CAVALLO-Exterieur-Coach: Der Mix-Typ

„Speckige Kugel“

Loading  

Exterieur

Generell gefällt mir die Stute vom Typ und der Winkelung ihrer Hinterhand gut. Sicher sähe sie eleganter aus, wenn die Beine einen Tick länger wären. Zusammen mit der Tendenz zur Speckigkeit wirkt sie rumpflastig.

Sie ist bestimmt nicht das große Gangwunder, darauf deuten die Schulterlage und die relativ kurzen Beine.

Der Hals ist ebenfalls etwas kurz, und es fehlt die Ganaschenfreiheit. Auch das ist rassetypisch. Häufig findet sich bei Arabern außerdem wie hier ein kurzer Rücken. Bauch- und Hinterbeinmuskulatur sind deutlich zu schwach. Hier fehlen die Muskeln, die als Hosen bezeichnet werden.

Von hinten gesehen scheint die Kruppenmuskulatur asymmetrisch verteilt, und das rechte Hinterbein der Stute steht weiter innen. Da ich die Beine nicht bis unten sehe, kann ich nicht beurteilen, ob das Pferd sie nur momentan ungleich belastet, oder ob das ein generelles Problem ist.

Von vorne bestätigt sich der Eindruck, dass die Stute das Gewicht auf ihre linke Seite verlagert. Deshalb drückt sich der Bauch nach links heraus. Sie schiebt ihr Gewicht auf diese Seite und stellt die Wirbelsäule rechts-konkav ein. Warum das so ist, müsste ich am Pferd sehen.

Die von vorn sichtbare Brustmuskulatur ist ebenfalls nicht gleichmäßig ausgebildet, und das linke Karpalgelenk ist stärker als das rechte. Die Hufe stehen nicht ganz gerade. Aber das sind alles Dinge, die man am lebenden Pferd prüfen müsste, um einen exakten Eindruck zu kriegen.

Trainingstipps

Ich würde versuchen, mit Galopparbeit und vielen Übergängen den Bauch zu straffen und Hinterhandmuskeln aufzubauen. Bauchmuskeln helfen dem Pferd, den Rücken zu heben und erleichtern die Dehnungshaltung, die das vorrangige Trainingsziel sein sollte.

Problem beim Reiten

Im Training muss man Wert auf reelle Dehnungshaltung legen. Pferde mit kurzem Hals und kurzem Rücken versteifen ihre gesamte Oberlinie und versuchen, den Reiter mit diesem verspannten Rücken zu tragen. Reflexhaft drücken sie dabei den Unterhals raus, vor allem, wenn die Tragemuskulatur im Rücken wie bei dieser Stute fehlt. Pferde mit langem Hals merken schneller, dass sie mit wenig Kraftaufwand den Rücken heben können, indem sie den Hals senken und das Nackenband zum Aufwölben des Rückens nutzen. Ein Pferd mit kurzem Hals hat den ungünstigeren, weil kürzeren Hebel und deshalb seltener das angenehme Aha-Gefühl bei der Dehnungshaltung. Das muss man der Stute im Training vermitteln.

Die Expertin

Claudia Schebsdat, Pferdephysiotherapeutin und
Osteotherapeutin aus Kleinmachnow in Brandenburg

01.08.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 01/2008