Schenkelweichen

5 Schritte zum sauberen Seitwärts

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Pferde leichter seitwärts laufen zu lassen

1. Finden Sie die kitzelige Stelle

Das bringt's: Ihr Pferd lässt sich sicher führen und folgt unterm Sattel willig den Hilfen zum Antreten und Durchparieren? Dann gehen Sie einen Schritt weiter und zwar seitwärts. Schenkelweichen löst die Muskeln Ihres Pferds und schmiert die Gelenke. Das Kreuzen der Beine mobilisiert zudem die Lenden und fördert die Koordination – von Pferd und Reiter.

So geht's: Claudia Butry macht Pferde zunächst am Boden mit den seitwärts weisenden Hilfen vertraut. Dafür sucht sie mit der Touchiergerte deren kitzelige Stelle – die liegt oft knapp über dem Fesselkopf. „Hier ist es in der Regel am einfachsten, die Bewegung im Moment des Abfußens gezielt zu steuern,“ erklärt Butry. Darum versucht sie, ihre Pferde in der Ausbildung auf diesen Punkt zu eichen. Nicht immer klappt das.

1. Finden Sie die kitzelige Stelle

Manche Tiere reagieren am besten am Bauch (Schenkellage). Auch bei der Intensität gibt es Unterschiede: Manche Pferde reagieren erst auf deutliches Antippen, anderen reicht ein Fingerzeig.

„Auf feine Signale sollte freilich jedes Pferd reagieren lernen.“ Vorsicht bei Stuten: Sie reagieren oft zimperlich und heftig. Fordern Sie daher nicht zu viel. Sobald das Pferd sein Bein hebt und seitwärts Richtung diagonales Vorderbein fußt, folgt ein dickes Lob!

2. Übertreten an der Hand

Das bringt's: „An der Hand überzutreten, ist für die meisten Pferde kein Hexenwerk“, sagt Claudia Butry. „In der klassischen Ausbildung übt man so etwa den Handwechsel mit Jungpferden an der Longe ein.“ Die folgende Übung hilft insbesondere steifen Pferden, sich im Genick zu lösen. „Schlaksigen Warmblütern fällt die Seitwärtsbewegung anfangs oft schwer. Sie haben Mühe, der seitwärtsweisenden Hilfe zu folgen und sich zu koordinieren“, beobachtet Claudia Butry.

Die Folge: Manche Tiere preschen nach vorne, andere legen den Rückwärtsgang ein, um sich zu entziehen. Auf beide Fluchtwege antwortet Butry mit ihrer Körpersprache: Sie lockt das Pferd aus dem Rückzug, indem sie einen Touchierimpuls an der Hinterhand gibt. Sobald das Pferd nach vorne antritt, geht sie ein paar Tritte zurück. Rücken die Vierbeiner Butry auf die Pelle oder rennen in die Seitwärtsbewegung, bleibt fürs Kreuzen kaum Zeit. Dann setzt die Trainerin ihren Oberkörper als rote Ampel ein: Sie dreht sich mit der Schulter zum Pferd, strafft Brust und Schultern. Das signalisiert: Abstand halten. Nach ein bis zwei sauberen Tritten läutet sie am äußeren Zügel sachte die Pause ein. Nach einem Ruhemoment geht’s neu weiter.

2. Übertreten an der Hand

So geht's: Fassen Sie mit der linken Hand den Zügel direkt hinter dem Trensenring. Mit der anderen Hand den äußeren Zügel zwischen Daumen und Zeigefinger greifen, die Touchiergerte liegt in der Hand und bedeutet dem Pferd, im Moment des Abfußens überzutreten.

Nun bewegt sich das Pferd in einem kleinen Kreis um Sie herum. Achten Sie auf die korrekte Stellung!

3. Immer an der Wand lang

Das bringt's: Butrys Weg ins Seitwärts führt über eine abgeschnittene Ecke – eine schonenden Alternative zur Vorübung „Vorhandwendung,“ bei der deutliche Scherkräfte die Vorderbeine belasten. Zudem wirkt die Bande optisch als Richtschnur und bremsend, was wuselige Pferde entschleunigt.

So geht's: Von der Mitte der kurzen Seite aus steuert Claudia Butry den Wechselpunkt an der langen Seite der Bande an. Auf diese Weise positioniert sie das Pferd automatisch im 45 Grad Winkel mit dem Kopf zur Wand. Und es weicht nun dem leicht zurückgelegten Reiterschenkel. Dabei läuft es vorwärtsseitwärts auf zwei Hufschlägen und ist gegen die Bewegungsrichtung (also zum seitwärtstreibenden Schenkel) gestellt, aber nicht gebogen. Dabei muss das das innere Beinpaar vor und über das äußere Beinpaar treten.

Wichtig: In der Lernphase reichen drei bis vier saubere Schritte. „Für Jungpferde ist die Seitwärsbewegung anstrengend, das Kreuzen unter dem Reitergewicht bringt sie leicht aus der Balance.“ Manche Pferde drücken darum aufs Tempo. Hier hilft: „Anhalten denken, ohne wirklich durchzuparieren“, sagt Butry. Weicht das Pferd über die äußere Schulter, liegt es meist an zu viel Stellung: Der Reiter wirkt zu wenig am äußeren Zügel ein, mit dem er die Schulter kontrolliert. Die Biegung im Hals blockiert wiederum das innere Hinterbein, es kann nicht übertreten.

Korrektur: Ändern Sie die Halsposition. Sind die Ohren auf gleicher Höhe? Sehen Sie das innere Auge schimmern? Versuchen Sie zudem, die Gerte vor dem Sattel an die Schulter zu legen.

4. Aus der Ecke kehrt

Das bringt's: Klappt das Schenkelweichen an der Bande, erhöht Claudia Butry step by step die Anforderung. Etwa mit einer Kehrtvolte, bei der sie im Schenkelweichen auf einer freien Linie zur Bande zurück reitet. Dabei lernen Sie, die diagonale Hilfengebung noch feiner abzustimmen und auch ohne Wand die Spur zu halten.

So geht's: Setzen Sie sich gerade in den Sattel, das Gesäß ist gleichmäßig belastet mit einem Hauch mehr in die Bewegungsrichtung.

4. Aus der Ecke kehrt

Was der seitwärtsweisende Schenkel gibt, empfängt die gegenüberliegende Hand. Und da steckt der Teufel im Detail. „Viele neigen auf der Kehrtvolte dazu, die Hinterhand viel zu weit seitwärts treiben zu wollen. Dann geht die Hinterhand der Vorhand voraus“, erklärt die Ausbilderin.

So lösen Sie das Problem: Mit dem zur Bande zeigenden Zügel seitwärts vom Hals wegweisen (nicht ziehen!), um so die Vorhand wieder zum Vorausgehen zu bewegen. „Reagieren pelzige Gesellen kaum oder gar nicht auf die seitwärtsweisende Hilfe des Beins, bitte keinesfalls quetschen oder pressen“, so Claudia Butry. Sie schickt solche Pferde wieder zurück auf Anfang, nämlich an die Bande. Und bewegt das Pferd mit einem Helfer am Boden dazu, die seitwärtstreibende Hilfe korrekt anzunehmen: „Das ist viel effektiver als Dauerzug und Bolzen – und das Pferd stumpft nicht ab.“

5. Zickzack um die Hütchen

Das bringt's: Zickzack im Seitwärtgang und auf der freien Linie ist der Prüfstein, ob das Pferd beidseitig gleichermaßen durchlässig ist und der Reiter die Hilfen von Schenkel, Gewicht und Hand fein aufeinander abstimmen kann.

Besonders sinnvoll ist das Schenkelweichen auf der freien Linie auch für jene Kandidaten, die sich leicht ablenken lassen und tendenziell eher nervös sind – so wie Butrys blutgeprägte Stute Sky. Der Grund: „Die Übung lenkt die Konzentration zurück auf den Reiter, die Pferde warten richtig, was als nächstes kommt“, so Claudia Butrys Erfahrung. Viele ihrer Korrekturpferde reitet sie in Fantasiefiguren im Seitwärts, lässt sie beispielsweise um Hütchen oder in einer schneckenartigen Spirale übertreten. „Die vielen Seitenwechsel machen Pferde reaktionsfein aufs Bein und beweglich.“

Claudia Butry baut einen Hütchenslalom auf, der Gymnastik pur verspricht. Im Abstand von etwa sieben Schritten platziert sie jeweils einen farbigen Kegel auf der Mittellinie. Dann steuert sie das Pferd zwischen zwei Hütchen diagonal mehre Tritte über die Mittellinie, stellt es um. Dann geht es im Schenkelweichen zwischen dem nächsten Hütchenpaar in die Gegenrichtung zurück.

Extra-Tipp: Oft liegt’s am Reitersitz, wenn es irgendwie nicht richtig seitwärts geht. Also impft Butry Schüler mit einem eingängigen Bild: Sie sollen so sitzen, als wäre der Po ein Stecker, der Sattel die Steckdose. „Das hilft, sich zentriert zu platzieren und die Gesäßknochen gleichmäßig mit einem Hauch nach außen zu belasten“, erklärt die Ausbilderin.

Die Hilfengebung aus den Richtlinien – bei denen das Gesäß einseitig in die Bewegungsrichtung sitzt – ist für die Bewegungstrainerin nach Eckart Meyners nämlich recht unlogisch und zudem ein Einfallstor für typische Fehler im Seitwärts. Dazu gehört etwa das Einknicken in der Hüfte, wodurch die Unterschenkel zu leicht wegrutschen. „Das bringt Pferd wie Reiter aus dem Gleichgewicht“, sagt Butry. „Sitzen Sie lieber von Anfang an gleichmäßig im Sattel.“
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