Zusatzleistungen: Was darf der Service im Stall für mein Pferd kosten?

Was darf ein Pferdewirt kosten?

Pferde-Pflege kostet Zeit: Wer im Pensionsstall Sonderwünsche für sein Pferd hat, muss dafür entweder zahlen oder selbst anpacken. Hier ist die Rechnung, was zusätzliche Leistungen kosten und warum Sparfüchse ihren Pferden am Ende schaden.

Eine gelernte Pferdewirtin, die den professionellen Service im Betrieb bietet, kostet mindestens 20 Euro. Nicht am Tag, sondern pro Stunde. Dabei ist es keine Luxus-Pferdewirtin und der Stallbetreiber kein Raffzahn. Von den 20 Euro, die der Stallbesitzer kalkuliert, bekommt die ausgebildete Fachfrau 10 Euro je Stunde brutto ausgezahlt. Die anderen 10 Euro gehen für Unfallversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Fortbildung, Urlaubsvertretung, persönliche Schutzausrüstung usw. locker drauf.

Die Gelernte schuftet reichlich, wird von ihrem Chef besser versorgt als viele Kolleginnen und ist gerade noch über dem Satz, dass wir Steuerzahler nicht aufstocken müssen. Diese Fachfrau ist in Deutschland nach offizieller Einschätzung immer noch armutsgefährdet.

Eine Arbeitskraft ist mit 20 Pferden ausgelastet. Billiger aus Sicht des Stallbetreibers geht‘s mit Stallhelfern aus Bulgarien, Polen oder Rumänien. Sie senken die Personalkosten, denn sie schuften für 3 bis 4 Euro pro Stunde. Das ist ein echtes Schnäppchen für den Stallbetreiber. Zudem fallen keine lästigen Sozialversicherungen an. Wenn die Billigkräfte nicht gut arbeiten, werden eben andere geholt. Die Osteuropäer kosten den Stallbesitzer gerade mal 40 Euro im Monat pro Pferd. Für einen gelernten Pferdewirt fallen 210 Euro pro Pferd im Monat an.

Somit senken die Osteuropäer den Pensionspreis auf 230 Euro – das ist fast die Hälfte.
Aber es geht noch billiger: Jahrespraktikanten sind fleißig, folgsam und kosten gar nichts. Das, was sie lernen sollen, müssen sie schon vorher kennen. Sie reduzieren den Pensionspreis auf 190 Euro im Monat. Dass diese Beschäftigung einfach nur Schwarzarbeit und Sozialversicherungsbetrug ist, spielt keine Rolle mehr.

12.03.2013
Autor: Dietbert Arnold
© CAVALLO
Ausgabe 02/2013