Schritt für Schritt: Die richtige Körpersprache im Sattel

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Körpersprache im Sattel

Präsent werden

Damit Sie mit Ihrem Pferd vom Sattel aus arbeiten, Lektionen abfragen oder es durch unbekannte Situationen führen können, muss es Ihre Präsenz spüren.

Um die Aufmerksamkeit des Pferds zu gewinnen, richten Sie sich auf und holen aus der Körpermitte heraus tief Luft. Dabei hebt sich Ihr Brustkorb. Stellen Sie sich vor, ein goldener Faden an Ihrem Scheitelpunkt zieht Sie sanft nach oben.

Streben Sie mit dem Scheitel zum Himmel.

Kontakt mit dem Sitz

Wenn Sie Ihren Oberkörper aufrichten, kommt von selbst etwas mehr Druck auf Ihre Sitzbeinhöcker. Spüren Sie diesen Kontakt zum Pferd bewusst.

Ihre Beine legen Sie sanft umarmend um den Pferdebauch. Stellen Sie sich nicht in die Bügel, lassen Sie die Beine locker hängen. Achten Sie darauf, auch in Stresssituationen das Bein nicht wegzustrecken.

Zeigen Sie Ihrem Pferd mit Ihrem ganzen Körper wie beschrieben, dass Sie da sind und bleiben in ruhigem Kontakt mit Sitz und Bein.

Oberkörper zurück

Bringen Sie Ihren Oberkörper nach hinten, kann das ein Signal zum Vorwärts- oder zum Rückwärtsgehen sein. Entscheidend sind feine Nuancen in der Körperhaltung.

Lehnen Sie Ihren Oberkörper leicht nach hinten, bleiben dabei aber im Becken aufgerichtet, treiben Sie das Pferd von hinten in die Vorwärtsbewegung hinein.

Oberkörper zurück und Becken nutzen

Machen Sie dabei mit dem Becken eine rückwärtskreisende Bewegung, um dem Pferd einen Schubs nach vorne zu geben. Die Hand gibt etwas nach.

Positionieren Sie Ihren Oberkörper dagegen nach hinten, knicken das Becken ab und lassen die Hand stehen, tritt das Pferd unter Ihren Schwerpunkt nach hinten.

Seitliche Position

Soll Ihr Pferd seitwärts weichen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Für eine für das Pferd intuitive Gleichgewichtshilfe positionieren Sie Gewicht und Oberkörper in Bewegungsrichtung.

Ihre Hüften beschreiben einen seitlichen Kreis und geben einen Schubs in Bewegungsrichtung. Der Schenkel, dem das Pferd weichen soll, treibt mittig am Pferd.

Braucht es mehr Schwung oder Nachdruck, bringen Sie Gewicht und Oberkörper bei ansonsten gleichen Hilfen auf die andere Seite und „drücken“ es in Bewegung.

Oberkörper vor

Bewegen Sie Ihren Oberkörper nach vorne und gehen dabei mit der Hand vor, bitten Sie Ihr Pferd Ihrer Position zu folgen und vorwärtszugehen.

Bringen Sie dagegen den Oberkörper nach vorne und lassen die Hand in ihrer Position stehen, animieren Sie es zum Rückwärtsgehen. Sie begeben sich dann bewusst vor die Schulter, um das Pferd ähnlich wie am Boden von hier aus zurückzuschicken.

Mitnehmende Körpersprache

Bislang haben Sie unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation kennengelernt: Sie haben Ihr Pferd entweder in Richtung Ihrer Körperpostition mitgenommen, oder aber sich so positioniert, dass Sie Ihr Pferd mit Ihrem Körper in eine bestimmte Richtung von sich wegtreiben oder „drücken“ konnten.

Je nach Situation sollten Sie bewusst entscheiden, welche Variante Sie verwenden. Mitnehmende Körpersprache ist sehr fein und intuitiv. Sie eignet sich gut, wenn Sie mit wenig Druck arbeiten möchten, etwa fürs Vorwärts-Abwärts.

Bringen Sie Oberkörper und Hand dazu leicht vor, animieren Sie Ihr Pferd, Ihnen in dieser Bewegung zu folgen. Denken Sie in Bewegungsrichtung und lassen gefühlt Wasser durch Ihre Arme nach vorne fließen.

Drückende Körpersprache

Im Gegensatz zur mitnehmenden Körpersprache bauen Sie dabei stets Druck auf, dem Ihr Pferd weichen soll. Das heißt auch, dass Sie etwas mehr Spannung in Ihren Körper bringen – ähnlich wie beim Präsentwerden.

Diese Kommunikationsweise eignet sich vor allem dann, wenn Sie sich Schwung oder Versammlung wünschen: Möchten Sie Ihr Pferd zum Beispiel aus dem Schritt heraus schwungvoll angaloppieren, nehmen Sie Ihren Oberkörper lieber etwas zurück und treiben von hinten nach vorne, statt den Oberkörper nach vorne zu bringen.

Direkte Energie

Während Sie am Boden vor allem über die Enerige Ihres Körpers ohne Berührung mit dem Pferd kommunizieren sollten, wirken Sie im Sattel hauptsächlich über Körperberührungen ein.

Berührungskontakt kann etwa über das Bein, den Sitz oder die Zügel erfolgen. Wirken Sie immer erst weich und gleichmäßig ein, etwa beim Schenkeldruck. Verstärken können Sie die Signale durch rhythmische Einwirkung, etwa einen leicht antippenden Schenkel.

Setzen Sie Berührungsreize und indirekte Energie richtig ein

Signale ohne Berührung setzen Sie im Sattel vor allem zur Verstärkung und Unterstützung der Berührungssignale ein.

Soll das Pferd etwa mit der Vorhand weichen, können Sie zusätzlich zum Schenkeldruck die Gerte seitlich der Vorhand wie einen verlängerten Arm bewegen.

Indirekte Energie

Dadurch nehmen Sie hier Raum ein – genauso wie Sie das Pferd am Boden durch Ihre Körperpräsenz wegschicken würden. Eine ähnliche begrenzende Funktion übernimmt im Idealfall auch der äußere Zügel.

Gerade bei jungen Pferden kann es hilfreich sein, wenn ein Helfer vom Boden aus mit Körperenergie, etwa erhobenen Händen, zusätzlich einwirkt. So werden die Reitersignale fürs Pferd verständlich.

Achten Sie im Sattel immer wieder auf Ihre innere Einstellung

Ihr Pferd spürt, ob Sie mit positiver Energie arbeiten. Auch Druck sollten Sie nicht als negativ sehen. Sie wollen Ihr Pferd motivieren und anfeuern, nicht zwingen.

Sehen Sie sich und Ihr Pferd als Partner, und denken Sie daran, dass Sie sich gemeinsam bewegen wollen. Alle Aufgaben sollten Sie möglichst mit einem Lächeln reiten können. Das entspannt Ihren ganzen Körper und bringt positive Energie.

Seien Sie positiv und bewahren Sie Ihren Fokus

Beim Reiten ist es besonders wichtig, dass Sie konsequent sind und Ihre Ziele im Auge behalten. Geben Sie nicht auf, wenn Ihr Pferd nicht gleich reagiert, sondern steigern Sie Ihre Signale schrittweise.

Überlegen Sie, ob Sie selbst genau wissen, was Sie von Ihrem Pferd wollen und in welche Richtung es sich bewegen soll. Fokussieren Sie innerlich und äußerlich ein Ziel. Reiten Sie vorwärts, suchen Sie sich einen festen Fokuspunkt für Ihren Blick

Behalten Sie Ihr Ziel im Blick

So sind Sie eindeutig in Ihrer Körpersprache. Mit einer Gerte vor dem Bauchnabel können Sie prüfen, ob diese zum Ziel zeigt und Ihr Körper sich richtig mitdreht.
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