Schadstoffe im Futterzusatz Öl

Pferdefutter: Wie viel Gift steckt in Futterölen?

Foto: Colourbox Pferdefutter: Wie viel Gift steckt in Futterölen?
Schadstoffe in Speiseölen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wie sieht es mit Futterölen für Pferde aus? Wir haben Stichproben zur Analyse ins Labor geschickt.

Rückstände von Mineralölen, Pestizide, Weichmacher, Lösemittel, Kohlenwasserstoffe, die krebserregend sind – so etwas will niemand im Essen haben. Und doch tauchten diese Schadstoffe in den vergangenen Jahren immer wieder genau dort auf.

Genauer: in unterschiedlichen Speiseölen, die beispielsweise im Auftrag von Stiftung Warentest analysiert wurden. Bei einigen Produkten war die Belastung teilweise sogar so hoch, dass sie laut Stiftung Warentest nicht verkehrsfähig gewesen seien. Die angeprangerten Öle der Tester: zwei Leinöle.

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Öl im Pferdefutter: Zusätzlicher Energielieferant

Bei diesem Stichwort werden Reiter hellhörig, denn Leinöle gehören zum festen Fütterungskonzept in zahlreichen Ställen. Genauso wie ihre flüssigfettigen Verwandten aus Raps, Sonnenblumenkernen, Reis oder Mix-Varianten landen sie gerade jetzt im Winter oft im Futtertrog – sei es, um den Pferden in der kalten Jahreszeit mehr Energie zuzuführen oder um sie im nahenden Fellwechsel zu unterstützen. Sind solche Futteröle womöglich genauso belastet wie die getesteten Speiseöle – oder vielleicht sogar noch stärker? Wie sieht es mit anderen Ölsorten aus? Und vor allem: Ist das flüssige Fett auf Dauer gefährlich für mein Pferd? Wir gingen diesen Fragen nach und schickten dafür verschiedene Futteröle ins Labor.

Gift in Futterölen - mögliche Schadstoffe

Wir haben die Futteröle stichprobenartig auf unterschiedliche Schadstoffe untersuchen lassen. Bei fünf Ölen – drei Lein- sowie zwei Mischölen – wollten wir wissen, wie hoch der Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ist, kurz PAK genannt. Diese Verbindungen können bei Verbrennungsprozessen entstehen, etwa bei der Raffinierung von Ölen. Bei diesem Produktionsschritt werden die Ölsaaten mechanisch gepresst, oft bei Temperaturen über 40 Grad. Schadstoffe werden so zwar aus den Saaten entfernt; aber als Abfallprodukte können dabei PAK entstehen. Auch wenn die Saaten beispielsweise Abgasen ausgesetzt waren, können Spuren von PAK ins Öl wandern. Rund 250 solcher Verbindungen gibt es, 15 davon werden für den Menschen als krebserregend eingestuft. Dazu gehört auch die Gruppe PAK-4, bei der vier gefährliche Substanzen zusammengefasst werden.

Für Tiere im Allgemeinen und Pferde im Speziellen gibt es zwar noch keine Grenzwerte, was den Höchstgehalt an solchen Stoffen in Futtermitteln betrifft. Hier fehlt es noch an Grundlagenforschung, welche Werte für die Tiere schädlich sind. Es gibt jedoch eine Empfehlung für Futtermittel: den QS Leitfaden Futtermittelmonitoring, der Höchstgehalte für PAK-4 vorgibt. An diesem haben wir uns orientiert.

Futterzusatz Öl und Gift: Das haben wir herausgefunden

Alle fünf analysierten Öle hatten keine Probleme, diese empfohlene Höchstgrenze einzuhalten. Der Maximalgehalt für PAK-4 liegt bei 200 Mikrogramm (einem Millionstel Gramm) pro Kilogramm Fett. Davon waren die untersuchten Öle mit Werten zwischen 0,91 und 11 Mikrogramm weit entfernt.

Und wie gut schneiden die Futteröle im Vergleich zu Speiseölen ab? Hier sind die Vorgaben strenger. Laut der EU-Verordnung 1881/2006 dürfen in Ölen und Fetten höchstens 10 Mikrogramm PAK-4 und 2 Mikrogramm des Kohlenwasserstoffs Benzoapyren enthalten sein. Selbst diese strengen Richtlinien schafften nahezu alle Öle. Mit einer Ausnahme: Das Vitalöl von Original Landmühle/Krämer verpasste den PAK-4-Höchstgehalt mit 11 Mikrogramm knapp.

Wie sieht es mit Pestiziden aus?

Pflanzenschutzmittel sind in der Landwirtschaft weit verbreitet; selbst im Bio- Anbau sind sie erlaubt. Rückstände sollten allerdings nur in geringen Mengen in Lebens- und Futtermitteln zu finden sein, um nicht gesundheitsschädigend zu wirken. Welche Spuren von den rund 650 in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln erlaubt sind, regelt die EU-Richtlinie (EG) 396/2005.

Wir ließen drei Lein- und zwei Mischöle auf Rückstände von rund 600 Pflanzenschutzmitteln überprüfen – und fanden dabei lediglich Spuren von vier Pestiziden. Die gesetzlichen Höchstmengen gelten zwar nur für das unverarbeitete Produkt, also etwa Leinsamen. Es gibt jedoch für die gefundenen Pestizide Verzehr-Empfehlungen, das heißt: wie viele Milligram pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bedenkenlos in Lebensmitteln enthalten sein können. Diese Mengen beziehen sich auf den Menschen, sind also eher streng ausgelegt. Dennoch hielten unsere überprüften Öle auch diese Werte ein.

Im Vital-Öl von Original Landmühle fand das Labor zudem Spuren von DEET, einem Schädlingsbekämpfungsmittel. Ölfrüchte dürften davon höchstens 0,01 mg pro Kilo enthalten. Diese Grenze wurde knapp überschritten, was vermutlich mit dem Herstellungsprozess zusammenhängt. Gefährlich ist der DEET-Gehalt aber nicht.

Waren die Öle mit Schwermetallen belastet?

Blei, Quecksilber, Cadmium, Arsen – diese Schwermetalle sind giftig für Mensch und Tier. Deshalb gelten für Lebens- und Futtermittel strenge Grenzen. Wir hatten vor allem den Arsen-Gehalt im Auge und ließen zwei Reiskeimöle darauf untersuchen.

Warum gerade Arsen? Dieses Halbmetall kommt überall auf der Erde vor. Gefährlich sind vor allem anorganische Arsenverbindungen: Sie führen in einer hohen Dosis zu Vergiftungen. Genau diese riskanten Verbindungen wurden in den vergangenen Jahren bei Untersuchungen immer wieder in Reis und Reisprodukten entdeckt.

Der Grund dafür liegt vermutlich im Anbau: Reisfelder werden oft geflutet. Dadurch wird Arsen im Boden gelöst, die Pflanze nimmt den Stoff über ihre Wurzeln auf. Auch wenn das Wasser, das zur Flutung genutzt wird, einen hohen Arsengehalt hat, setzt sich das in den Reiskörnern ab. Anorganisches Arsen lagert vor allem in den Randschichten des Korns – und genau aus diesen wird Reiskleie und daraus wiederum Reiskeimöl hergestellt. Findet sich also im Öl womöglich ein hoher Arsengehalt?

Unsere beiden getesteten Öle wiesen keine erhöhten Schadstoffwerte aus. In beiden lag der Gehalt bei unter 0,01 Mikrogramm (pro Kilogramm bei 88% Trockensubstanz) und damit weit vom Höchstgehalt von 2 Mikrogramm entfernt, den die EU-Richtlinie 2002/32/EG vorschreibt. Erfreulich!

Wer kontrolliert eigentlich Öle?

Die Kontrolle von Futter- und Lebensmitteln ist in Deutschland Aufgabe der Bundesländer. In Niedersachsen etwa kümmert sich das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit darum, in Baden-Württemberg sind es die Regierungspräsidien. Die Zahl der Fälle, in denen Futtermittel beanstandet werden, ist recht gering: 2015 wurden in Baden-Württemberg nur 0,2 Prozent aller Futterproben beanstandet, in Niedersachsen waren es sogar nur 0,02 Prozent aller untersuchten Fälle.

Und was ist mit den Analysen der Stiftung Warentest? Die Tester haben in den letzten Jahren unterschiedliche Öle untersucht. Sie fanden zwar verschiedene Schadstoffe – aber abgesehen von den zwei beanstandeten Leinölen hatte keines so hohe Schadstoffwerte, dass es gesundheitsschädlich war.

Was unterscheidet Futter- von Speiseölen?

Für Futtermittel gelten im Hinblick auf Schadstoffe andere Grenzen als für Speiseöle. Im Hinblick auf die Qualität sind sich die Öle ziemlich ähnlich. „Die Saaten unterscheiden sich in der Reinheit“, sagt Nataly Zibert vom Futtermittelhersteller Makana. „Beim Öl für Tierfutter sind geringe Anteile von Blättern und anderen Pflanzenteilen enthalten. Qualitativ ist es nahezu gleichwertig zu Speiseöl.“ Einige Futteröle haben sogar Lebensmittelqualität: Die Urkraft Leinmanufaktur etwa produziert auch Futteröle nach Lebensmittelstandard – „minderwertige Qualität kommt uns nicht in die Flasche“, betont Geschäftsführer René Eiserbeck.

Worauf muss ich bei der Ölfütterung achten?

Keines unserer untersuchten Futteröle wies bedenkliche Schadstoffwerte auf. Ein erfreuliches Ergebnis! Auch die Futtermittelkontrollen der Bundesländer zeigen, dass es hier nur wenige Beanstandungen gibt. Die Gefahr, dass Futteröle stärker mit Schadstoffen belastet sind, als sie sein sollten, scheint gering.

Trotzdem können Sie auf einige Punkte achten, damit nur hochwertiges Öl im Trog Ihres Pferds landet: Greifen Sie am besten zu kaltgepressten Ölen. In diesen stecken mehr Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe als in raffinierten Ölen. Das Öl sollte angenehm riechen. Lagern Sie es dunkel und kühl, sonst wird es ranzig, und verbrauchen Sie es innerhalb weniger Wochen. Dann spricht nichts gegen einen Schuss Öl überm Futter.

22.02.2017
Autor: Barbara Böke
© CAVALLO
Ausgabe 02/2017