Wohlfühltraining fürs Pferd

So fühlt sich Ihr Pferd beim Training wohl

Foto: Rädlein Wohlfühltraining fürs Pferd
Leichtfüßig durch den Alltag – das schafft Ihr Pferd mit der Bewegungs-Pyramide von Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller. So läuft’s rund!

Bewegen und wohlfühlen – das gehört für Pferde zusammen wie Topf und Deckel. Klar, dass wir alles dafür tun wollen, damit das auch im Training so bleibt.

Die wichtigste Basis fürs tierische Wohlbefinden ist ein guter Plan, mit dem Reiter Pferde sanft und ohne Leistungsdruck aufbauen können. Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller hat ein tolles Trainingsgerüst für jeden Anspruch und Ausbildungsstand entwickelt – die „optimale Bewegungs-Pyramide“. Der Clou: Egal wo Sie und Ihr Pferd gerade stehen – Sie haben definierte Etappenziele, die Sie nach und nach angehen. Dabei wissen Sie jederzeit, was Sie gerade erwarten und von Ihrem Pferd verlangen können. Wie das Konzept funktioniert, erfahren Sie auf der nächsten Doppelseite.

Trainingsplan für ein gesundes Pferd

Doch warum ist es so wichtig, einen ausgereiften Trainingsplan in der Tasche zu haben? „Gutes Training ist ein komplexer, organisierter Prozess mit einer konkreten Zielstellung“, erklärt Barbara Welter-Böller. „Es muss immer den bisher erworbenen Fähigkeiten des Pferds entsprechen, um neue Leistungen darauf aufzubauen oder zu stabilisieren.“

Das gilt für Freizeit- wie Turnierpferde. Die Konsequenz: Pferdegerechtes, effektives Training darf niemals abgekürzt werden! „Jedes noch so talentierte Pferd muss zuerst durch gezieltes Training vernünftige Bewegungsmuster entwickeln, bevor seine Leistung gesteigert wird“, erklärt die Pferdeosteopathin.

Leider aber haben Reiter zu häufig keine Idee davon, wie man Pferde nachhaltig trainiert, beobachtet Welter-Böller. Wer beispielsweise bereits Galoppvolten übt, obwohl dem Pferd dafür noch Kraft und Balance fehlen, beeinflusst Leistung und Motivation eines Pferds nachhaltig negativ. Die Folge: „Viele Pferde sind schlichtweg überfordert.“ Das ist übel, denn: Werden Pferde ständig überfordert, verliert der Organismus sein inneres Gleichgewicht.

Übertraining schadet dem Pferd

Im Fachjargon spricht man von Übertraining. „Es kommt zu einer Fehlanpassung des Körpers und Leistungseinbußen – trotz anhaltendem Training“, erklärt Barbara Welter-Böller. Versucht der Körper dauernd, mangelhafte Bewegungsmuster auszugleichen, richten sich die Gelenke falsch aus, Muskeln koordinieren sich unzureichend und das Pferd bewegt sich permanent in einer falschen Körperhaltung. „Mit der Zeit führen die unnatürlichen Bewegungsmuster zu irreversiblen Überlastungsschäden und Mikrotraumen, die über Monate unbemerkt bleiben“, warnt die Expertin. Hinzu kommen schwerwiegende psychische Probleme.

Unglücklicherweise sind insbesondere die Kompensationshaltungen für Laien oft nur schwer erkennbar. Hinweise, dass ein Pferd überfordert sein könnte, sind unter anderem: Es ermüdet schnell und verliert sichtbar an Körpergewicht – trotz gleicher Fütterung. Überforderte Pferde sind oft widersetzlich, nervös oder apathisch. Der Ruhepuls klettert in die Höhe, ebenso die Herzfrequenz im Training – und das bei verzögerter Erholung. Das Pferd hat Balanceprobleme, schwitzt vermehrt. Wie können Reiter reagieren?

Spaß an der Bewegung!

Nehmen Sie jedes Signal von Unwohlsein ernst, beobachten Sie Ihr Pferd genau! Ein Pferd muss Spaß an der Bewegung haben. Bewegt es sich weder fleißig noch gelassen, müssen Sie prüfen, woran das liegt. „Das Lauftier Pferd wird niemals grundlos zum Faulpelz oder Hektiker“, sagt Barbara Welter-Böller. Langeweile und Stress haben beispielsweise oft die gleichen Symptome. Ein junges Pferd etwa, das beim Anhalten ein Hinterbein entlastet oder zappelt, ist selten ungehorsam. Ihm fehlt die Kraft zum geschlossenen und damit entspannten Stehen. Verwechslungsgefahr zwischen unerwünschtem Verhalten und Überforderung besteht auch hierbei: Ein Pferd, das bei der Bodenarbeit ins Seil beißt, hat oft Zahnprobleme oder Stress.

Schließt ein Tier nach einer Übung die Augen, sollten Sie es in Ruhe lassen. Es ist müde oder fühlt die hinter ihm liegende Aufgabe nach. Wer es aus dieser Haltung herausholt, überfordert es psychisch – weil man verhindert, dass es weitere neue Aufgaben entspannt und willig lernt. Ist das Pferd körperlich erschöpft, dann steigt auch das Verletzungsrisiko.

Um solche Risiken zu vermeiden, benötigen Sie neben einer guten Beobachtungsgabe nun noch einen cleveren Trainingsplan: die optimale Bewegungs-Pyramide. Sie besteht aus drei Stufen, die Sie von unten nach oben abarbeiten. So funktioniert das Wohlfühl-Training:

Definieren Sie zunächst klare Trainingsziele

Wo stehen Sie und Ihr Pferd gerade? Welche Herausforderung wollen Sie anpeilen? Träumen Sie von einem rittigen Freizeitkumpel für leichtere Arbeit in Reitbahn und Gelände? Wollen Sie vielleicht mal über eine Hindernisreihe hüpfen oder sogar aufs Turnier?

Für jede Aufgabe gibt es eine Stufe auf der Pyramide, auf der Sie entweder bleiben – oder von der aus Sie die nächste erklimmen. Ob Ihr Pferd dazu bereit ist, merken Sie daran, dass es seine neuen Fähigkeiten auch unter veränderten Bedingungen – etwa in einem anderen Gelände oder auf einer fremden Reitbahn – mühelos umsetzt.

Die drei Stufen des Trainings haben wir für Sie in der Top-Liste zusammengefasst.

Auf den richtigen Puls achten:

04.09.2017
Autor: Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 08/2017