Schulterkontrolle beim Pferd - die besten Übungen

Locker aus der Schulter

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Mehr Schulterkontrolle
Schulterkontrolle ist quasi die Servolenkung für Reiter: Damit können Sie Ihr Pferd federleicht dirigieren und gesund ausbalancieren. Mit diesen Anregungen und Übungen gelingt’s.

Um die Pferdeschulter zu kontrollieren, sollten Sie diese zunächst mobilisieren, bevor Sie die Vorhand positionieren und später stabilisieren. Mit den ersten Übungen lockern Sie die Vorderpartie.

Mobilisieren - Von hinten nach vorn

Fürs Mobilisieren der Schulter müssen wir das Pferd quasi auch von hinten aufzäumen: Damit ein Pferd seinen Brustkorb anheben und sich frei aus der Schulter heraus bewegen kann, muss zunächst einmal Energie aus der Hinterhand über den lockeren Rücken bis in die Reiterhand fließen.

Zum besseren Verständnis: Gehen Sie in den Vierfüßlerstand und heben einen Arm. „Beobachten Sie, was Sie dafür tun müssen“, rät Pferdewirtschaftsmeisterin Henrike Garcke (www.triple-d-ranch.de). Sie werden sehen: „Das Handheben klappt nur, wenn Sie nach hinten kippen, als würden Sie Ihre Hanken beugen.“ Um Pferde in die dafür nötige Balance zu bringen, müssen Reiter also den Motor Hinterhand aktivieren. Die folgenden Tipps und Übungen helfen genau dabei.

Vorderhand hoch!

Cavaletti-Arbeit in Schritt und Trab ist eine gute Übung, um die Vorderpartie zu lockern – oder ihre Mobilität zu checken. „Das Pferd muss seine gesamte Vorhand über den Stangen anheben“, so Henrike Garcke. Einen ähnlichen Effekt haben übrigens wechselnde Untergründe im Gelände.

„Richtig ausgeführt, kann auch der Spanische Schritt die Schulterfreiheit verbessern“, sagt Ausbilderin Saskia Gunzer (www.saskiagunzer.de). Ihr Tipp: Üben Sie vorab die Polka, bei der das Pferd ein Vorderbein anhebt, dann ein paar Schritte weiterläuft, das andere Bein anhebt usw. Gunzer: „Die Polka sorgt dafür, dass die Hinterhand mitkommt und das Pferd die Schulter hebt.“ Hat es dieses Bewegungsmuster verstanden, fällt es später auch beim Spanischen Schritt nicht auf die Vorhand, was Gunzer oft beobachtet. „Dann ist der Lockerungseffekt gleich null.“

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Mehr Schulterkontrolle

Cavaletti-Arbeit lockert die Schulter.

Stangen im Kopf

Ist die Pferdeschulter locker, können Sie diese gezielt von links nach rechts steuern. Vorausgesetzt, Sie blockieren die Vorhand nicht, indem Sie beispielweise am Zügel ziehen. „Dann wendet das Pferd zwar den Kopf, driftet aber über die Schulter in die Gegenrichtung“, erklärt Saskia Gunzer. Ihr Tipp für leichtes Positionieren:

„Stellen Sie sich vor, Ihre Zügel wären zwei Stangen, die das Pferd seitlich einrahmen und mit denen Sie die Pferdeschulter umplatzieren können.“ Denken Sie nicht daran, den Kopf steuern zu wollen! Beispiel Schenkelweichen: Verschieben Sie die jeweilige Stange parallel zur Pferdeschulter in die gewünschte Richtung. So legt sich der äußere Zügel führend an den Pferdehals, und Sie ziehen nicht am inneren.

„Bewegen Sie die eigenen Schulter zudem stets im Einklang mit den Pferdeschultern bzw. so wie Sie diese gerne positioniert hätten, sprich in die Bewegungsrichtung“, rät Saskia Gunzer. Die Schulterdrehung hilft, das Pferd ohne Zugzwang fein zu manövrieren.

Korrektes Timing

Um die Pferdeschulter richtig positionieren zu können, sollten Sie die Vorhand zudem gezielt im richtigen Moment ansteuern lernen. Tipp von Henrike Garcke: Anhalten, anreiten und fühlen: Welches Bein geht vor, welche Schulter hebt das Pferd? Steigern Sie den Anspruch, indem Sie versuchen, die Schultern jeweils ein bis zwei Schritte aus dem Stand zur Seite zu dirigieren. Tipp: Sagen Sie sich vor, in welchem Moment Sie treiben müssten, um ein Vorderbein seitwärts oder vorwärts treten zu lassen.

Foto: Schuschkleb CAVALLO Mehr Schulterkontrolle

Halten Sie die Waage!

Sorgen Sie dafür, dass der Pferdebrustkorb oben und der Widerrist locker bleibt. So gelingt’s:

Stellen Sie sich vor, Ihr Pferd sei eine Waage. In der Mitte seines Rückens liegt eine Kugel. Lümmelt es auf dem Gebiss, kullert die Kugel nach vorne. Um Pferde in Balance zu halten, sollte das Pferd sein Genick auf Höhe knapp über dem Widerrist halten. Klappt das nicht, hält Saskia Gunzer an und lässt das Pferd mit aufrechter Kopfhaltung und offener Ganasche einen Schritt rückwärts treten. „Dadurch versteht es die halben Paraden, verlagert sein Gewicht nach hinten, das Genick kommt in die richtige Position“, erklärt sie. Fürs Pferd fühlt sich das an, als würde die Vorhand federleicht. Korrekt verstandene Paraden halten die Vorhand wiederum stabil. Wiederholen Sie die Übung, bis das Pferd die Haltung verinnerlicht hat. Lassen Sie zwischendurch immer wieder die Zügel aus der Hand kauen.

Foto: Schuschkleb CAVALLO Mehr Schulterkontrolle

Flexibel im Kreisverkehr

Ein Zirkel ist der perfekte Prüfstein für die Schulterkontrolle. Bleibt das Pferd balanciert auf der Linie? Tipp: Ein Viereck aus Pylonen hilft Reitern, auf Kurs zu bleiben. Fällt das Pferd auf die innere Schulter, empfiehlt Henrike Garcke das Reiten in Außenstellung, ruhig eine Zirkelrunde lang. Fortgeschrittene reiten noch eine Volte in Außenstellung um einen Pylon.

„Dabei kommt Ihr Sitz in Balance, die Vorderbeine kreuzen, das Pferd kann nicht mehr nach innen fallen.“ Um die innere Schulter zu stabilisieren, empfiehlt Garcke, im Slalom um Pylone zwischen Innen- und Außenstellung zu wechseln. Schlangenlinien stabilisieren beide Schultern. Anspruchsvoller wird’s im Kreisverkehr. Dazu zwölf Pylone auf der Zirkellinie platzieren und das Pferd herumschlängeln lassen.

30.05.2018
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 04/2018