Tierkommunikation: Die Psycho-Tricks der Gurus

Fall A: Flunkern mit Geist

Zwei falsche Geschichten führen zwei Telepathen in die Irre: Stute Zee Zee ist seit drei Jahren tot, Stute Flori gab es nie.

Quarter-Horse-Stute Zee Zee stammte aus Texas und wurde als 21 Jahre alt, eingeschränkt reitbar, etwas nervös, aber gut händelbar beschrieben. Die Fragen: Woher stammen die Narben und ihre Angst vor Seilen an den Beinen?

Aussage Annemarie E.: Zee Zee ist achtsam und vorsichtig. Sie passt gut auf sich und ihre Füße auf. Ihr Bauch fühlt sich manchmal schwer und träge an. Die Narben stammen von einem Missgeschick. Seile und Stricke mag sie genauso wenig, wie an den Fesseln berührt zu werden. Zee Zee wurde mit langen Seilen getrieben. Sie bewegt sich gerne, aber sie hat Schmerzen ziemlich weit unten, an Hufen oder Hufrolle.

Besitzer: Zee Zee wurde vor drei Jahren eingeschläfert. Ursache war eine schwere Arthrose an der Halswirbelsäule. Die stammt vermutlich von einem Unfall als Jungpferd, dem sie auch die Narben zu verdanken hatte. In 14 Jahren lahmte sie nur einmal (Hufgeschwür); Kolik hatte sie nie. Ihre Probleme lagen oben im Hals, nicht unten am Huf.

Auch hinsichtlich Zee Zees Verhalten und ihrer Ängste liegt Frau E. falsch. Die Stute reagierte nur in einer Situation panisch, nämlich wenn Seile ihre Hinterbeine berührten. Ansonsten ließen Stricke sie kalt, und sie ließ sich auch brav überall anfassen. Auf sich und ihre Füße passte Zee Zee nicht sehr gut auf, sie war eher ungeschickt.

Flori wird als 17-jährige Ex-Zucht­stute vorgestellt. Das Problem: Sie wird im Gelände heiß, besonders auf dem Heimweg. Bisher ist sie aber noch nie durchgegangen. Sie lebt in einem Stall ohne Halle und Reitplatz; täglich ist sie in der Gruppe auf der Weide.

Aussage Jesscia M.: Flori sendet ein Bild: Sie tänzelt hin und her, wölbt den Hals, zeigt viel Temperament. Sie weiß, dass sie beim Reiten auf den Mensch hören muss, deshalb geht sie nie durch. Doch sie will sich mehr bewegen, Spaß haben. Auf einem Reitplatz würde sie sich besser konzentrieren. Ebenso, wenn bei Ausritten mehr Arbeit (Volten oder Rückwärtsrichten) gefordert würde. Die Stute möchte kleine Tricks lernen, das würde sie stolz machen. Sie hat Führungsqualitäten und übernimmt die Verantwortung auch für ihre Besitzerin, die sie als ihr Baby sieht.

Redaktion: Flori ist pure Fantasie. Das Foto zeigt einen 20-jährigen Wallach. Die Erkenntnisse der Telepathin basieren somit allein auf dem ausführlichen Anschreiben der dem Ton nach unreifen jungen Besitzerin. Die Ratschläge sind sicher nicht falsch, könnten jedoch auch von jedem Trainer stammen.

08.12.2010
Autor: John Patrick Mikisch; Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 09/2010