Luzerne als Zusatzfutter für Pferde

Alles über Luzerne im Futtertrog

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Luzerne
Die Luzerne mausert sich zum beliebten Zusatzfutter im Trog. Das hat viele gute Gründe - und trotzdem profitiert nicht jedes Pferd vom Klee.

Die einen sind schwarz und klein, die anderen groß und grün – und beide gelten gerade als Superfood. Na, was ist das? Genau: Chia-Samen und Luzerne.

So angesagt, wie für uns Reiter derzeit die Samen auf der Porridge-Bowl sind, sind es die grünen Stängel für Pferde im Futtertrog. Wie dem menschlichen Superfood werden der Luzerne gesundheitsfördernde Wirkungen fürs Pferd nachgesagt. Zeit, dem Futter genauer unter die lilafarbenen Blüten zu schauen.

Loading  

Luzerne für Pferde: Alte Leguminosen-Pflanze wiederentdeckt

Diese Blüten wachsen übrigens am liebsten dort, wo’s warm und trocken ist; ursprünglich im Vorderen und Mittleren Orient, mittlerweile auch von Spanien über Frankreich bis Holland und Polen.

In Deutschland ist Bayern Luzerne-Hochland, und zwar aus politischen Gründen: Weil im Zuge der „Bayerischen Eiweißinitiative“ weniger Eiweißfuttermittel wie Soja importiert werden sollte, wird der Anbau von Luzernen seit 2011 finanziell gefördert.

Dabei ist die Luzerne keine botanische Neu-, sondern eher eine Wiederentdeckung. Denn die Leguminosen-Pflanze, die zur Familie der kleeartigen Futterpflanzen gehört, wurde schon vor 2000 Jahren verfüttert. Was steckt in der Pflanze, dass sich schon die alten Perser dafür begeisterten?

Damit punktet die Luzerne

Kurz gesagt: Sie liefern eine geballte Menge Nährstoffe, allen voran Eiweiß satt. Ein Kilo Luzerne enthält im getrockneten Zustand bis zu 240 Gramm Protein, je nach Erntezeit und Qualität. Hafer kommt gerade mal auf 85 Gramm.

Wegen des hohen Eiweißgehalts ist die Luzerne vor allem in der Pferdezucht beliebt: „Tragende oder laktierende Stuten haben einen erhöhten Bedarf an Eiweiß“, sagt Dr. Annette Zeyner, Professorin für Tierernährung an der Universität Halle-Wittenberg. Auch im Fellwechsel braucht das der Pferdekörper verstärkt, um ein neues Haarkleid produzieren zu können. Jungpferde im Wachstum profitieren ebenfalls von einem Mehr an Proteinen.

Das liegt unter anderem an deren Bausteinen: Proteine setzen sich aus Aminosäuren zusammen, die für Muskelaufbau und Energiegewinnung wichtig sind. Von den sogenannten essenziellen Aminosäuren wie beispielsweise Lysin, die der Körper nicht selbst herstellen kann, finden sich einige in der Luzerne. Deshalb steckt die Futterpflanze in gehäckselter oder pelletierter Form oft in Müslisorten für Sportpferde.

Nährstoffreiche Luzerne

In puncto Nährstoffe drängen sich bei der Luzerne vor allem Magnesium und Kalzium in den Vordergrund. Letzteres gleicht einen hohen Phosphor-Anteil im Pferdekörper wieder aus, der durch das Füttern von großen Mengen an Getreide wie Hafer, Mais oder Gerste entstehen kann.

Ganz schön viele Vorteile also, die das Grünfutter so bietet. „Ich finde Luzerne deshalb einfach genial“, schwärmt Fütterungsberaterin Dr. Kerstin Schneider aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Schneider ergänzt: „Luzerne hat außerdem einen nur geringen Anteil an Stärke und Zucker. Und sie puffert die Magensäure gut ab.“

Auch auf weiter hinten liegende Verdauungsorgane scheint die Futterpflanze Einfluss zu haben: „Mein Eindruck ist, dass sich Luzerne positiv auf die Darmflora auswirkt“, hat Dr. Kay Bredehorst (www.lifescienceinstitut.de) beobachtet, „zumindest solange kein akutes Leaky-Gut-Syndrom besteht.“ Dabei entstehen Löcher in der Darmwand. Der Immunologie-Experte ergänzt aber: „Mir sind noch keine Studien bekannt, die diese Beobachtung unterstützen.“

Luzerne und Heu im Vergleich

Foto: CAVALLO CAVALLO Luzerne

Was steckt drin? Wir haben Heu und Luzerne miteinander verglichen.

Nachteile von Luzerne als Pferdefutter

Klingt nach einem Wunderfutter, vor allem, was die positiven Effekte auf den Magen angeht. Daher untersuchten Forscher das im Jahr 2016 genauer: Sie wollten wissen, ob Luzerne Magenprobleme verhindert. Dafür bekamen 70 Warmblutfohlen während des Absetzens Luzerne gefüttert; 14 Tage später wurde ihre Magenschleimhaut untersucht.

Das Ergebnis: Trotz Luzerne war bei allen Tieren die Magenschleimhaut angegriffen. Fohlen, die gehäckselte Luzerne bekamen, hatten dabei im Bereich des Magenausgangs häufiger schwerwiegendere Läsionen als solche, die Pellets fraßen. Ob das bei erwachsenen Pferden ebenfalls so ist, ist offen.

Dennoch empfehlen die Forscher, eher Luzerne-Cobs oder -Pellets statt Häcksel zu füttern. Dass Letztere Probleme bereiten, wundert Dr. Bredehorst nicht: „Es wird auch vermutet, dass Luzernehäcksel den Darm reizen können, wenn die Schleimhaut darin nicht mehr intakt ist.“

Neben den Verdauungs- haben auch die Entgiftungsorgane bei Luzernefütterung mitunter viel zu tun: nämlich wenn das Pferd mit Eiweiß überversorgt wird. Darm, Leber und Niere sind in so einem Fall gefordert, um Proteine abzubauen und auszuscheiden.

Was heißt das für die Fütterung von Luzerne?

Im Großen und Ganzen erfüllt die Luzerne die Superfood-Ansprüche: Sie steckt voll gesunder Nährstoffe. Für Pferde, die viel Eiweiß und Kalzium benötigen, kann sie eine sinnvolle Ergänzung sein.

Vorsicht heißt es hingegen bei Tieren, die an Mauke oder Ekzemen leiden. Ihr Entgiftungsstoffwechsel ist schon gefordert und sollte durch eiweißreiche Kost nicht überfordert werden. Sie vertragen daher nur wenig Luzerne. Nierenkranke Pferde sollten keine bekommen, weil sie Kalzium schlecht ausscheiden können. Apropos Kalzium: Das hemmt die Aufnahme anderer Nährstoffe wie Zink – also nicht beides miteinander kombinieren.

Zwingend braucht aber kein Pferd Luzerne, findet Dr. Bredehorst: „Ein Pferd braucht bestimmte Faser- und Nährstoffe.“ Ob es diese aus Luzerne erhält oder Heu, ist von Fall zu Fall unterschiedlich erfolgreich. Wichtig ist vor allem, dass die Futterqualität stimmt und das Pferd weitere wichtige Nährstoffe erhält. Wir essen ja auch nicht nur Chia-Samen.

Die blumige Verwandtschaft: Esparsette

Sie gehört zur Familie, nämlich zur Familie der Hülsenfrüchtler, und ist damit verwandt mit der Luzerne: die Esparsette. Die alte Kulturpflanze wurde früher gern als Heu an Pferde und Rinder verfüttert; deshalb heißt sie auf Französisch „sain foin“, also gesundes Heu.

Die Esparsette enthält neben essenziellen Aminosäuren Kalzium, Betacarotin und kondensierte Tannine; deshalb wirkt sie antiblähend. Für Pferde ist sie meist in Cobs-Form erhältlich.

29.04.2019
Autor: Barbara Böke
© CAVALLO
Ausgabe 4/2019