Was bedeutet Bio-Pferdehaltung?

Pferdehaltung in Bio-Betrieben

Foto: Rädlein Was bedeutet Bio-Pferdehaltung?
Wer überlegt, sein Pferd auf einem ökologischen Betrieb einzustellen, dürfte überrascht sein, welche Regeln diese Haltung mit sich bringt. Wir klären, was „Bio“ fürs Pferd bedeutet.

Damit eine Haltung ökologische Standards einhält, müssen einige Bedingungen erfüllt sein: Ein Kriterium ist, dass den Tieren Sozialkontakt ermöglicht wird. Am besten dafür ist ein Laufstallsystem mit Gruppenhaltung. Nicht zu stark vergitterte Boxen sind aber auch möglich.

So wohnen Bio-Pferde

Selbstverständlich sollte außerdem genügend Tageslicht, Frischluftzufuhr, ein trockener Liegeplatz und ungehinderter Zugang zu Futter und Wasser vorhanden sein. Ein weiterer Aspekt ist der den Pferden zur Verfügung stehende Platz.

Dabei wird klar: „Bio“ bedeutet nicht immer mehr Platz fürs Pferd! Der Grund ist, dass Pferde in den Verordnungen Rindern gleichgestellt sind und die Werte deshalb nur als Mindestmaße zu betrachten sind. Besser ist es, sich an den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu orientieren, die deutlich mehr Platz im Stall vorsehen.

Foto: CAVALLO Platz für Pferde in Bio-Betrieben

Rechtliche Grundlagen

Sobald ein Bio-Betrieb Fördergelder bezieht oder einem ökologischen Anbauverband angeschlossen ist, müssen alle Pferde, unabhängig vom Verwendungszweck, entsprechend der EG-Öko-Vorschriften gehalten werden.

Einige Bundesländer, darunter Bayern, machen kleine Ausnahmen: Hobby-Pferdehaltung im privaten Bereich mit 1 bis 2 Pferden ohne Erwerbsabsicht wird nicht weiter kontrolliert. Aber es wird davon ausgegangen, dass das Grundfutter (in der Regel Heu) aus dem Betrieb stammt und die Tierhaltung der EG-Öko-VO entspricht.

Einstreu

Für Einstreuzwecke darf auch Stroh aus konventioneller Herstellung gewählt werden, solange keine Wachstumsregler eingesetzt wurden. Es können auch Sägespäne verwendet werden, sofern sie nicht chemisch behandelt wurden.

Tiergesundheit

Zur Behandlung in Krankheitsfällen haben alternative Heilmethoden Vorrang. Nur in akuten Fällen darf nach der Einschätzung eines Tierarztes auch auf die Schulmedizin zurückgegriffen werden.

Ab ins Grüne

Pferde sollten vor allem in den Sommermonaten regelmäßigen Weidegang bekommen. In der EG-Öko-Verordnung heißt es dazu: „Soweit Pflanzenfresser während der Weidezeit Zugang zu Weideland haben und die Winterstallung den Tieren Bewegungsfreiheit gewährleistet, muss der Verpflichtung zur Bereitstellung von Freigelände in den Wintermonaten nicht nachgekommen werden.“ (889 2008 EG Durchführungsbestimmungen, Artikel 14).

Ist Weidegang im Sommer nicht möglich, muss für einen ständigen Zugang zu einem ausreichend großen Auslauf gesorgt werden. Damit Weiden ökologische Anforderungen erfüllen, sind einige Punkte zu beachten: Bestimmte Düngemittel, darunter mineralische, sind ganz verboten; andere erst erlaubt, wenn der Nährstoffbedarf nachweislich nicht anders gedeckt werden kann.

Ansonsten sollte der Nährstoffbedarf immer durch Wirtschaftsdünger (Gülle) und stickstoffbindende Pflanzen, sogenannte Leguminosen (Klee, Wicken), sichergestellt werden. Pflanzenschutzmittel, z. B. zur Distelbekämpfung, sind nicht erlaubt, genauso wenig wie Kalkstickstoff. Kahle und spärlich bewachsene Stellen dürfen nur mit Öko-Saatgut aufgefüllt werden.

Flächengebundene Tierhaltung: Außerdem muss beachtet werden, dass die Dungmenge pro Hektar nicht mehr als 170 kg betragen darf. Das bedeutet, dass pro Hektar nur zwei Pferde (älter als sechs Monate) weiden dürfen.

Für Feinschmecker

Alle Futtermittel, d. h. Raufutter, Kraft- und Mineralfutter, aber auch Saftfutter und Leckerlis müssen 100 % Ökoqualität aufweisen. Außerdem ist vorgeschrieben, dass mindestens 60 % des Futters aus dem eigenen Betrieb stammen oder in Kooperation mit anderen regionalen Betrieben hergestellt werden. Der Zukauf von Futtermitteln darf nur über ökozertifizierte Hersteller erfolgen. Gerade in größeren Pensionsställen ist es schwierig, den Überblick über die Herkunft des Futters zu behalten, weshalb Sammelbestellungen zu empfehlen sind. Auch hier machen einige Bundesländer Ausnahmen: In Bayern zum Beispiel darf Spezialfutter für kranke Pferde auch von konventionellen Betrieben gekauft werden, wenn es nicht anders verfügbar ist. Mineralfutter und Leckerlis in geringen Mengen werden nicht kontrolliert.

24.09.2018
Autor: Katharina Burmester
© CAVALLO
Ausgabe 09/2018