Experiment in Bildern: Allein unter halb-wilden Pferden

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Foto: Rädlein Selbstversuch: Leben in einer Pferde-Herde

Allein unter halb-wilden Pferden

Aufgeregt betrete ich die Weide. Ich suche mir einen Lagerplatz und halte Ausschau nach den Pferden. Es dauert eine Weile, bis ich sie gefunden habe.

Allein unter halb-wilden Pferden

Menschen sind für die Halbwilden mehr oder weniger fremde Wesen. Ich beobachte die Herde aus geringer Entfernung.

Zwei Stuten wiehern warnend nach ihren schlafenden Fohlen; die springen sofort auf und suchen Schutz bei den Müttern. Dann grast die Herde in Ruhe weiter.

Allein unter halb-wilden Pferden

Allmählich färbt die gelassene Grundstimmung der Pferde auf mich ab. Möglich, dass meine entspannte Haltung dazu beiträgt, dass die Fohlen mutiger werden.

Neugierig nähern sie sich. Ich bleibe passiv, versuche erst gar nicht, sie anzufassen.

Allein unter halb-wilden Pferden

Ich stehe auf und suche mein Frühstück zusammen: Vogelwicke, Knoblauchrauke, Wiesenbärenklau und Brennnesseln.

Als ich satt bin, begebe ich mich erneut auf meinen Beobachtungsposten mitten auf der Weide.

Allein unter halb-wilden Pferden

Nachmittags zieht ein kurzes Gewitter auf. Die Pferde ziehen sich zurück unter die Bäume. Als die Sonne wieder scheint, schaue ich zur Herde hinüber.

Plötzlich macht eine Stute einen Satz, die Fohlen springen auf und schon jagt die Herde ein paar Meter weiter. Jalsero erkundet die Schreckstelle kurz darauf mit einer Stute. Minutenlang beobachten die beiden Pferde die Gegend. Fehlalarm!

Es wird entspannt weitergefuttert.

Allein unter halb-wilden Pferden

Ich werde geweckt vom Hufgetrappel der spielenden Fohlen. Von meiner Hängematte aus genieße ich es, den Fohlen zuzusehen, während die erwachsenen Pferde ruhig grasen.

Allein unter halb-wilden Pferden

Nach 24 Stunden in der Herde fühle ich mich total entschleunigt. Es gibt auch nicht viel zu tun – außer Beobachten und Essen.

Ich ertappe mich immer wieder dabei, auf die Uhr schauen zu wollen. Kaffee, das wäre jetzt was! Meine Pferdefreunde sind definitiv besser angepasst als ich.

Allein unter halb-wilden Pferden

Erst zirka eine Stunde nach Sonnenaufgang ist auch die letzte Stute auf dem Platz angekommen, an dem morgens die Sonne als erstes scheint. Nach meiner morgendlichen "Katzenwäsche" beobachte ich die Herde wieder.

Allein unter halb-wilden Pferden

Gegen Abend trauen sich die Fohlen an mich heran – und schlabbern mich ab. Hebe ich die Hand, weichen sie zurück.

Allein unter halb-wilden Pferden

Als es dämmert, sitze ich immer noch tiefenentspannt auf der Weide. Ein Fuchs streift durch das Gras, keine 20 Meter von mir entfernt.

Keines der Pferde reagiert. Sie scheinen das Raubtier zu kennen.

Allein unter halb-wilden Pferden

Mit Hilfe meines Kräuterbuchs spüre ich Sauerampfer, Taubnessel, Spitzwegerich, Margeritenblüten und Waldbeeren auf.

Allein unter halb-wilden Pferden

Wieder färbt die Stimmung der Herde auf mich ab. Ich werde unruhig, vermisse meine Familie.

Aus der Psychologie des Überlebens weiß ich, dass der dritte Tag in Isolation der schlimmste ist. Gut, dass Jalsero da ist. Ich kraule ihn ausgiebig, beruhige mich.
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