Worauf es bei Pferdefutter ankommt

Fütterung: Wie wirken Nährstoffe zusammen?

Foto: Pixabay Pferde auf der Weide
Die richtige Fütterung ist essentiell für Gesundheit und Wohlbefinden des Pferds. Doch was ist eine gesunde Ernährung? Wir bringen Licht ins Dunkel über den Nährstoffbedarf und das Zusammenwirken von Nährstoffen.

Welche Nährstoffe braucht mein Pferd? Diese scheinbar simple Frage ist im Einzelfall leider nur schwer zu beantworten und hängt insbesondere von der jeweiligen Situation des Pferds ab.

Handelt es sich um ein Jungpferd im Wachstum, einen Senior, einen Warmblüter oder ein Shetty? Hat es gesundheitliche Probleme? Ist das Pferd im Leistungssport aktiv oder geht es eher im Gelände spazieren? Das ist nur eine kleine Auswahl der Faktoren, die den individuellen Nährstoffbedarf beeinflussen.

Grundsätze der Pferdefütterung

Ein paar Grundsätze gelten jedoch für jedes Pferd: Es benötigt die primären Nährstoffe wie Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, sekundäre Pflanzenstoffe, Spurenelemente, Elektrolyte und natürlich jede Menge Wasser. Diese primären Bausteine und Energielieferanten sind verantwortlich für unzählige Stoffwechselprozesse, die unser Vorstellungsmaß und unser Wissen bei weitem überschreiten.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Zitronensäurezyklus im Biologieunterricht? Darüber werden die Zusammenhänge der Energiegewinnung von Zucker, Fett und Proteinen bzw. Aminosäuren vereinfacht dargestellt. Wenn Sie sich jetzt zufällig mal in einem Labor nur über den Glucosestoffwechsel informieren wollten, reicht eine Tafel an der Wand längst nicht aus: Allein die hier inzwischen bekannten Stoffwechselprozesse füllen Bücher. Und wahrscheinlich kennen wir nicht einmal 1 Prozent aller Glucosestoffwechselwege!

Foto: Rädlein Pferde richtig füttern: Darmflora und Stoffwechsel

Die Nährstoffzufuhr hängt individuell vom Pferd ab.

Risikofaktoren

Wenn man jetzt noch die erweiterten Wechselbeziehungen zu anderen Nährstoffen wie Spurenelementen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen hinzuzieht, wird eines relativ schnell klar: Es ist riskant, insbesondere mit is lierten Nährstoffen unter der Annahme der richtigen Dosis zu arbeiten. Die möglichen negativen Folgen wurden in verschiedenen Studien im Humanbereich bereits dargestellt.

Einen weiteren Risikofaktor sollte man ebenfalls nicht außer Acht lassen: Die Richtwerte zum Nährstoffbedarf bei Pferden sind nur unzureichend belegt und hängen von der individuellen Situation des Tiers ab. Wir müssen aus wissenschaftlicher Sicht davon ausgehen, dass die Werte für verschiedene Rassen, Fohlen, Pferde im Leistungssport oder kranke Tiere teilweise erheblich differieren.

Selen ist hier ein gutes Beispiel. Dieses Spurenelement hat vielfältigste Einflüsse auf den Stoffwechsel. Es ist verantwortlich für antioxidative Prozesse, Stoffwechselprozesse der Entgiftung und spielt im Schilddrüsenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Bei einer Überdosierung können jedoch vielfältigste Störungen entstehen. Die Dosierungsempfehlungen variieren gleichwohl stark und sind nur unzureichend wissenschaftlich belegt.
Doch wie können wir nun unseren Pferden die wichtigen Nährstoffe in der richtigen Menge bereitstellen?

Foto: Rädlein Auf der Pferdeweide ist das Zecken-Risiko hoch.

Nur Gras zu füttern ist sehr einseitig.

Die Natur als Vorbild

Pferde sind Pflanzenfresser – keine Heu- und Grasfresser! Eine Wiese, die keiner Monokultur unterzogen wurde, bietet Pferden vielfältigste Nahrungsangebote. Denken Sie an Giersch, Frauenmantel, Thymian, Witwenblume, Johanniskraut, Nelke, Schafgarbe, Brennnessel, Himbeere, Spitzwegerich, Löwenzahn, Rotklee, Hornklee, Labkraut, Hirtentäschel, Dost, Storchenschnabel, Wiesenknöterich, Distel, Gänselblu?mchen, Leimkraut, Gipskraut, Glockenblumen und wildes Stiefmütterchen.

Zudem könnte ein Pferd in freier Natur noch Früchte wie Beeren, Äpfel oder Kirschen sowie Rinden und Blätter von Bäumen und Sträuchern zu sich nehmen. Alle diese Pflanzen sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, Gerbstoffen, Vitaminen, Elektrolyten und Spurenelementen. Sie enthalten aber auch die notwendigen primären Nährstoffe wie Rohproteine, Fette und Kohlenhydrate. Tatsächlich kommt nur leider kaum ein Pferd in den Genuss dieser vielfältigen Nährstoffe aus der Natur.

Foto: Rädlein Pferde-Ernährung: Mysteriöser Mangel bei Vitamin B und Zink

Heufütterung bringt zwar Ballaststoffe, aber auch einen Mangel an Spurenelementen.

Heufütterung

Heu und Gras – darauf wird die überwiegende Fütterung bei nahezu allen Pferden hinauslaufen. Grundsätzlich ist das auch gar nicht so verkehrt, denn darüber erhalten Pferde strukturierte Kohlenhydrate als Ballaststoffe und Futter für ihre Darmflora, fett- und wasserlösliche Vitamine ebenso wie Spurenelemente. Zudem werden in hohem Maß Rohproteine zur Verfügung gestellt.

Für den Bedarf an Kohlenhydraten und Proteinen sind 1,5 kg Heu pro 100 Kilo Körpergewicht in aller Regel ausreichend - bei früher Ernte. Das gilt natürlich nicht für Sportpferde oder andere Belastungssituationen. Während der Weidezeit sollte die Heuzufuhr jedoch deutlich reduziert werden und kann auch mal unter 1 kg pro 100 kg/KG liegen. Ansonsten kann eine zu hohe Belastung durch nicht strukturbildende Kohlenhydrate auftreten.

Es hängt jedoch viel davon ab, welche Qualität die Böden haben und wie das Heu geerntet und gelagert wurde. Sicher haben wir in aller Regel bei der Heufütterung nicht nur einen hohen Mangel an sekundären Pflanzenstoffen, sondern vielfach auch an Spurenelementen wie Zink, Mangan und Selen sowie an Vitaminen.

Ergänzungsfutter

Zum Heu sollte daher – je nach individueller Situation des Pferds – dreimal täglich 0,5 bis 1 kg eines hochwertigen Ergänzungsfutters gegeben werden. Ein durchschnittlich belastetes Pferd ist auf diese Weise sehr gut versorgt.

Achten Sie bei der Auswahl des Futters auf einen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, Elektrolyten, Vitaminen, Gerbstoffen und Spurenelementen. Woran Sie das erkennen? Im Futter finden Sie eine außergewöhnliche Vielfalt der zuvor aufgeführten Pflanzen wieder.

Enthalten sein können auch gerne noch Roggen-, Hafer-, Gersten- und Weizenkleie. Dies sind die Schalen des Getreides, die ca. 60-70 % der wichtigen Inhaltsstoffe enthalten, ohne eine zu hohe Zuckerlast hervorzurufen. Zu hohe Mengen an Kleie binden wiederum Zink, Magnesium und Eisen, sodass es auf das richtige Mischungsverhältnis ankommt. Keimlinge hingegen liefern viele Nährstoffe des Getreides bei deutlich reduzierten sogenannten Anti-Nährstoffen wie z.B. der Phytinsäure.

Getreide als Kraftfutter ist grundsätzlich auch voller wichtiger Nährstoffe. Hafer, Weizen, Gerste und Co. tragen jedoch zu einer höheren Stärkelast bei; zudem enthalten sie das Klebereiweiß Gluten, welches bei Menschen im Verdacht steht, das Leaky Gut Syndrom hervorzurufen.

Fazit

Spielen Sie nicht mit synthetischen Ergänzungen am Stoffwechsel Ihres Pferds. Denken Sie immer an die Komplexität dieser Vorgänge am Beispiel des Glucosestoffwechsels. Nährstoffe sind Teamplayer und ihre Funktionen nur zu einem Bruchteil bekannt.

Nehmen Sie die Natur als Vorbild, was Ihr Pferd benötigt. Je breiter das Angebot an natürlich vorkommenden Pflanzen, die qualitativ auf dem höchsten Stand eines Bio-Produkts produziert wurden, umso sicherer werden Sie Ihr Pferd gesund erhalten.

25.07.2018
Autor: Dr. Kay Bredehorst und Prof. Reinhard Bredehorst
© CAVALLO
Ausgabe 02/2018