Schwierige Pferde: Ausbildungs-Tipps für Reiter & Pferd

Problempferd: Fünfjähriger Deckhengst steigt - Dorothee Baumann-Pellny

CAVALLO Reit-Profis helfen Problempferden: Dorothee Baumann-Pellny aus Ammerbuch in Baden-Württemberg bildet Dressurpferde bis zur höchsten Klasse aus.

 

Foto: Wolschendorf Dorothee Baumann-Pellny bildet Dressurpferde bis zur höchsten Klasse aus.

Was war Ihr schwierigstes Pferd?

Mein schwierigstes Pferd war ein fünfjähriger Deckhengst, ein Warmblüter mit hohem Vollblutanteil. Sein neuer Besitzer hatte ihn von einem Gestüt übernommen, wo er auch angeritten worden war. Ich sollte ihn ausbilden. Der Hengst steige ab und an, sagte man mir. Beim ersten Ritt ging zunächst alles gut – bis sich der Hengst während der Lösungsphase verhielt, plötzlich stark stieg und auf den Hinterbeinen stehen blieb. Zum Glück war er dabei sehr gut ausbalanciert, so dass ich einfach warten konnte, bis er wieder auf seinen vier Hufen stand. Wie ich später feststellte, litt das Pferd unter Sattelzwang, entstanden durch zu festes Anziehen eines Gurts mit beidseitigen Gummizügen und zu rasches, überfallartiges Versammeln. Außerdem benötigte er zu Beginn der Arbeit eine längere Lösungsphase. In seinem Heimatgestüt hatte man das offenbar nicht erkannt.

Wie konnten Sie dem Pferd helfen?

Mein Lösungsweg war einerseits situationsbezogen. Nach dem Ungehorsam ritt ich ihn erst einmal konsequent vorwärts, aber nur mit ganz wenig Druck. Als er nach langer Zeit wieder einmal stieg, ließ ich ihn anschließend 15 bis 20 Minuten auf der gestütseigenen Rennbahn richtig vorwärts laufen. Dabei galoppierte er sich aus, war danach völlig gelöst und ließ sich sogar für einige Minuten gehorsam versammeln. Langfristig änderte ich zwei Sachen: Ich ging beim Angurten sehr vorsichtig vor, damit er seinen Sattelzwang ablegte. Zum anderen begann ich die Lösungsphase sehr ruhig, um ihn im passenden Moment richtig vorwärts zu reiten. Diese Strategie zahlte sich aus. Der Hengst stieg bei mir nie wieder. In den zwei Jahren bei mir lernte er alle Seitengänge, Verstärkungen, Galoppwechsel und erste Piaffe-Tritte. Später ging er Grand Prix.

Was lernten Sie daraus?

Was ich daraus lernte ist, wie wichtig es ist, bestimmte Reaktionen des Pferds richtig zu analysieren und auch auf scheinbare Kleinigkeiten wie korrektes Gurten und richtiges Aufwärmen zu achten.

Kontakt:
Dorothee Baumann-Pellny
Amateurreitlehrerin FN
Bahnhofstr. 23
72119 Ammerbuch-Entringen
www.dorothee-baumann-pellny.de

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19.08.2011
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 07/2011