CAVALLO wills wissen: Wo tragen Sie die Gerte?

Wo tragen Sie die Gerte?

Wo tragen Sie die Gerte? Links, rechts oder mal hier und mal da? Jeder Reiter hat seine Tricks oder auch seine Probleme. CAVALLO hat drei Reit-Profis dazu befragt.
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Foto: privat

Susanne Decker bildet alle Rassen in Anlehnung an die Légèreté aus.

„Dort, wo ich sie brauche“

Bei jungen Pferden trage ich die Gerte dort, wo ich sie brauche. Reagiert das Pferd schlechter auf den rechten Schenkel, trage ich sie rechts, reagiert es links schlechter, trage ich sie links. Zum Einsatz kommt sie fast ausschließlich direkt hinter dem Schenkel. Dort stört sie dann auch nicht, wenn ich sie auf der Seite der Bande trage. Muss ich die Gerte doch mal wechseln, gebe ich sie – falls ich sie links trage – von der linken Hand frei und schwenke sie über den Hals, ohne an der Zügelführung etwas zu ändern. Sobald ein Pferd so weit ist, dass ich es auf blanke Kandare reite, halte ich die Zügel in der linken Hand und die Gerte in den rechten – wie man früher eine Waffe hielt. Von dort kann ich sie einsetzen, wo ich sie brauche, etwa zum Spanischen Schritt.

Foto: privat

Bettina Keil ist die 1. Vorsitzende des Vereins „Reiten im Damensattel e.V.“.

„Immer rechts“

Im Damensattel ersetzt die Gerte den fehlenden rechten Schenkel. Entsprechend trägt man im Seitsitz die Gerte immer in der rechten Hand. Sie liegt treibend oder auch verwahrend und gibt kleine Impulse – genau wie die Wade auf der linken Seite. Ob Sie statt mit Gerte lieber mit einem festeren Reitstock reiten, müssen Sie ausprobieren. Der feste Reitstock ist sanfter und deutlicher fürs Pferd, kann aber aufgrund seines höheren Gewichts das Handgelenk der Reiterin tendenziell fester machen.

Im englischen Sattel trage ich die Gerte dort, wo ich sie benötige. Meist auf der inneren Hand, damit ich dem inneren Hinterbein einen zusätzlichen Impuls geben kann. In der Turnierprüfung trage ich die Gerte immer links, damit die rechte Hand zum korrekten Gruß frei bleibt.

Foto: Kraufmann

Frank Aue ist Pferdewirtschaftsmeister und leitet die Reitschule Aue.

„Nicht ständig wechseln“

In Reitschulen wird häufig gelehrt, die Gerte immer in der inneren Hand zu tragen. Ich schätze, das kommt daher, dass Schulpferde gerne in das Bahn­innere drängeln und eine Begrenzung so einfacher gelingt. Durch den Gertenwechsel beim Handwechsel, der oft gelehrt wird, kommt zu viel Unruhe in die Anlehnung. Deswegen halte ich nicht viel davon. Weil die allermeisten Pferde ihre natürliche Schiefe von vorne rechts nach hinten links haben, trage ich die Gerte in der Regel auch in der rechten Hand, weil diese Pferde den rechten Schenkel nicht so gerne annehmen. Die Gerte unterstützt in diesem Fall auf der rechten Hand das Schulterherein und auf der linken das Travers. Neigt ein Pferd dazu, über die Schulter auszufallen, lege ich die Gerte als Begrenzung an die Pferdeschulter.

13.04.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 12/2009