Ängstliche Pferde - was hilft?

CAVALLO gibt Tipps für mehr Gelassenheit

Foto: Rädlein So besiegen Sie Schreckhaftigkeit beim Pferd
Viele Reiter haben ängstliche Pferde und wissen oft nicht, wie sie mit der Nervösität ihrer Vierbeiner umgehen sollen. Wir haben Tipps für mehr Gelassenheit.

Die Stute von Leserin Antje Müller erschrickt sich, wenn diese vom Sattel aus einen Gegenstand greifen möchte oder nur einen Arm oder ein Bein zur Seite streckt. Horsemanship-Trainerin Klaudia Duif hat Tipps.

Pferde sind Fluchttiere. Dinge, die sie nicht richtig einschätzen können, machen ihnen deshalb Angst. Wenn Sie vom Sattel aus nach etwas greifen, bringen Sie den Gegenstand zunächst ganz nah an Ihre Stute heran, bevor er aus ihrem Blickwinkel verschwindet. Und wenn Sie vom Sattel aus einen Arm zur Seite strecken, taucht plötzlich etwas im Blickfeld Ihres Pferds auf. Das wirkt bedrohlich.

Foto: Rädlein Schrecksituationen können ganz schön gefährlich sein.

Schrecksituationen können ganz schön gefährlich sein.

Das richtige Training gegen Schreckhaftigkeit

Doch mit dem richtigen Training können Sie Ihrem Pferd die Angst nehmen. Sie üben am Boden. So bringen Sie sich nicht in Gefahr. Und Ihrem Pferd wird es leichter fallen, sich mit Dingen anzufreunden, wenn Sie ihm wortwörtlich zur Seite stehen. Denn wenn Sie im Sattel sitzen, muss das Pferd selbst Verantwortung übernehmen. Zum Üben nutzen Sie ein Knotenhalfter und ein langes Bodenarbeitsseil.

Simulieren Sie den ausgestreckten Arm am Boden: Sie üben auf einem eingezäunten Platz oder in der Reithalle. Sie sollten dort alleine sein, um andere nicht zu gefährden. Stellen Sie sich neben Ihr Pferd. Wenn Sie links neben Ihrem Pferd stehen, strecken Sie den linken Arm mit einer schnellen Bewegung zur Seite. So simulieren Sie die Situation, dass etwas plötzlich im Blickfeld Ihres Pferds erscheint, ohne dass Sie dabei im Sattel sitzen. Scheut Ihr Pferd, lassen Sie Ihren Arm sinken und geben mit dem Seil nach, damit es genug Platz zum Flüchten hat. Holen Sie es ruhig wieder zu sich und wiederholen Sie die Übung auf beiden Seiten, am Anfang im Stand, dann im Schritt und im Trab.

Übrigens klappt die Übung meistens auf einer Seite besser. Wenn Sie das Training immer auf der „Schokoladenseite“ beginnen, machen Sie es Ihrem Pferd leichter. Erst wenn Ihr Pferd bei der Übung entspannt stehenbleibt, können Sie einen Schritt weitergehen.

Trainieren Sie mit Gegenständen

Nehmen Sie nun zusätzlich eine Gerte in die Hand. Damit können Sie Ihren Arm künstlich verlängern. Wiederholen Sie die Übung, bis Ihr Pferd entspannt bleibt. Im nächsten Schritt können Sie ein Flatterband an die Gerte binden – oder Sie nehmen einen anderen Gegenstand in die Hand, etwa eine Jacke oder eine Plane.

Üben Sie dann, die Gegenstände von der Hallenbande zu greifen. Sie können Ihr Pferd auch spielerisch an Gegenstände aus unterschiedlichen Perspektiven gewöhnen: Zum Beispiel mit einem Gymnastikball, den Sie abwechselnd auf Ihr Pferd zurollen und von Ihrem Pferd wegschießen. Klappt alles gut, können Sie wieder in den Sattel steigen.

Üben Sie im Sattel, was Sie am Boden erarbeitet haben

Beginnen Sie im Halten mit einem ausgestreckten Arm oder Bein. Bleibt Ihr Pferd ruhig, probieren Sie das Gleiche im Schritt, Trab und Galopp. Später nehmen Sie eine Gerte mit Flatterband in die Hand.

Bleibt Ihr Pferd in allen Situationen entspannt, versuchen Sie, vom Sattel aus Gegenstände von der Bande zu greifen. Wenn Sie Ihr Tier am Boden gut trainiert haben, wird es damit keine Probleme haben. Dann hat es selbst vor flatternden Planen keine Angst mehr. Und Sie können im Sattel machen, was Sie wollen, ohne dass Ihr Pferd erschrickt.

17.01.2018
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 01/2018