Christine Konrad: "Nachahmung nutzen"

Ich lasse unerfahrene Tiere dabei zusehen, wenn ich mit erfahrenen beispielsweise Zirkustricks trainiere. Das ermutigt sie, es ebenfalls auszuprobieren; dasselbe Prinzip wie im Kindergarten. Es ist immer wieder toll mitzuerleben, wenn neugierige Pferde ihre Artgenossen nachahmen und auf ein Podest springen. Das kann beim ersten Mal auch schief gehen, aber die Motivation ist meistens so groß, dass sie es immer wieder versuchen, bis sich schließlich nach und nach der Erfolg einstellt.

03.07.2012
Autor: Alexander Blome
© CAVALLO
Ausgabe 12/2011