Pferde richtig loben mit Arien Aguilar

Trainingsmethoden und passendes Lob

Das perfekte Lob ist Charaktersache. Und zwar für Pferd und Reiter. Ausbilder Arien Aguilar und Sandra Kogler zeigen, wie Reiter herausfinden, welche Belohnung ihr Pferd besonders beflügelt.

 

CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar
Foto: Lisa Rädlein KONDITIONIERTES LOB: Clicker-Training ist der Prototyp für die Arbeit mit konditioniertem Lob. Der Ton erlaubt, präzise und aus der Ferne zu loben.

Clicker & Co...

sind ein konditioniertes Lob. Ein beliebiges, oft akustisches Zeichen schindet Zeit, bis die eigentliche Belohnung kommt (z.B. Leckerli).

Tücken: Das Signal muss sauber und gründlich konditioniert werden, dafür muss der Mensch viel können.

Geeignet für intelligent-aktive, verspielte und neugierige Pferde.

„Klick!“ Arien Aguilar lässt den Knackfrosch in der Hand einmal blechern quaken. Fuchsstute Siva bläht empört die Nüstern. „Zu laut für sie“, sagt der Trainer. Geräuschempfindlichen und sensiblen Pferden fällt es oft schwer, den harten Ton des Clickers als etwas Positives zu empfinden. Allerdings gewöhnen sie sich oft auch schnell daran, wenn sie verstehen, dass auf den kleinen Knall immer ein Leckerli folgt. Sie lernen: Wenn es klickt, wird es lecker!

Der Clicker macht promptes Lob leichter - per Konditionierung. Mit einem Knopfdruck lässt sich jedes gewünschte Verhalten sofort bestätigen, auch aus der Distanz. Sitzt die Konditionierung, baut der Knackfrosch dem Pferd eine Brücke, die das Warten aufs kommende Leckerlob erleichtert. „Ganz auf das Leckerli verzichten darf man nicht. Folgt die erwartete Belohnung nicht zuverlässig, löst sich die Konditionierung wieder“, sagt Sandra Kogler.

Wer mag, kann unterschiedlichste Lob-Signale verwenden. Gut konditionierbar sind Worte, Gesten und natürlich jeder andere beliebige Ton. Um die ruhige Lipizzaner-Stute Watra mit mehr Energie zu versorgen, könnte ihre Besitzerin etwa bei den Delfintrainern spicken. Die Meeressäuger werden oft auf Triller-Töne oder Triller-Pfeifen konditioniert, erklärt Arien. Diese Töne vibrieren und klingen sehr dynamisch.

Auch der träge Vigo ließe sich vermutlich gut per Clicker motivieren. „Er ist ein richtiger Clown, wie er auf neue Ideen kommt, mit Wasser und Plane spielt“, sagt Sandra Kogler. Sie hält Vigo aus diesem Grund für einen guten Clickerkandidaten.

 

CAVALLO Pferde richtig loben mit Arien Aguilar
Foto: Lisa Rädlein LEKTIONS-LOB: Die aktive Siva (links) arbeitet gern. Sandra Kogler testet, ob sie auch Seitwärts als Lektions-Lob mag. UNIVERSAL-LOB FREUDE: Egal wie Sie loben – je ehrlicher Sie sich freuen, umso mehr Motivation wecken Sie beim Pferd. (rechts)

Berührung...

imitiert Sozialkontakte und stärkt die Bindung von Mensch und Pferd.

Tücken: Reiter müssen die Lieblingsstellen finden; Stirn oder Mähnenkamm sind oft beliebt. Wildes Klatschen am Hals wird meistens nicht als Lob verstanden. Berührungslob kann beruhigen (sanfte, große Streichelbewegung) oder aktivieren (enthusiastisch mit den Fingerspitzen kraulen oder leicht klopfen).

Geeignet für Pferde, die körperliche Nähe mögen.

Für Watra springt Arien über seinen Schatten. „Ich bin ja eher der Typ ‚sanfter Streichler‘“, sagt er lachend. Doch für die inaktive Lipizzaner-Stute Watra saugt er Luft in den Brustkorb, strafft den Oberkörper und lobt dann impulsiv drauflos. Rhythmisch und aktiv kraulen seine Fingerspitzen den Mähnenkamm, das soll Watra wach kitzeln. Bei anderen Pferden kann die akupressurähnliche Massage anstrengende Lektionen energisch unterstützen. Würde man Watra sanft mit der Handfläche am Hals streicheln, wäre das für die Stute vermutlich ebenso willkommen, es hätte nur leider den Effekt eines Schlafmittels auf sie.

Sanftes Streicheln löst Wonne aus. Der Hautkontakt stimuliert das Gehirn zur Ausschüttung von Oxytocyin. Das Kuschelhormon wirkt wie Kleister auf soziale Beziehungen: Es bindet. Und es beruhigt. Für den kleinen, aktiven Araber Ciryon ist diese Form des Schmuselobs ideal. Er soll sich schließlich entspannen. Das klappt mit großen sanften Bewegungen viel besser als mit aktivem Kribbelkrabbel. Versuchen Sie es mal an Ihrem eigenen Arm! Ähnlich wie beim Lob mit der Stimme muss der Mensch sein Temperament eventuell anpassen, um mit Berührung effektiv zu loben.

Kräftiges Klopfen am Hals ist fast allen Pferden unangenehm - das ergaben Studien, in denen viele Pferde Schreckreaktionen zeigten, wenn Reiter den Hals abwatschten. Kein Wunder. In der Herde gibt es diese Art von Klopfkontakt unter Artgenossen nicht.

Knabberspiele an der Mähne, mal zart, mal hart, aber durchaus. Genau daran ist das Streichellob im Sattel oder bei der Arbeit am Boden angelehnt. Speziell Pferde, die ein großes Bedürfnis nach Nähe haben und so personenbezogen sind wie Araber Ciryon, reagieren darauf mit Wohlbehagen.

Wie ein Berührungslob ankommt, ist nicht immer gleich. Criollo-Mix-Stute Siva erinnert dabei eher an eine eigenwillige Katze. „Mal genießt sie das Kraulen, kurze Zeit später zeigt sie die kalte Schulter und Fremd-Streichler lässt sie gar nicht erst ran“, so beschreibt eine Miteinstellerin die Stute.

Für Fremde lässt sich deshalb manchmal nur schwer ahnen, ob das Pferd Berührungen mag oder nicht. „Ich betreute mal eine sensible, liebe Stute, die von vielen für ein echtes Kuschelpferd gehalten wurde. Dabei fand sie Streicheln total doof“, sagt Sandra Kogler. Am besten fängt man vorsichtig an und hat ein Auge auf Abwehrsignale. Schon wenn die Haut zuckt oder das Pferd die Nase kräuselt, kann das Missbilligung ausdrücken. Gute Chancen, dass Ihr Streichellob ankommt, haben Sie an Mähnenkamm, Widerrist oder zwischen den Augen. Die sieben besten Streichel-Zonen finden Sie in CAVALLO 6/2016.

Fotostrecke: Fotostrecke: Pferde ausbilden mit Konstanze und Knut Krüger

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CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein

Fotostrecke: Fotostrecke: Pferde ausbilden mit Konstanze und Knut Krüger

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CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Pferdekenner Knut Krüger Training Verhalten Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Training für Pferde mit Senkrücken

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CAVALLO Training für Pferde mit Senkrücken Foto: Rädlein
CAVALLO Training für Pferde mit Senkrücken Foto: Rädlein
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09.12.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe /2016