Paar Coaching - Blind Date Hans Kuczka
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Paar-Coaching: Das Pferd als Therapeut

Paar-Coaching Das Pferd als Therapeut

Kommunikation, Rollenverteilung, Vertrauen: Wie ist das in unserer Beziehung? Lea und Hardy probierten es aus – mit einem Pferd als Paar-Coach.

Hardy hatte eine feste Dating-Regel: Reiterinnen und Frauen, die früher ein Wendy-Abo hatten, sortierte er aus. Der Video- und Filmproduzent hatte zu viele schlechte Erfahrungen mit Pferdemädels gemacht.

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Blind Date Pferd als Paar-Coach
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Aber dann kam Lea. Der Blitz schlug ein beim Online-Chat. Dass Lea Reiterin ist, war Nebensache. Dass sie zu der Zeit in Neuseeland war, kein Hindernis. Die beiden verliebten sich. Seit vier Jahren sind sie unzertrennlich, seit zwei Jahren wohnen sie zusammen.

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Die Psychologin Dr. Kathrin Schütz erklärt vorm Coaching die Feedback-Regeln.

Vom Umgang mit dem Pferd voneinander lernen

CAVALLO begleitete sie bei einem besonderen Paar-Coaching: mit einem Pferd und einer Psychologie-Professorin. "Pferde als soziale Lebewesen mit hierarchischer Herdenstruktur decken Verhaltensweisen auf und spiegeln uns Mechanismen in der Beziehung", erklärt Prof. Kathrin Schütz.

Wer trifft in der Beziehung die Entscheidungen? Wie rund läuft die Kommunikation? Wie tief ist das Vertrauen? Gibt es Missverständnisse? Darüber erfahren Hardy und Lea heute mehr.

Prof. Kathrin Schütz: "Wir hatten ja bereits ein Vorgespräch. Dabei kam heraus, dass es keine großen Themen oder Probleme gibt. Also haben wir heute ein offenes Coaching geplant. Was erwartet ihr davon?"

Lea: "Wir verstehen uns super – und kennen uns auch schon gut. Aber wir sind neugierig, was wir im Umgang mit dem Pferd noch über uns als Paar und auch voneinander erfahren können."

Hardy: "Als 12-Jähriger bin ich kurz mal geritten – dann kam mein Hufauskratz-Trauma. Ein Pferd hat mir ein Stück Haut aus dem Rücken gebissen. Danach war Schluss mit der Lust auf Pferdestall. Mal schauen, was das Pferd aus uns herauskitzelt beim Coaching."

Bevor das Paar mit dem Pferd arbeitet, weist Kathrin Schütz beide zum Thema Sicherheit ein. Lea ist Reiterin und kennt sich aus. Aber Hardy ist wenig erfahren im Umgang mit Pferden. Laut der Psychologin ist das für das Coaching kein Problem. Und bisher sei auch noch nie jemandem etwas passiert.

Zudem ist der heutige tierische Coach sehr erfahren. Die 22-jährige Rheinländer-Stute Pasadena war schon häufig im Einsatz für Coachings und Psychologie-Studien. Neben Pferd und Coach ist heute Clara Briefs dabei als Assistentin. Sie filmt das Paar bei den Aufgaben – denn später gibt es eine Videoanalyse.

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Lea Kortgödde erweist sich als souveräne Führungsperson. Die Stute folgt ihr.

1. Aufgabe: Im Slalom durch einen Parcours

Die erste Aufgabe startet: Auf dem Reitplatz ist ein Führparcours aufgebaut mit einem Slalom, einer Plane und Bodenstangen. Jeder soll die Stute einzeln über die Stationen führen. Der Weg ist nicht vorgegeben. Die Psychologin fragt das Paar, wer anfangen möchte.

Hier sieht die Expertin bereits, wie das Paar Entscheidungen trifft. Die Zwei besprechen sich kurz und einigen sich schnell: Lea startet. Souverän meistert sie die Runde. Danach gibt es Feedback und sie soll ihre Leistung bewerten:

Kathrin Schütz: "Wie hat sich die Runde für dich angefühlt und hattest du einen Plan, wie du laufen willst?"

Lea: "Nö, ich bin spontan gelaufen ohne Plan. Die Runde fand ich gut. Nur über der Plane hätte Pasadena etwas eher stehen können und zwischen den Pylonen hat sie mich kurz angerempelt."

Kathrin Schütz: "Hat dich das gestört?"

Lea: "Naja, es wäre schön gewesen, wenn sie auf mich geachtet hätte. Ich gebe uns eine 8 auf einer Skala von 1 bis 10"

Kathrin Schütz: "Was hast du beobachtet, Hartmut?"

Hardy: "Das sah super gleichmäßig aus. Du bist losgelaufen, Lea, und das Pferd kam immer im gleichen Tempo mit."

Kathrin Schütz: "Du bist in Pasadenas Wohlfühl-Tempo im Parcours gelaufen, hast viel nach dem Pferd geschaut – und auch nach den Hindernissen. Echtes Multitasking! Du hast klar kommuniziert und Pasadena hat die Führung an dich abgegeben. Du wirktest entspannt und souverän beim Führen. Wo findest du dich da im Alltag wieder?"

Lea: "Wenn es läuft, dann läuft es – das kenne ich. Ich arbeite gerne im Team. Da übernehme ich auch die Führung, wenn nötig. Aber ich stelle mich auch gerne gleich – je nach Situation."

Ob Hardy herausgehört hat, dass Lea sich einen achtsamen Partner wünscht? Zumindest hörte er aufmerksam zu. Aber jetzt übernimmt er das Pferd auch schon und begrüßt es mit "Hallo Chefin, los geht’s". Die Stute hatte offenbar mit Feierabend gerechnet und drängelt zum Tor. Hardy schickt Pasadena bestimmt zurück – und dirigiert sie kerzengerade auf den Slalom zu.

Während der Nachbesprechung krault er dem Pferd den Hals. Er gibt sich eine 8 bis 9 für die Runde – Pasadena hätte etwas schneller folgen können. Aber er findet, dass sie sich gut eingependelt hätten. Freundin Lea ist begeistert: Ihr ist der gute Flow aufgefallen und Hardys aufrechte Körperhaltung. Nur den Strick hätte er zwischendurch etwas länger lassen können, meint sie.

Kathrin Schütz: "So wie du mit dem Pferd gerade agiert hast – findest du das auch in deinem Verhalten im Alltag wieder?"

Hardy: "Das spiegelt voll, was ich bin. Ich versuche immer das Maximum herauszuholen. Aber wenn eine Grenze erreicht ist, dann höre ich auch auf, das Gegenüber zu nerven. Ich habe einen Plan im Kopf, bewahre die Ruhe und gehe vom Guten aus."

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Frau hilft Mann beim Verbinden der Augen.

2. Aufgabe: Parcours mit verbundenen Augen

Nach diesem Warm-up wartet auf das Paar die finale Herausforderung. Eine Paar-Runde mit verbundenen Augen. Die Hindernisse dürfen die Zwei zuvor nach Wunsch verändern. Sie verkleinern den Abstand bei den Bodenstangen und beim Slalom. Das macht die Sache nicht einfacher. Autsch, hoffentlich wird das keine Stolperfalle für den Blindfuchs.

Hardy startet im Blind-Modus. Er ist gut gelaunt und witzelt über das "Fifty-Shades-of-Pferd-Szenario". Lea verbindet ihm die Augen. Schließlich mache Mann sich nicht täglich einen Knoten hinterm Kopf. Das könne Lea als Frau mit langen Haaren besser, meint Hardy.

Kathrin Schütz weist ihn daraufhin, dass er Leas Hand im Parcours jederzeit loslassen könne. Hardy legt also eine Hand auf den Widerrist des Pferds, seine andere Hand gibt er Lea. Sie führt Pasadena und lotst den Partner gleichzeitig durch den Parcours. Gar nicht so einfach! Sie versichert sich bei Hardy, ob bei ihm alles okay sei.

Der ist damit beschäftigt, Lea nicht in die Hacken zu treten. Immer wieder passt er seine Schrittlänge an. Dann kommen die Stangen – und ein Stolperer. Hardy fängt sich. Nach kurzer Zeit lässt er sogar Leas Hand los. Seine Freundin kündigt ihm den Slalom an. Geschafft! Kathrin Schütz fragt im Ziel, wie es war.

Lea: "Pasadena ist ganz ruhig gelaufen und hat immer mitgekriegt, wenn ich überlegt habe."

Kathrin Schütz: "War es okay für dich, dass Hardy irgendwann deine Hand losgelassen hat?

Lea: "Ja. Wenn ich Hardys Hand gehalten habe, hatte ich zwar mehr Verbindung zu ihm, aber das Pferd weniger unter Kontrolle."

Hardy: "Ich hatte echt keine Ahnung, wo ich mich im Parcours befinde. Und musste anfangs höllisch aufpassen, Lea nicht in die Hacken zu latschen. Loszulassen und den Weg über die Bewegungen des Pferds zu spüren, war viel einfacher. Das Pferd schwankt ja ein bisschen nach links und rechts – das weist die Richtung."

Anschließend ist Hardy dran. Er redet dem Pferd Mut zu: "Wir bauen etwas Tempo auf, Pasadena." Auch seine Freundin dirigiert er souverän: "Jetzt 180-Grad-Turn." Die Kommunikation läuft. Paar und Pferd sind teils sogar im Gleichschritt. Die Harmonie unterstreicht auch die Videoanalyse zum Abschluss.

Die Psychologin ist beinahe verblüfft: Oft zeige sich bei der Entscheidung, die Hand loszulassen, wenn ein Partner klammert und das den anderen nervt. Hier lief das ohne Konflikt. Offensichtlich gibt es keine Probleme, Kontrolle abzugeben.

Und was nehmen die Zwei vom Coaching mit nach Hause? Sie sollen zum Schluss positive Glaubenssätze aufschreiben. Hardy geht mit einem Gefühl von Sicherheit und Stärke. Für ihn bestätigt sich, dass er mit Lea neue Situationen gut bewältigt. Und Lea macht ihrem Freund ein Kompliment: Auf ihrer Karte steht, dass Hardy eine gute männliche Leitstute sei. Da strahlen die Augen des Mannes, der nie eine Pferdefrau wollte.

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