Standpunkt Horsemanship: Wie sanft sind Seilschwinger?

Mag das Pferd den Trainer?

Schlechte Horsemanship-Trainer empören Reiter und bringen das pferdefreundliche Trainings-Konzept in Verruf. Aufgebrachte Tierfreunde setzen schlechte Seilschwinger mit der Methode gleich und verdammen beide. Höchste Zeit für mehr Sachlichkeit.

 

Horsemanship
Foto: Lisa Rädlein Klein und fein: Für Kerstin Brein (vorgestellt in CAVALLO 12/2013) macht Pony Querido Männchen.

Für die Suche nach dem richtigen Lehrer müssen sich Reiter – wie in jeder anderen Disziplin auch – viel Zeit nehmen und kreativ werden. Wer sich neu mit Horsemanship befassen will, findet dank Berichten in Fachzeitschriften wie CAVALLO sowie über persönliche Kontakte und Empfehlungen schnell mögliche Kandidaten. Bevor Reiter dann gleich Unterricht buchen, sollten sie den Menschen kennenlernen.

Am Anfang steht ein Gespräch, findet Silvia Furrer: "Wie jemand mit Menschen umgeht, sagt schon viel darüber aus, wie er auch mit Pferden umgeht." Sie rät, nur Personen zu vertrauen, in deren Nähe man sich wohl fühlt. Auch die eigenen Pferde eines Trainers verraten viel über den Menschen.

Mögen Pferde ihren Trainer nicht, sind sie angespannt oder desinteressiert, ist das kein gutes Zeichen. "Dann stimmt etwas Grundlegendes nicht", warnt Silvia Furrer. Wenn irgend möglich, sollten Reiter auch zusehen, wie ein Trainer mit Schülern arbeitet. "Guter Unterricht ist so aufgebaut, dass der Mensch verstehen lernt, warum er sich wann wie verhalten muss", sagt Berni Zambail. Das können längst nicht alle Ausbilder. Manche haben zwar das perfekte Händchen für Pferde, aber kein Gefühl für Menschen.

"Damit Reiter das Richtige lernen, müssen ihre Ausbilder aber nicht nur die Pferde lieben, sondern auch deren Reiter", sagt Berni Zambail. "Sie sollten verstanden haben, dass die Prinzipien des Horsemanships universelle Kommunikationsregeln sind." Das bestätigt Ralf Heil. Seiner Ansicht nach reflektiert ein guter Trainer den Zustand seines Schülers: "Ich muss immer wieder prüfen, ob der Mensch mental und emotional überhaupt in der Lage ist aufzunehmen, was ich ihm gerade erklären will."

Wer so etwas bei seinen Schülern wahrnimmt und dafür auch Lösungsansätze parat hat, führt Menschen schneller zum Erfolg, als wenn er ihr Innenleben ignoriert. Dieselbe Strategie garantiert auch beim Pferd die größten Fortschritte. Und sie ist nicht auf den Bereich "Natural Horsemanship"
beschränkt.

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Video: Wie Horsemanship nicht aussehen sollte





30.04.2014
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 5 / 2014 /2014