100 Krankheiten - Das große CAVALLO Symptom-Lexikon

Karpaltunnel-Syndrom - Katarakt - Kehlkopferkrankungen - Kieferfraktur - Kissing Spine - Kniegelenksarthrose - Kolik - Kreuzverschlag

Im CAVALLO Symptom-Lexikon finden Sie die Symptome der 100 wichtigsten Pferdekrankheiten. Hier: Karpaltunnel-Syndrom - Katarakt - Kehlkopferkrankungen - Kieferfraktur - Kissing Spine - Kniegelenksarthrose - Kolik - Kreuzverschlag.
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Foto: Gerhards Karpaltunnel-Syndrom Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Das Pferd hat Schmerzen und versucht, das kranke Vorderbein zu entlasten.

Karpaltunnel-Syndrom

Der Karpaltunnel ist ein Hohlraum am hinteren Rand des Vorderfußwurzelgelenks. Er entsteht, weil die Ränder von Unterarmknochen, Karpalknochen, Metakarpalknochen und Erbsenbeinknochen (Os carpi accessorium) eine knöcherne Rinne bilden, über der wie ein Deckel ein mehrere Millimeter starkes Halteband liegt (Retinaculum flexorum).

In diesem Tunnel laufen, eingebettet in lockeres Bindegewebe, die oberflächliche und die tiefe Beugesehne. Sie haben eine gemeinsame Karpalbeugesehnenscheide, die vor mechanischen Reizungen schützen soll. Diese vier bis zehn Zentimeter lange Hülle umschließt außer den Sehnen auch die Gefäße und Nerven, die sich dicht an die Sehnen schmiegen.

Sammelt sich Flüssigkeit in der Sehnenscheide, geraten Nerven, Gefäße und Sehnen im Karpaltunnel unter Druck. Das Pferd hat Schmerzen und lahmt. Unter zunehmender Belastung lahmt es meist stärker, nach Ruhe schwächer. „Typisch ist eine stark wechselnde Lahmheit“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Karl Pauritsch aus Gössendorf in Österreich. „Auf der ersten Bahn geht das Pferd klar, auf der nächsten plötzlich stocklahm.“ Manche Pferde stolpern viel.

Die prall gefüllte Sehnenscheide wölbt sich häufig unter der Haut vor. Die Schwellung seitlich des Karpalgelenks kann sich bis in den Unterarmbereich ausdehnen. Bei frischen Erbsenbeinbrüchen ist die Bruchstelle häufig fühlbar; bei alten, unbehandelten Brüchen kann man das gebrochene Erbsenbein vermehrt unter der Haut seitlich verschieben.

Tastet man den Karpaltunnel ab, zeigt das Pferd Druckschmerz. Mit der Karpalbeugeprobe will der Tierarzt das Lahmen verstärken, um es sicher dem Karpalgelenk zuzuordnen.

Die Leitungsanästhesie, bei der das Bein abschnittsweise betäubt wird, ist ein weiterer Schritt der Diagnose: Betäubt der Tierarzt die Karpalbeugesehnenscheide, müsste das kranke Pferd lahmfrei gehen. „Mit der Leitungsanästhesie kann man den Schmerz allerdings nicht vollständig ausschalten, so dass die Lahmheit häufig nicht ganz verschwindet“, sagt Dr. Pauritsch, der deshalb zur Sonografie rät. „Es gab freilich bisher kaum Berichte, wie das Karpaltunnelsyndrom im bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden kann“, ergänzt er.

Deshalb untersuchte der Pferdefachtierarzt in einer Studie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover 10 Pferde mit Karpaltunnelsyndrom und im Vergleich fünf gesunde Pferde mit dem Ultraschallgerät, das mit einem Linearschallkopf ausgerüstet war. „Die Sonografie ist hier das Diagnose-Mittel der Wahl“, bilanziert Dr. Pauritsch, der Veränderungen im Bereich der Sehnenscheide, der Sehnen und Bänder auf dem Bildschirm beurteilte. Zusätzlich röntgte er das Karpalgelenk, um Knochenveränderungen zu erkennen.

Noch besser sind freilich Kernspintomographie (MRT) und Computertomographie (CT), die gestochen scharfe Bilder von Beugesehnen, Sehnenscheide, Halteband und Knochenrändern des Karpaltunnels liefern.

Foto: Gerhards Katarakt Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Die getrübte Linse löste sich aus ihrer Verankerung.

Katarakt

Wird die Linse eines oder beider Augen trüb, leidet das Pferd an Katarakt (Grauer Star). Je nach Lage und Ausmaß der Trübung unterscheidet man Totalstar, Kern- oder Rindenstar.

Beim Totalstar ist die gesamte Linse trüb. Auf diesem Auge kann das Pferd zwar zwischen hell und dunkel unterscheiden, aber keine Gegenstände mehr erkennen. „Der Blick durch eine trübe Linse ist wie die Sicht durch eine beschlagene Autoscheibe“, vergleicht Professor Hartmut Gerhards, Augenspezialist und Leiter der Pferdeklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Pferd erschrickt immer häufiger, weil es Gegenstände oder Menschen nur noch schemenhaft erkennt.

Der Kernstar hat einen getrübten Linsenkern, während die seitliche Rindenzone oder Teile davon durchsichtig sind. Die zentrale Trübung ist meistens so stark, dass auch der Kernstar die Sehkraft verschlechtert.

Beim Rindenstar liegt die Trübung am Kapselrand. Sind die vorderen und hinteren Kapselnähte betroffen (Nahtstar), sieht das Pferd aus, als trage es einen dreistrahligen Stern auf der Linse. Diese Trübungen beeinträchtigen das Sehen nicht immer.

Wucherungen an der Linsenkapsel bilden oft scheiben-, ring- oder punktförmige Trübungen. Um die Sehkraft zu untersuchen, leuchtet der Tierarzt mit einem gebündelten, kräftigen Lichtstrahl direkt ins Auge. „Zwinkert das Pferd mit dem Lid und verengt sich die Pupille, sind Netzhaut und Sehnerv intakt, und das Pferd kann sehen“, sagt Professor Gerhards. Eine Linsentrübung leuchtet grau-weiß auf, wenn der Strahl durch die Linse dringt.

Die unter Laien übliche Methode, mit einer Hand vor dem Pferdeauge hin- und herzuwedeln, sagt dagegen nichts über die Sehkraft aus, weil bereits der entstehende Luftstrom den Lidschlag auslösen kann.

Um weitere Erkrankungen des inneren Auges (Aderhaut, Iris, Glaskörper) festzustellen, macht der Tierarzt ein Ultraschallbild vom Auge. Mit dem Elektroretinogramm (ERG) misst er elektrische Ströme auf der Netzhaut. Anhand der Kurvenausschläge kann er nachweisen, ob die Netzhaut lichtempfindlich reagiert.

Foto: Hans Kuczka Kehlkopferkrankungen Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Der Kehlkopf reguliert die Atmung. Wird er auf Dauer von Viren oder Bakterien attackiert, pfeifen die Pferde beim Einatmen. Eine Operation hilft manchmal.

Kehlkopferkrankungen

Eine akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis) verursacht in der Regel kaum Beschwerden. Erkrankte Pferde husten aber häufig, zunächst trocken, später manchmal feucht und meist schmerzhaft. Viele Pferde bekommen Hustenanfälle, wenn sie aus dem Stall kommen und sich in kalter Luft bewegen. Andere beginnen beim Fressen zu husten. Staubige Luft löst besonders schwere und langanhaltende Hustenanfälle aus. Manchmal verursacht eine Kehlkopfentzündung klaren bis eitrigen Nasen- und Augenausfluss und lässt die Kehlgangslymphknoten schwellen. Schwillt auch die Kehlkopfschleimhaut, gibt der Patient schnarchende bis röchelnde Geräusche von sich.

Kehlkopfpfeifer atmen im Trab und vor allem Galopp mit einem pfeifenden, keuchenden, röchelnden oder grunzenden Geräusch ein. Während gesunde Pferde ausatmen, wenn das im Galopp führende Bein fußt, haben viele Kehlkopfpfeifer Schwierigkeiten, ihre Atmung mit den Bewegungen zu synchronisieren. Sie wiehern oft leise und heiser, husten und verschlucken sich öfter.

Je höher die Geschwindigkeit und je länger die Belastung, desto lauter und durchdringender wird das Geräusch. So kann aus weichem Pfeifen im kurzen, gemäßigten Trab ein lautes Keuchen im langanhaltenden, schnellen Galopp werden. Meist verschwindet das Geräusch aber nach wenigen Atemzügen wieder, wenn das Pferd zur Ruhe kommt.

Foto: Gerhards Kieferfraktur Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Stufe um Stufe: Durch den Bruch hat sich der Unterkiefer verschoben.

Kieferfraktur

Kieferfrakturen sind beim Pferd nicht selten, wobei der Unterkiefer häufiger bricht als der Oberkiefer.

Besonders schnell splittert der Unterkiefer an der zahnlosen Lücke (Lade). Dort liegt beim Reiten das Trensen- oder Kandarengebiss, gepolstert durch die Zunge, die sich breit über Knochen und Lade legt. An dieser Engstelle ist zwischen den beiden Unterkieferästen bei einem normal großen Warmblüter nur drei Zentimeter Platz, so dass gerade das Gelenk der Trense dazwischen passt.

Häufig ist der Kieferbruch offen, Knochensplitter bohren sich durch die Haut nach außen. Bei gedeckten oder geschlossenen Brüchen dagegen sind außen am Kopf höchstens ein Knubbel an der Bruchstelle oder eine vermehrte Beweglichkeit feststellbar.

In den ersten Tagen nach dem Bruch kann das Pferd Fieber bekommen. Die Bruchstelle schwillt diffus und schmerzhaft an. Um dem Schmerz auszuweichen, streckt das Pferd den Kopf vor. Aus dem leicht geöffneten Maul hängt die Zunge; Speichel fließt. Das Pferd hat üblen Mundgeruch. „Es kann nicht richtig kauen, frisst sehr langsam oder manchmal gar nicht mehr“, sagt Pferdezahnspezialist Privatdozent Dr. Claus Peter Bartmann aus Bad Reichenhall.

Im Bereich des Oberkiefers brechen meistens ein oder mehrere Zahnfächer (Alveolen) der Schneidezähne, was als Zahnfachfraktur bezeichnet wird. Dann stehen die Schneidezähne schief oder wackeln, Blut läuft aus dem Maul, der Oberkiefer schwillt an.

Der Tierarzt spült vor der Untersuchung die Maulhöhle mit Wasser, um Futterreste aus offenen Brüchen zu entfernen. Danach öffnet er das Maul sehr vorsichtig, betrachtet die Maulhöhle samt Gebiss und röntgt den Kiefer in verschiedenen Ebenen. Auf den Bildern erkennt er die Bruchlinien und Verlagerungen von Knochen oder Zähnen.

Foto: Gerhards Kissing Spine Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Wenn die Dornfortsätze aneinander reiben, spricht man von Kissing Spine. Pferde mit „küssender Wirbelsäule“ gelten als unheilbar, haben aber längst nicht immer Rückenschmerzen.

Kissing Spine

Typisch sind Rückenschmerzen, die mit der Zeit immer stärker werden. Viele Pferde weichen beim Putzen zur Seite aus oder drücken den Rücken weg. „Auch Probleme beim Satteln, Gurten, Aufsitzen oder Anreiten gehören dazu“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Michael Nowak von der Tierklink Karthaus in Dülmen/Nordrhein-Westfalen. „Der Grund muss nicht unbedingt Kissing Spine sein. Aber man sollte den Rücken auf jeden Fall checken lassen.“

Beim Reiten tun sich Pferde oft mit der Längsbiegung schwer und laufen steif durch Wendungen. Sie gehen häufig schwunglos, halten den Schweif schief oder klemmen ihn ein und wollen oft nicht vorwärts. Andere wehren sich gegen den Zügel, tragen den Kopf schief oder schlagen mit dem Kopf. Auch wenn ein Pferd ständig Kreuzgalopp geht, hat es möglicherweise Kissing Spine. Beim Springen kann es ebenfalls Probleme geben; manche Pferde verweigern plötzlich. Im Extremfall tut der Rücken so weh, dass die Pferde buckeln und steigen, sowie der Reiter im Sattel sitzt. Andere gehen vor Schmerzen durch oder bleiben starr stehen.

Foto: Pferdeklinik Dallgow Kniegelenksarthrose Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Krankes Knie mit arthrotischen Veränderungen (Plateau, siehe Pfeil) am Schienbein.

Kniegelenksarthrose

Im Frühstadium wird die Arthrose leicht übersehen, weil das Pferd nicht lahmt. Wird es aus der Box geholt, läuft es etwas steif und braucht ein paar Minuten, um sich einzulaufen.

Später werden die Schmerzen stärker, das Pferd lahmt aber zunächst nur nach Belastung. Wird es nicht gearbeitet, scheint sich die Lahmheit zu verbessern. Aber sie flammt auf, sobald wieder trainiert wird. Das Pferd tritt hinten kürzer, schlurft und fußt stärker auf der Zehe, weshalb sich das Hufhorn oder Eisen an der Zehe mehr abnutzt.

Im fortgeschrittenen Stadium lahmt das Pferd meist auch, wenn es lediglich auf der Weide läuft. Ein harter und unebener Boden kann die Lahmheit zusätzlich verschlimmern. Die Oberschenkel- und Kruppenmuskulatur schrumpft. Es ist möglich, dass das Kniegelenk anschwillt. Im Stand entlastet das Pferd das kranke Bein, manche legen sich wegen der Arthrose nicht mehr hin. Wenn sie ständig unter starken Schmerzen leiden, werden sie teilnahmslos oder aggressiv und magern ab.

Foto: Hans Kuczka Kolik Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Kolik ist das häufigste Leiden der Pferde und Todesursache Nummer 1. Dabei ist Kolik strenggenommen gar keine Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für Bauchschmerzen aller Art.

Kolik

Kolik ist eine Sammelbezeichnung für meist schmerzhafte Magen-Darm-Erkrankungen verschiedener Ursachen. „Kolik ist also keine Krankheit, sondern ein Syndrom, bei dem verschiedene charakteristische Symptome zusammentreffen“, sagt Dr. Wolfgang Scheidemann von der Tierklinik Hochmoor im nordrhein-westfälischen Gescher-Hochmoor.

Koliker zeigen ihre Schmerzen meist sehr deutlich: Sie sind zunehmend unruhig, flehmen, scharren und schlagen gegen den Bauch, legen sich hin und stehen wieder auf. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, wälzen sie sich, werfen sich zu Boden und toben, wobei sie zwischendurch scheinbar symptomfrei minutenlang ruhig liegen können.

Charakteristisch für eine Krampfkolik, die mit über 50 Prozent häufigste Kolikform, sind plötzlich einsetzende, wenige Minuten andauernde, heftige Schmerzattacken. Diese wechseln mit Phasen, in denen die Pferde keine Anfälle haben. Während dieser Pausen verhält sich ein Krampfkoliker oft völlig normal.

Andere Koliker verhalten sich auffällig ruhig. Um den Bauch zu entlasten, stellen sie Vorder- und Hinterbeine weit nach vorne oder hinten, drehen den Kopf zur schmerzenden Bauchseite. Manche Kolikformen erkennt man an der typischen Körperhaltung: Fohlen mit Magengeschwüren liegen häufig scheinbar entspannt an die Boxenwand gelehnt. Heftiges Toben und rücksichtsloses Wälzen deuten meist auf eine Dickdarmdrehung hin. „Bei Magenüberladung setzen sich manche Pferde wie Hunde hin“, sagt Dr. Scheidemann.

Geblähter Bauch, Fressunlust, geweitete Nüstern, erhöhte Puls- und Atemfrequenz (normaler Ruhepuls: 30 bis 44 Schläge/min; Atmung in Ruhe: 10 bis 20 Züge/min) sowie starkes Schwitzen sind typisch. Laute Darmgeräusche signalisieren eine beginnende Gaskolik. Bei Krampfkolik sind dagegen nur wenige oder gar keine Darmgeräusche zu hören.

Foto: Streitferdt Kreuzverschlag Symptome Pferdekrankheiten Medizin CAVALLO-Kompendium Therapie Prävention

Klatschnass: Schwitzen und Muskelzittern sind ebenfalls typische Symptome für Kreuzverschlag.

Kreuzverschlag

Kreuzverschlag, Feiertagskrankheit, Tying up, Rhabdomyolyse oder Lumbago sind die traditionellen Bezeichnungen für Muskelerkrankungen bei Pferden. „Wie man inzwischen weiß, gibt es verschiedene Muskelerkrankungen, die durch diese Bezeichnungen aber nicht widergespiegelt werden“, sagt Dr. Christian Bingold von der Pferdeklinik Großostheim bei Aschaffenburg. Ihre Symptome gleichen sich zwar, die Muskelerkrankungen haben aber unterschiedliche Ursachen.

Auch das Ausmaß eines Kreuzverschlags kann sehr unterschiedlich sein. „Im günstigsten Fall merken Sie als Reiter gar nichts, nur Laborwerte würden etwas anzeigen“, sagt Dr. Bingold. Nimmt die Störung zu, bewegt sich das Pferd auf der Hinterhand zunehmend steif und unwillig. Im Extremfall kann es keinen Schritt mehr laufen, knickt in der Hinterhand ein und legt sich fest.

Für einen Laien ist es oft schwierig, einen schweren Verschlag von einer Kolik zu unterscheiden, da sich die Symp-tome ähneln. „Im Gegensatz zur Kolik legt sich das Pferd relativ still hin“, erklärt Dr. Bingold. Es versucht sich nicht zu wälzen, weil dies mit Schmerzen verbunden wäre. Es schaut sich aber häufig wie ein Koliker nach hinten um oder flehmt vor Schmerzen. Ein sehr starker Kreuzverschlag kann neben Kolik auch mit anderen extrem schmerzhaften Krankheiten verwechselt werden – etwa Beckenbrüche, Thrombosen der Hinterhandarterien, Harnröhrensteine oder Tetanus.

Bei schweren Verläufen wird die Muskulatur steinhart, schwillt an und ist extrem druckempfindlich. Die Pferde schwitzen besonders in den betroffenen Muskelregionen, die Körpertemperatur steigt über die normalen 37,5 bis 38,2 Grad Celsius. Die Temperaturmessung kann aber sehr irreführend sein, da nach der Arbeit die Körpertemperatur auch ganz natürlich deutlich ansteigen kann. Bei Schmerzen zeigt das Pferd einen ängstlichen Gesichtsausdruck, sein Atem scheint gepresst. Atemfrequenz und Puls steigen. „In solch schlimmen Fällen färbt sich der Harn zu einer Farbe, die Cola ähnelt. Das ist ein Katastrophensignal“, sagt Dr. Bingold.

Bei milderen Verläufen fehlen diese gravierenden Symptome, weshalb auch für Tierärzte die exakte Diagnose schwierig ist. „Zuverlässigstes Indiz für eine Muskelstoffwechselstörung ist der Anstieg der Muskelenzyme im Blut“, so Dr. Bingold. Der Tierarzt nimmt deshalb bei Verdacht auf Kreuzverschlag eine Blutprobe. Nicht jede kleine Erhöhung der Muskelwerte ist dramatisch. „Erst wenn die Laborwerte um ein Mehrfaches ansteigen, kann man von einem Verschlag sprechen“, sagt Dr. Bingold. Die sicherste Diagnose stellt der Tierarzt nach einer Muskelbiopsie, bei der er dem sedierten, stehenden Pferd eine Muskelprobe entnimmt.

19.12.2008
Autor: Redaktion CAVALLO
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