Pferde richtig loben mit Arien Aguilar

Lob schafft Vertrauen

Das perfekte Lob ist Charaktersache. Und zwar für Pferd und Reiter. Ausbilder Arien Aguilar und Sandra Kogler zeigen, wie Reiter herausfinden, welche Belohnung ihr Pferd besonders beflügelt.

 

CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar
Foto: Lisa Rädlein WASSER-LOB: Wie viele Testpferde hält Wallach Vigo Wasser für eine hochinteressante Belohnung nach guter Leistung.

Wasser...

ist für Pferde lebenswichtig und ein tolles Spielzeug. In trockenen Regionen kann es den Menschen für Pferde interessant machen.

Gut für neugierige, verspielte, junge Pferde und heiße Sommertage.

In Texas ist die Sache glasklar. Wasser motiviert ebenso stark wie Futter. Über den Wassereimer lässt sich Bindung zu Jungpferden, die halbwild auf riesigen Weiden leben, quasi nebenbei aufbauen. Zu Hause nutzt Arien Aguilar den Durst auch im Training. Gibt es nach einer guten Übung Wasserlob, stürzen sich Pferde begeistert darauf. Logo. Doch welches Pferd hat an einem trüben Tag im kaltfeuchten Deutschland bitteschön Durst? „Wir werden ja sehen“, sagt Arien Aguilar und muss lachen, „Los! 20 Runden Galopp und her mit dem Eimer“.

Obwohl die Pferde frisch aus dem Stall kommen, steuern sie sofort das Wasser an. Drei von ihnen stecken sofort den Rüssel rein, schlabbern und spielen. Damit hatten nicht mal die Trainer gerechnet. Sie folgern: In der Frei- oder Bodenarbeit ruhig mal Wasser anbieten, wenn das Pferd etwas gut gemacht hat. Verknüpfen Sie das Spiel anfangs mit einem Streichel- oder Stimmlob. Spiel und Spaß funktionieren schließlich perfekt als Kombi-Lob.

Gut möglich, dass die Planscherei Lust auf neue Tricks weckt, gerade bei verspielten und neugierigen Pferden. „Pferde haben oft kreative Ideen, wenn man sie nur lässt“, sagt Sandra Kogler. Sie könnte sich vorstellen, dass manche den Eimer anheben. Daraus könnte man Apportieren entwickeln. Spritzer auf der Nase motivieren das Pferd vielleicht zum Flehmen, das könnte zur Lektion ausgebaut werden.

Ach ja, fast hätten wir es vergessen: Auch deutsche Sommer können heiß sein. Bei 35 Grad bekommen Pferde nicht nur in Texas schnell Durst. Ein Schluck aus dem Eimer befriedigt dann ein Grundbedürfnis und ist ein angenehmes Lob.

 

CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar
Foto: Lisa Rädlein STIMM-LOB: Die ruhige Lipizzaner-Stute Watra lässt sich von Arien Aguilar besonders gut mit Stimme motivieren. Enthusiastische Lob-Rufe wecken ihre Lust am Laufen. Erst am Übungs-Ende gibt es sanfte Streicheleinheiten.

Stimme...

belohnt Pferde per Klang unmittelbar, auch wenn man noch nicht ganz genau weiß warum. Ein Stimmlob ist schnell und jederzeit verfügbar.

Tücken: Dieses Lob müssen Pferde verstehen lernen. Anfangs die Laute mit Kraulen oder Leckerli verstärken. Die Stimme beruhigt („braaaav“) und aktiviert („feeeein“), auch auf Distanz. Sie kann lobend unterstützen, wenn eine Übung noch weitergeht. Geeignet für ängstlich-unsichere sowie inaktiv-langsame Pferde. Gut, um im Sattel zu loben, wo das Pferd die menschliche Körpersprache fühlt, aber nicht sieht.

Huch, was für eine Verwandlung! Eben wirkte Besitzerin Carmen Sauer noch dynamisch und ließ beim Erzählen Hände und Arme sprechen. Kaum führt sie ihre Lipizzanerstute Watra am Knotenhalfter, verpufft diese Energie. Watra wirkt unsicher und schaltet einen Gang runter. „Du musst selbst Energie reinstecken, wenn du Energie von Watra forderst“, erklärt Sandra Kogler der Besitzerin. Dafür könnte Stimmlob ideal sein.

Die Stimme kann Energie wecken und beruhigen. Moduliert der Reiter den Klang hell, erzeugt er häufig beim Pferd mehr Dynamik. So kann man zum Beispiel in Lektionen loben, die viel Energie benötigen. Ein sonores „schöööön“ senkt dagegen das Energielevel. Es bietet sich an, um etwa ein Halten etwas zu verlängern.

Wie gut diese Verbindung bei Watra funkt, wird deutlich, als Arien mit ihr das Antraben trainiert. Er läuft rückwärts und fordert die Stute am Seil auf, ihm zu folgen. Unterwegs feuert der Trainer sie mit fröhlichen Rufen an: „Weiter, weiter, weiter!“ Die eben noch zögerliche Watra läuft - und läuft und läuft.

Stimmlob enthüllt auch die Stimmung des Menschen. Nicht jeder Reiter kann im richtigen Moment die passende Emotion in die Stimme zaubern. Schon die Körperhaltung beeinflusst ihren Klang. Versuchen Sie mal mit hängenden Schultern und zusammengesacktem Oberkörper enthusiastisch „fein, fein, fein!“ zu jubeln – es wird nicht funktionieren. Allerdings wirkt der Einfluss auch umgekehrt: Ein breites „braaaav“ lockert beim Ausatmen zum Beispiel die angespannten Schultern. Stimmlob spricht also durch den ganzen Körper des Reiters zum Pferd.

Pferde reagieren sehr sensibel auf Körperhaltung und Stimmlage. Deshalb können Reiter die Tiere auch nicht anlügen. Passt der Ton nicht zur Botschaft, entsteht Dissonanz. Wer gerade Angst hat, kann in der Regel keine echte Begeisterung in seine Stimme legen oder beruhigend loben.

Reiter können lernen, die Stimme besser zu nutzen. Vor allem ruhigen, introvertierten Menschen fällt es schwer, stimmliche Dynamik zu entwickeln. Ist das Pferd zusätzlich eher ein Gemütstyp, klingt ihr Stimmlob mehr nach Schlaflied – auch wenn es tatsächlich ein Weckruf sein sollte.

Das ist kein Grund, künftig zu schweigen. Denn die eigene Stimme flexibel zu erheben oder zu dämpfen, kann man lernen, wenn man sich bemüht. Schweigsame Reiter dürfen natürlich trotzdem den Mund halten. Denn Lob muss vor allem authentisch sein. Verhaltensforscher sind überzeugt, dass Pferde erkennen können, ob ein Lob von Herzen kommt oder nicht.

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Training für Pferde mit Senkrücken

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CAVALLO Training für Pferde mit Senkrücken Foto: Rädlein
CAVALLO Training für Pferde mit Senkrücken Foto: Rädlein
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09.12.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe /2016