Wie galoppiere ich, ohne zu klemmen?

Tipps fürs richtige Galoppieren

Foto: Rädlein Wie galoppiere ich, ohne zu klemmen?
Leserin Maike Ebert kann den kurzen Galopp ihrer Islandstute schlecht sitzen. Ist das Pferd im Gelände flotter als sonst, wird sie unsicher und klemmt mit den Beinen. Sitzexpertin Frauke Behrens hilft beim Galoppieren.

Der Galopp eines Islandpferds fühlt sich anders an als der Schaukelgalopp eines großen Warmbluts. Daher ist es verständlich, dass Sie sich an den Galopp Ihres Pferds gewöhnen müssen. Dass Sie mit den Beinen klemmen, wenn das Pferd schneller wird, ist eine normale Reaktion. Für Sie fühlt sich die Situation in diesem Moment unkontrollierbar an – und deshalb werden Sie unsicher.

Lässig sitzen im Galopp

Das führt zu einem Teufelskreis: Je verkrampfter Sie im Sattel sitzen, desto angespannter wird auch Ihr Pferd. Und je mehr Sie klemmen, desto schneller wird Ihre Stute galoppieren. Deshalb ist Ihr wichtigstes Ziel: Lernen Sie, locker zu bleiben!

Zunächst sollten Sie zum Galoppieren in der Reithalle, auf dem Platz oder einer eingezäunten Wiese bleiben. Hier kann die Stute nicht davonlaufen und Sie fühlen sich sicher. Bevor Sie angaloppieren, verabschieden Sie sich von dem Gedanken, fest im Sattel sitzen zu wollen.

Am Anfang kommt der Entlastungssitz

Denken Sie erst gar nicht daran, den schönsten Dressursitz einzunehmen. Ihnen wird es am Anfang leichter fallen, im Entlastungssitz oder im leichten Sitz zu reiten. Der Unterschied: Im Entlastungssitz verlagern Sie mehr Gewicht auf die Steigbügel, sodass Sie leichter im Sattel sitzen. Sie haben aber noch Kontakt zur Sitzfläche. Im leichten Sitz heben Sie Ihr Gesäß so weit aus dem Sattel, dass Sie die Sitzfläche nicht mehr berühren.

Die Übung: Stellen Sie sich einfach in die Bügel und galoppieren Sie im leichten Sitz. Sie werden sofort spüren: Plötzlich ist das Galoppieren ganz leicht. Und ganz nebenbei werden Sie viel entspannter – die Voraussetzung dafür, dass nicht nur Sie besser im Sattel sitzen. Auch Ihr Pferd wird eher in einem ruhigen Tempo bleiben, wenn Sie ihm keinen Grund geben, vor Ihrer Anspannung davonzustürmen.

An der Longe üben

Fühlen Sie sich im Galopp auch auf einem eingezäunten Terrain noch unsicher, wird es Ihnen helfen, wenn Sie sich auf Ihrem Pferd von einer anderen Person an die Longe nehmen lassen. Die Sitzlonge ist nicht nur für Anfänger gut, sondern bringt auch erfahrenen Reitern viel. Denn dabei können Sie sich allein auf Ihren Sitz konzentrieren, weil Sie Ihr Pferd nicht gleichzeitig durch die Bahn steuern und sein Tempo regulieren müssen.

Die Sitzlonge gibt Ihnen die Möglichkeit, sich in Ruhe in die Bewegungen Ihres Pferds einzufühlen. Viele Reitanfänger hören den Satz: „Stellen Sie sich vor, Sie wischen mit Ihrem Gesäß den Sattel aus.“ Das hilft Ihnen aber nicht weiter. Versuchen Sie, im Entlastungssitz den Galoppsprüngen Ihres Pferds mit Ihrem Körper zu folgen. Ihr Becken schwingt locker mit, allerdings ohne zu schieben. Halten Sie dabei leichten Kontakt zur Sattelsitzfläche. Ihr Ziel: Sie lernen, Ihr Becken unabhängig vom Brustkorb zu bewegen.

Ruhig mal fremd reiten

Vielleicht kennen Sie jemanden, der ein gut ausgebildetes, braves Pferd besitzt, das einen gleichmäßigen, bequemen und gesetzten Galopp hat? Fragen Sie, ob Sie dieses Pferd einmal reiten dürfen. Es wird Ihnen helfen, sich beim Galoppieren im Sattel wieder sicherer zu fühlen. Sie können sich in Ruhe an die Bewegungen des Pferds gewöhnen, ohne Angst haben zu müssen, dass es schneller wird.

Flexibel sitzen

Sobald Sie sich im Galopp sicherer fühlen, können Sie versuchen, Ihren Sitz zu variieren. Diese Übung können Sie sowohl auf Ihrem eigenen Pferd in der Bahn oder an der Longe als auch auf einem fremden Pferd ausprobieren: Wechseln Sie beim Galoppieren alle drei Sprünge zwischen leichtem Sitz und Entlastungssitz. Der Übergang zwischen leichtem und entlastendem Sitz soll fließend sein. Im Entlastungssitz achten Sie wieder darauf, nicht mit den Sitzbeinhöckern zu schieben.

Schon bald werden Sie merken, dass Sie wieder locker und entspannt galoppieren können – auch im Gelände. Viel Spaß!

23.10.2017
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 10/2017