Richter-Urteil: Warum bekommen schlecht gerittene Pferde gute Noten?

Der Trend zur Show ist gefährlich

Dilemma im Dressursport: Zu viele schlecht gerittene Pferde bekommen beim Turnier zu gute Noten, kritisiert Ausbilder Michael Putz. Eine aktuelle Studie stützt seinen Standpunkt: Richter schauen vor allem auf die Vorderbeine der Pferde.

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Schwung - Reiten Beispiel 1.1 Foto: Rädlein
Schwung - Reiten Beispiel 1.2 Foto: Rädlein
Schwung - Reiten Beispiel 1.3 Foto: Rädlein

Der Trend zur Show ist gefährlich, weil er zu Lasten der Pferde geht. Viele talentierte Sportpferde sind mit neun, zehn Jahren seelisch und körperlich kaputt und verschwinden von der Bildfläche. Dabei soll richtiges dressurmäßiges Reiten die Pferde gesund erhalten. Es kann nicht Sinn der Sache sein, der populären Show zuliebe vorzeitigen Verschleiß in Kauf zu nehmen.

Wir haben eine Verantwortung für die Tiere. Wenn der Sport ihnen schadet, muss man eben umdenken und notfalls mit weniger Publikum leben. Die Schulung der Richter muss also vermehrt darauf abzielen, den Schwerpunkt der Bewertung wieder auf die wirklich entscheidenden Faktoren zu legen. Also auf feines, harmonisches Reiten, nicht auf spektakuläre Bewegungen. Leider sind inzwischen viele Turnierrichter offenbar auf die falschen Dinge gepolt.

Das lässt auch die vorliegende Studie vermuten. Wir Deutschen können da nur bedingt eingreifen, denn im internationalen Bereich ist das sogar noch gravierender als im nationalen. Wir müssen besonders auch bei unseren jungen Richtern das Bewusstsein für die Problemeschärfen. Es muss immer das Pferd als Ganzes gesehen werden. Das geht besser mit dem Weitwinkelobjektiv als mit dem Tele, das nur Einzelheiten heranzoomt. Frau Dr. Wolframms Studienergebnisse bestätigen meinen Eindruck aus der Praxis. Dass diese Erkenntnisse in der Fachwelt etwas verändern können, bezweifle ich aber. Man ist doch sehr darauf aus, die scheinbar heile Welt nicht zu gefährden.

Ein Lichtblick sind einige jüngst im Spitzendressursport vorgestellte Pferde wie Uthopia, Valegro, aber auch Dablino und El Santo. Sie erzielen mit schwingendem Rücken und durchschwingenden Hinterbeinen auch hohe Noten, liegen leider aber in der Bewertung nicht mit genügend Abstand vor den verspannten Pferden.

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CAVALLO Michel Henriquet Richard Hinrichs Foto: Rädlein
CAVALLO Michel Henriquet Richard Hinrichs Foto: Rädlein
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CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald
CAVALLO Biomechanik Foto: Schönewald

26.03.2012
Autor: Redaktion CAVALLO/Michael Putz
© CAVALLO
Ausgabe 03/2012