Gebisslos Reiten - Springreiten mit Bosal

Gegen den Strom

Fair zu Pferden: Jürgen Krackow musste von Bayern nach Österreich umziehen – weil der Springreiter den Nasenring - sprich das Reiten mit Bosal liebt.
Foto: Wolschendorf Bosal Jürgen Krackow

Abheben - auch ohne Zwang.

In Deutschland ist der Weg zur Spitze eng. Und wer anders reitet als alle anderen, dem wird die Tür vor der Pferdenase einfach zugeknallt. Erst recht, wenn sich darum etwas so Exotisches schlingt wie ein Bosal.

Jürgen Krackow behielt sein Bosal und tauschte dafür seinen deutschen gegen einen österreichischen Paß: Der einzige Springreiter der schweren S-Klasse, der sein Pferd gebißlos gezäumt im Parcours lenkt, zog Anfang des Jahres mit Frau Anna und Sohn Finn von Bayern in die Nähe von Salzburg und trainiert seine Pferde nun auf der Anlage Göllner in Lamprechtshausen.

„Viele sind immer noch skeptisch. Sie fragen sich, wie das geht mit dem Bosal und wann ich den Unsinn endlich sein lasse. Aber sobald ich im Parcours bin, sind sie auf einmal alle da. Sie wollen mich fallen sehen“, sagt Krackow, der über das Hin und Her mit dem deutschen Nationalkader samt Bundestrainer Kurt Gravemeier – kommt Krackow rein, kommt er nicht rein? – nicht mehr reden mag.

„Ich habe das jetzt abgehakt. Hier in Österreich habe ich das Gefühl, daß mich die Leute akzeptieren und mir meine Freiheiten lassen“, begründet Krackow seine Entscheidung pro Alpenrepublik und pro Bosal.

Video-Interview mit Jürgen Krackow - Doping im Spitzensport

30.06.2009
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 04/2006