Reiten ohne Gebiss: Tipps für Gebissloses Reiten

Dressurstunde ohne Gebiss?

Ohne Druck im Pferdemaul: Was passiert beim Reiten, wenn keine Trense im Maul ist? Klappen Anlehnung, Stellung und Biegung beim Reiten trotzdem? CAVALLO probiert drei gebisslose Zäume aus. Plus Profi-Tipps für Einsteiger.

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Gebisslos reiten Zaum Zäumung Foto: Lisa Rädlein
Gebisslos reiten Zaum Zäumung Foto: Lisa Rädlein
Gebisslos reiten Zaum Zäumung Foto: Lisa Rädlein

 

Gebisslos reiten Zaum Zäumung - Viola Pfeifle
Foto: Lisa Rädlein CAVALLO-Leserin Viola Pfeifle.

CAVALLO-Leserin Viola Pfeifle testet einen sidepullähnlichen Zaum. Ihr Wunsch: Cara soll eine Dressurstunde ohne Gebiss laufen. Wie wird die Stute reagieren? Viola Pfeifle greift beim Reiten ihrer Stute Cara (18) gern zum gebisslosen Zaum. „Wenn ich Cara ohne Trense reite, kaut sie mehr“, sagt die Reiterin. Neu für beide: Mit gebissloser Zäumung eine Reitstunde bei einem externen Ausbilder meistern. „Man bewegt sich ja gern in seiner Komfortzone und reitet, was am besten klappt“, sagt Pfeifle.

Für CAVALLO testet sie den 2-in-1-Zaum „Contour“ von Barefoot, der Pferde über sanften Seitwärtsdruck auf das Nasenbein steuert. Er kann auch mit Gebiss benutzt werden. „Die Zügelhilfen kommen bei diesem Modell direkt an und werden nicht umgelenkt“, sagt Trainerin Katharina Schwamm, die den korrekten Einsatz des gebisslosen Zaumzeugs bei den drei Testreitern prüft.

Ziel der Reitstunde: Heraus’ nden, ob das Pferd auch ohne Gebiss willig den Reiterhilfen folgt, sich in Anlehnung reiten lässt und Dressurlektionen gelingen. Beim Leichttraben auf dem Reitplatz gibt Katharina Schwamm erste Tipps: „Die Nase des Pferds kann weiter nach vorne. Einfach die Hand am Hals entlang in Richtung Maul wandern lassen.“ Rappstute Cara nimmt die Aufforderung an und streckt den Hals mehr vorwärts-abwärts.

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Gebisslos reiten Zaum Zäumung
Foto: Lisa Rädlein Der sidepullähnliche Zaum erzeugt sanften Seitwärtsdruck auf das Nasenbein des Pferds.

Cara beginnt zu kauen und schlabbert mit der Unterlippe

Der Reiterin gelingt auch ohne Trense, ihre Stute in Dehnungshaltung zu reiten. Cara schnaubt zufrieden ab. Es geht an die Galopparbeit: Fleißig galoppiert die Stute an und zeigt harmonische Trab-Galopp-Übergänge. Pferd und Reiterin sind ein eingespieltes Team. Hier wird deutlich, dass die Stute die feinen Signale ihrer Reiterin kennt und das Gebiss nicht der entscheidende Faktor in der Kommunikation des Paares ist: Das Pferd lässt sich gut durch Gewichts- und Schenkelhilfen steuern.

Erst beim Reiten von Tempo-Unterschieden im Galopp braucht Viola Pfeifle den Rat der Expertin. „Beim Zulegen und Aufnehmen auf dem Mittelzirkel das Pferd noch mehr aus dem Sitz heraus versammeln“, korrigiert Katharina Schwamm, „mehr Gewicht in den rechten Bügel, mehr auf den rechten Gesäßknochen setzen.“ Als Pfeifle das Tempo verlangsamen will, werden die Galoppsprünge von Cara hektisch und flach.

Denn beim Zurückführen des Galopps vergisst die Reiterin, mit der Hand impulsartig einzuwirken. Die Folge: Cara stört der Druck auf dem Nasenbein. Sie pullt. Der Tipp der Trainerin, das Tempo vermehrt über den Sitz zu kontrollieren und die Pferdeschulter dabei korrekt auf der gebogenen Linie zu halten, führt am Ende zum Erfolg. Dann folgt der Schiefe-Test: „Bitte auf der Mittellinie im Galopp auf mich zu reiten“, fordert die Trainerin. Viola Pfeifle wendet ab. Cara bricht mit der Vorhand leicht aus und galoppiert mit der Hinterhand versetzt zur Mittellinie. Mit dem gebisslosen Zaum wird die Schwäche der Stute sofort deutlich. „Das Pferd exakt über den Sitz lenken. Aufrecht bleiben und einrahmen“, verlangt Katharina Schwamm.

 

Gebisslos reiten Zaum Zäumung
Foto: Lisa Rädlein Praxis-Test: Stute Cara nimmt die Reiter-Hilfen über die sidepullähnliche Zäumung gut an.

Die Schiefe des Pferds lässt sich mit dem gebisslosen Sidepull nur schwer korrigieren.

Bei den folgenden Versuchen konzentriert sich die Reiterin noch mehr auf ihren Sitz. Am Ende springt Cara sogar gute fliegende Wechsel auf der Mittellinie. „Feines Reiten ist auch ohne Gebiss möglich“, sagt Katharina Schwamm. Viola Pfeifles Urteil über den sidepullähnlichen Zaum fällt positiv aus: „Reite ich ohne Gebiss, muss ich mit der Hand bewusst Impulse setzen. Steht der Zügel ständig an, macht sich Cara im Galopp fest.“

Auch der optische Eindruck ist gut: Der Zaum ist sehr gut verarbeitet und empfiehlt sich für Einsteiger, da er auch mit vier Zügeln reitbar ist. „Dann könnte man anfangs den Trensenzügel mit Gebiss auf dem Hals liegenlassen und testen, wie das Pferd auf die gebisslose Variante reagiert“, überlegt Viola Pfeifle.

Ein positives Fazit zieht die Reiterin auch beim zweiten Testzaum, dem Star-Bridle: „Nehme ich die Zügel auf, sucht Cara die Anlehnung. Statt die Zügel zu tragen, muss ich sie nur halten“, sagt Viola Pfeifle. Es scheint, als reagiere die Stute beim Reiten sensibler auf den äußeren Zügel: Cara zeigt auf gebogenen Linien mehr Aufrichtung und galoppiert auf der Mittellinie deutlich weniger schief. Aber: „Die Zäumung darf die ersten Male nur unter Anleitung verwendet werden“, sagt FNTrainerin Schwamm. Die seitlichen Anzüge wirken ähnlich scharf wie ein mechanisches Hackamore und gehören deshalb nur in erfahrene Hände.

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09.08.2012
Autor: Cathrin Flößer, Kristina Glaser, Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 07/2012