Reitschule in Berlin: Ausgezeichnete Jugendarbeit beim KJRFV

Madame Nou und ihre Reitkinder


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CAVALLO Reitverein Berlin Zehlendorf
Foto: Udo Schönewald

Graues Gesicht, wache Augen: Madame Nou ist 50 Jahre alt.

Reiten in Berlin: Shettystute Madame Nou ist 50 Jahre alt, hatte sieben Fohlen, lehrte über 1500 Kinder das Reiten - und hat ein besonderes Zuhause. Der KJRFV wurde mehrfach für seine Jugendarbeit ausgezeichnet.

Wer diesem Urgestein den Bart kraulen will, muss schon auf die Knie fallen. Und das nicht nur, weil die graubefellte Dame mit 95 Zentimetern Stockmaß eher klein ist. Der Shettystute gebührt Respekt: Sie ist mit 50 Jahren die wohl älteste Ponydame Deutschlands. Über 1500 Kinder sollen auf ihr das Reiten gelernt haben. Denn mit Madame Nou fing alles an. Wäre sie nicht gewesen, gäbe es wohl auch ihr Zuhause, den 400 Mitglieder starken Kinder- und Jugend-, Reit- und Fahrverein Zehlendorf e.V. (KJRFV), nicht. CAVALLO hat Madame Nou und den Verein, der mehrfach für seine Jugendarbeit ausgezeichnet wurde, in Berlin besucht.

Das Vereinsgelände liegt gegenüber der dreigeschossigen Neubaufassade der Justizvollzuganstalt Zehlendorf. Ob es sich mit der im offenen Vollzug befindlichen Nachbarschaft gut leben lässt? Auf die Frage ist man vorbereitet: Bis dato könne man nicht klagen. Außerdem biete die Lage in der Düppeler Feld- und Waldlandschaft mehr als einen Vorteil: Die Stallungen für über 100 Vereinspferde und -ponys sind weitläufig.

Große Offenställe mit Unterständen gibt es – dazwischen drei Boxen. Eine kurze Schrittstrecke entfernt, vorbei an kleinen Schrebergärten, schon locken ein riesiger Sandplatz sowie ein Wald- und Wiesenstück mit festen Hindernissen zum Training oder Ausritt. Weiterer Trumpf: Die Tierklinik der Freien Universität Berlin liegt keine fünf Gehminuten entfernt.

Sprich: Wird ein Pferd krank, ist Hilfe nah. „Das hat uns mehr als einmal gerettet“, sagt Glinda Spreen. Die Berlinerin ist erste Vorsitzende des Vereins. Sie lebt für dieses Projekt, für die Pferde, für die Reitkinder. Madame Nou gehört seit Jahrzehnten dazu. Glindas Mutter, Ilse Spreen, hat 1973 die Spreens-Pony-Reitschule (SPR) gegründet; seit 1988 anerkannt als gemeinnütziger und förderungswürdiger Reitsportverein. Das war alles andere als üblich. Ilse Spreen war eine berufstätige, allein erziehende Mutter, die sich im Laufe der Jahre etliche Pferde und Ponys zulegte, viele Kinder um sich scharte und eine Reitschule etablierte, in der junge Menschen auch so etwas wie eine Heimat fanden. Für dieses Lebenswerk verlieh man Ilse Spreen, die 2004 starb, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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Pferde trainieren Apportieren Dressur Foto: Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Apportieren Foto: Lisa Rädlein
Autor: Diana Maier
© CAVALLO
Ausgabe 12/2010