Olympiasiegerin übt Horsemanship & Leichtes Reiten

"Horsemanship verbessert die Beziehung zum Pferd"

Foto: Rädlein
Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke blickt gerne über den Tellerrand und lässt sich von anderen Reitweisen inspirieren.

CAVALLO: In welche fremde Reitweisen haben Sie schon hineingeschnuppert?

INGRID KLIMKE: Ich habe beispielsweise Linda Tellington-Jones bei der Arbeit mit meinem Vater damals in seinem Reiterverein kennengelernt und wir trainierten zusammen. Sie ist eine so interessante Frau und die Pferde fühlen sich einfach wohl mit ihrer Methode. Vor den Olympischen Spielen 2008 lud ich sie dann für drei Tage zu mir in den Stall ein. Vieles von dem Gelernten nutze ich noch heute: Ich reite ab und an mit Halsring, mit den TTouches streiche ich meinen Pferden vor der Geländeprüfung die Ohren aus – das entspannt. In der Dressur denke ich noch oft an Lindas Tipp, mir die Pirouette als leichten, fröhlichen Tanz vorzustellen. Vor zwei Jahren habe ich zudem angefangen, mit Claudia Miller Natural Horsemanship zu trainieren. Dafür hätte ich gerne noch viel mehr Zeit.

CAVALLO: Was packt Sie daran?

INGRID KLIMKE: Das systematische Üben einer klaren Sprache mit dem Pferd offenbart viel über die Beziehung. Es ist faszinierend, wie man darüber das Vertrauen der Tiere erobert – und wie sie einen spiegeln. Das Fühlen und die empatische Verbindung zum Pferd ist ohnehin das, was für mich seit 20 Jahren immer wieder neu den Reiz der Reiterei ausmacht.

CAVALLO: Üben Sie auch Horsemanship mit erfahrenen Pferden?

INGRID KLIMKE: Ja, bei Escada etwa hat es mir sehr geholfen. Sie ist eine selbstbewusste Stute. Das war toll fürs Gelände – sie machte ihr Ding. Die Mentalität hatte sie aber auch im Viereck: Da hörte sie teils nicht gut zu. Meine Lösung: Ich stieg zwischendrin ab und machte Gehorsamsübungen. Oder ich forderte Kompliment, was ihr Spaß machte. Danach war sie deutlich aufmerksamer.

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Natural Horsemanship

Freundlichen Kontakt aufnehmen und prüfen, was das Tier braucht – auf dieser Idee basiert Natural Horsemanship.

Das bekannteste System stammt vom Amerikaner Pat Parelli. Basis der Ausbildung sind vier Level: Partnerschaft, Harmonie, Verfeinerung und Vielseitigkeit. Über die sogenannten „Sieben Spiele“ lernen Reiter klar zu kommunizieren und die Persönlichkeit des Pferds besser einzuschätzen.

Leichtes Reiten

Im 20. Jahrhundert erfand Federico Caprilli den leichten Sitz. Die Idee der Entlastung entwickelte sich im Chiron-System weiter.

Mit Linda Tellington-Jones rückte in den 1960ern immer mehr die Schulung des Körperbewusstseins für einen pferdeschonenden Sitz in den Fokus. Ihre Tellington-Methode beruht auf der Feldenkrais-Bewegungslehre. Sie fördert Balance und Entspannung und umfasst Halsringreiten sowie sanfte Berührungen für Mensch und Tier (TTouches). Verwandt ist das Connected Riding von Peggy Cummings.

Eine bekannte Einrichtung fürs Bewegungslernen nach pädagogischen Grundsätzen ist in Deutschland das Reit-Zentrum-Reken. Mit Holzpferd, Zügelführspielen und Zirkeloval wird dort der Sitz geschult.

15.11.2018
Autor: Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 10/2018