Polo-Ponystute stirbt beim Training - Ausbilder spricht von "Hexenjagd"

Fall Karioka: Stute stirbt an Schädelbruch

Ein Tierarzt und Sportreiter aus der Schweiz quälte das Polopony Karioka, bis es starb. Am Bezirksgericht Winterthur kam der Fall zur Anklage.

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CAVALLO Karioka
Foto: Mathias Bodenmüller Helfer transportieren Karioka ins Tierspital.

Nach dem Sturz der Polopony-Stute Karioka geht das Drama weiter. Tierarzt Jörg B. führt eine Schwellung am Kopf des Tiers „möglicherweise auf eine allergische Reaktion auf einen Bienenstich“ zurück; er gibt Karioka ein Schmerzmittel und ein entzündungshemmendes Medikament. Die Stute steht zittrig wieder auf, torkelt durch die Halle, schrammt an der Wand entlang und verletzt sich am Auge. Jörg B. behandelt auch dies. Dann überlässt er das Pony der Auszubildenden Jasmin V., die einen Abschluss als Tiermedizinische Praxisassistentin hat.

Zuschauer alarmieren letztlich den Bezirkstierarzt, der wiederum die Polizei ruft. Kariokas Zustand verschlechtert sich rasant, sie sinkt zu Boden, verdreht die Augen. Um 16 Uhr trifft die Tierambulanz ein. Jörg B. kommt zurück. Er will Karioka vor Ort einschläfern - mit Einverständnis des Besitzers. Doch der Bezirkstierarzt lässt Karioka nach Zürich transportieren, „um Beweise sicherzustellen“, wie er sagt.

Das Zürcher Tierspital diagnostiziert eine „Schädelbasisfraktur mit Hämatombildung in beide medialen Kompartimente der Luftsäcke sowie ein retropharyngeales Hämatom mit Einengung der oberen Atemwege“. Um 21 Uhr wird Karioka erlöst. Neun Stunden nach dem Schädelbruch. Das Gericht wertet das Verhalten B.‘s nach dem Unfall als besonders schwerwiegend: „Das Pony hätte die volle Aufmerksamkeit des Tierarztes gebraucht“.

Wäre Jörg B. in der Halle geblieben, hätte er es früh genug von seinem Leiden erlösen können, hält der Richter fest. Für B. ist es hingegen normal, dass ein Veterinär nach der Behandlung zum nächsten Tier geht: „Wenn er bei jedem verletzten Tier stundenlang bleiben muss, dann steigen die Kosten ins Unermessliche.“ Zudem sei Karioka ja von Jasmin V. beobachtet worden. Die Auszubildende spricht das Gericht frei. Sie habe nur die Weisungen ihres Chefs ausgeführt. Da er ihr schon früher mit Kündigung gedroht hatte, habe sie sich nicht getraut, sich zu wehren. Ein Jugendstrafverfahren gegen die jüngere Sabrina S. wurde bereits mangels Verschuldens eingestellt. Jörg B. wird das Urteil vermutlich anfechten. Er spricht von einer „Hexenjagd“.

Hintergrund:
Antoine F. Goetschel ist bisher der weltweit einzige Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen. Der Kanton Zürich richtete das Amt 1992 ein, um Tieren eine Rechtsvertretung zu geben. Die Tieranwalt darf Verfahrensanträge stellen, Zeugen sowie Gutachter vorschlagen und kann Freisprüche anfechten. Goetschel behandelt im Jahr etwa 200 Fälle. Aus rechtlichen Gründen soll das Amt Ende 2010 aber abgeschafft werden.


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