6 Wege, wie Sie Ihrem Pferd Ihre Zuneigung zeigen

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO 6 Wege, wie Sie Ihrem Pferd Ihre Zuneigung zeigen

Freundliche Begrüßung stärkt die Beziehung

Einige Menschen faszinieren durch eine tiefe Verbindung zum Pferd. Trainerin Anke Recktenwald war beeindruckt, wie ihre TTouch-Ausbilderin Linda Tellington-Jones sofort zu jedem Tier einen feinen Draht fand.

Was ist das Geheimnis des feinen Gespürs? Das fragte sich Anke Recktenwald – und fragte eines Tages einfach bei Linda nach. Die weltberühmte Pferdefrau verriet: „Ich begrüße jedes Pferd und danke ihm dabei, dass es für mich da ist.“

Wie das geht? Fokussieren Sie sich auf liebevolle Gedanken, wenn Sie das Pferd von der Koppel oder aus der Box holen. „Worte sind dafür nicht zwingend nötig“, sagt Anke Recktenwald. Die positiven Gedanken allein bewirken bereits eine freundliche Ausstrahlung, die Pferde wahrnehmen.

Reagiert das Pferd darauf, indem es zu Ihnen schaut, sich Ihnen entgegen dreht oder sogar kommt, halten Sie dem Tier Ihren Handrücken auf Höhe der Nase entgegen. Das ist für das Pferd, als würden Sie „Hallo“ sagen.

Woran erkenne ich, dass mein Pferd die Begrüßung versteht? Das Tier schenkt Ihnen mehr Aufmerksamkeit: Blick und Bewegung gehen in Ihre Richtung. Indem das Pferd an Ihrer Hand schnuppert, erwidert es den Gruß. Händeschnuppern ist quasi das Pendant zum Händeschütteln beim Menschen. Berühren Sie das Pferd erst nach diesem Ritual.

Tipp: Achten Sie auch nach der Begrüßung weiter aufmerksam auf die Signale des Pferds. Beim Putzen etwa drehen Pferde teils den Kopf zum Reiter, wenn dieser eine unangenehme Stelle berührt. Ist das der Fall, halten Sie dem Pferd erneut den Handrücken hin und verändern Ihr Tun. Sprich: Putzen Sie sanfter oder mit weicherer Bürste. „Damit zeigen Sie dem Pferd, dass Sie ihm zuhören“, sagt Anke Recktenwald. So beginnt eine feine Kommunikation.

Zeigen Sie Freude! Die Energie färbt aufs Pferd ab

Pferde spüren die Freude des Reiters – und freuen sich mit. Hat Stute Bailey etwas richtig toll gemacht, kann es passieren, dass Stuntreiterin Yvonne Gutsche sie überschwänglich mit der Stimme lobt – oder auch mal vergnügt jauchzt. Jippie!

„Bailey fährt bei Shows auch auf Applaus ab – die Freude des Publikums spornt sie richtig an“, weiß die Reiterin. Sie ist überzeugt: Die gute Energie des Reiters färbt aufs Pferd ab.

Wie erkenne ich, dass mein Pferd die Freude spürt?
Die Reaktionen sind individuell. Triebige Pferde gehen oft flotter voran und sind motivierter.

Achtung: Temperamentvolle Tiere machen auch mal einen Freudenhüpfer. Nach einem freudigen Lob bewegen sich Pferde teils stolzer – es scheint, als seien sie plötzlich gewachsen.

Aufmerksam beobachten: Wie geht's Dir?

Oft kommen wir abgehetzt in den Stall und sind mit den Gedanken noch bei der Arbeit oder dem Streit von vorhin. Beim Putzen des Pferds plaudern wir mit der Stallkollegin und beim Reiten in der vollen Feierabend-Halle konzentrieren wir uns darauf, nicht mit anderen Reitern zusammenzustoßen.

Tatsächlich sind wir mit der Aufmerksamkeit erschreckend selten wirklich bei unserem Vierbeiner, oder? Dabei gilt: „Aufmerksamkeit ist ein großes Geschenk, das Pferde meist dankbar annehmen“, sagt Anke Recktenwald. Denn beim Reiten und im Umgang führen Reiter und Pferd einen ständigen Dialog. Ziemlich unhöflich, wenn man selbst gar nicht zuhört, aber vom Pferd verlangt, dass es sofort auf alle Kommandos reagiert.

Es ist also höchste Zeit besser zuzuhören. Tun Sie doch mal so, als hätten Sie Ihr erstes Date mit dem Pferd. Beobachten Sie das Pferd interessiert. „Pferde sprechen ständig mit uns – und zwar mit Körpersignalen“, erklärt die Tellington-Trainerin.

Beobachten Sie beim Putzen, Führen und Reiten:
* Was macht mein Pferd eigentlich gerade?
* Was sagt es mir damit?
* Wirkt das Pferd entspannt oder gestresst?
* Hat es heute gute oder schlechte Laune?
* Wie sieht mein Pferd eigentlich aus, wenn es sich wohl fühlt? Wie, wenn es Schmerzen hat?
Diese einfache Übung schult immens das Gespür für den Liebling.

Gibt das Pferd mir Zeichen, dass es meine Aufmerksamkeit spürt?
Achten Sie auf Veränderungen in der Kommunikation mit dem Pferd. Manche Tiere scharren plötzlich nicht mehr am Anbindeplatz (Ruf nach Aufmerksamkeit), sondern stehen ruhig. Andere, die beim Nachgurten sonst schnappen, drehen nur noch den Kopf in Richtung Gurt oder beschweren sich, indem sie mit dem Schweif wackeln.

„Das Verhalten ändert sich, weil die Tiere merken, dass der Reiter sie wahrnimmt. Daher werden die Signale nach und nach unsichtbarer“, meint Anke Recktenwald.

Mit Herz-Intelligenz zu mehr Nähe

US-Forscher entwickelten die Herz-Intelligenz-Methode. Sie basiert auf Atemübungen und positiven Gedanken. Der Effekt: Man fühlt sich ausgeglichen, und das überträgt sich aufs Pferd. Absolvieren Sie dafür fünfmal täglich folgende Übungen:

* Herzfokus: Konzentrieren Sie sich auf Ihr Herz. Dabei legen Sie eine Hand auf Höhe des Herzens an die Brust.

* Herzatmung: Stellen Sie sich vor, Sie atmen langsam durch Ihr Herz ein und aus. Üben Sie so lange, bis der Atem gleichmäßig fließt. Das Atmen hilft, die Gedanken auf einen Punkt zu konzentrieren.

* Herzgefühl: Rufen Sie ein positives, erfolgreiches Gefühl auf. Wer seine Beziehung zum Pferd stärken will, nimmt am besten ein positives Erlebnis mit dem Tier.

* Tipp: Schreiben Sie das Erlebnis mit allen Eindrücken und Gefühlen vor der Übung detailliert auf. So können Sie sich besser in die Situation versetzen.

Es ist übrigens auch möglich, sich bei den Übungen vom Handy anleiten zu lassen. Infos dazu unter: www.cardiaccoherence.eu.

Wie merke ich, dass mein Pferd die positive Energie wahrnimmt?
Möglicherweise sucht es vermehrt Ihre Nähe. Diese Erfahrung machte eine Kanadierin. Als sie Herz-Intelligenz auf der Weide übte, standen plötzlich alle Pferde um sie herum.

Bitten statt befehlen

Ständiges „Nein“ und „Lass das“ frustriert Pferde. Anke Recktenwald rät: Formulieren Sie lieber eine klare Bitte wie: „Geh bitte vier Schritte rückwärts.“ Was das bringt? Die Ausstrahlung verändert sich und wird freundlicher. Zudem entsteht durch die Formulierung (vier Schritte) ein deutliches Bild im Kopf. Dadurch geben Sie die Hilfen automatisch klarer.

Versteht mein Pferd die Bitte?
Testen Sie es. Anke Recktenwald übte etwa Kopfsenken: Das Pferd reagierte dreimal nicht. Dann gab sie das Kommando mit „bitte“. Zack, war der Kopf unten. Zufall? Auch bei drei anderen Tieren führte die Bitte-Formulierung zum besseren Gehorsam.

Kraulen als Lob und zur Beruhigung

Kraulen weckt bei Pferden angenehme Gefühle und wirkt sogar beruhigend. Laut britischen Wissenschaftlern sind Streicheleinheiten das bessere Lob als die typischen Klopfer am Hals. „Jeder sollte wissen, an welchen Stellen sein Pferd am liebsten gekrault wird“, findet Yvonne Gutsche.

Nehmen Sie sich also mal gezielt Zeit, die Streichel Hot-Spots Ihres Lieblings zu entdecken. Starten Sie mit dem Widerrist und der Mähne: Streicheleinheiten an diesen Stellen verstehen Pferde als Freundschaftsangebot. Aber auch Schweifrübe, Schulter, Hinterhand und Genick sind beliebte Kraulpunkte. Einige Stuten lassen sich sogar gerne am Euter streicheln. Tja, die Lieblingsstellen sind eben individuell. Das gilt übrigens auch für die Vorliebe der Intensität – variieren Sie diese. So finden Sie heraus, was Ihr Pferd am liebsten mag.

Woran erkenne ich, dass mein Pferd die Streicheleinheit genießt?
Sie können es am Gesicht ablesen. Manche Pferde ziehen die Oberlippe lang wie ein Tapir, oder die Lippe zittert. Anderen Genießern fallen fast die Augen zu. Pferde, die gerne kräftig gekrault werden, lehnen sich teils mit dem Gewicht in Richtung des Menschen.

Manche Pferde sind so wild auf Streicheleinheiten, dass sie den Besitzer regelrecht dazu auffordern: Stute Katniss etwa dreht Besitzerin Yvonne Gutsche zum Popo-Kraulen den Hintern zu. „Manche Leute denken dann, sie droht mir. Aber ich weiß, die Geste heißt: Kraul mich genau da!“, erzählt die Trainerin.

Mit der Lieblings-Lektion belohnen

Schließen Sie öfters mal ein Training mit der Lieblings-Lektion des Pferds ab. „Das Pferd freut sich, wenn es etwas gut machen kann und ist gleich viel motivierter“, sagt Ausbilderin Yvonne Gutsche. Eines ihrer Berittpferde etwa liebt Spanischen Schritt. Bei dieser Lektion fliegen die Beine des Pferds scheinbar mühelos hoch. Gesetzter Galopp fällt dem Wallach hingegen schwer. Hat sich der Haflinger im Galopp gut konzentriert, darf er als Belohnung zum Abschluss der Stunde noch mal vorführen, was er richtig gut drauf hat. So bleibt die Stunde in positiver Erinnerung.

Woran erkenne ich, welche Lektion mein Pferd mag?
Zu den Lieblings-Lektionen zählen beim Pferd solche Übungen, die dem Vierbeiner leicht fallen. Meist hat es diese auch schnell gelernt. „Ihr Pferd bietet von sich aus eine Lektion an? Das ist ein Zeichen dafür, dass ihm diese Lektion Spaß macht“, weiß Yvonne Gutsche. Absolviert es die Lieblings-Lektion, macht das Pferd insgesamt einen aktiven Eindruck und reagiert fein auf die Hilfen.

Sie haben absolut keinen Schimmer, welche Übung Ihr Pferd mag? Dann bauen Sie einfach nach einer anstrengenden Einheit eine Pause als Belohnung ein.

TTOUCH fürs Wohlbefinden

„TTouches stärken das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd“, sagt Anke Recktenwald. Jeder kann dem Tier damit gezielt Gutes tun: Legen Sie Ihre Finger leicht gekrümmt aufs Pferd und schieben die Haut sanft im Kreis. Stellen Sie sich ein Ziffernblatt vor: Sie starten bei 6 Uhr und stoppen nach 1 1/4 Runden bei 9 Uhr. Dann verschieben Sie die Finger leicht und beginnen den nächsten Kreis. Schieben Sie die Haut mit dem Druck, den Sie auch auf Ihrem Augenlid als angenehm empfinden würden.

Relaxt das Pferd?
Dann atmet es tiefer, senkt den Kopf und schließt die Augen. Falten um Augen, Nüstern und Maul verschwinden.

Die Tücken falsch verstandener Liebe

Liebe zum Pferd ist etwas Wunderschönes – solange klar ist: Der oder die Geliebte ist ein Tier! Klingt banal. Doch in der Realität gibt es häufig Leute, die Pferde wie Menschen behandeln.

Wann schadet Vermenschlichung? „Wenn Besitzer eigene Wünsche aufs Pferd projizieren“, sagt Dr. Stefanie Sprauer. Die Tierärztin kennt solche Fälle: Der Besitzer meint, ein warmer Stall tut gut – und das Pferd bekommt Husten durch stickige Luft. Oder der Reiter denkt, teures Zusatzfutter sei immer gut, füttert es massenhaft und richtet Chaos im Stoffwechsel des Pferds an.

Vermenschlichung kann auch zu Missverständnissen führen. Fällt der Reiter seinem Liebling etwa vor lauter Zuneigung heftig um den Hals, kann das aufs Pferd bedrohlich wirken. So würde in der Natur ein Feind angreifen. „Manche Pferde sind davon so gestresst, dass sie drohen“, sagt Dr. Sprauer. Die Abwehrreaktion enttäuscht den Besitzer dann.

Kann man solchen Problemen vorbeugen? Ja, und zwar mit Wissen. Wer die Bedürfnisse des Pferds kennt und sein Tier beobachtet, bekommt ein Gespür für echte Pferdeliebe.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Die Kraft der (Pferde-)Liebe