CAVALLO-Check: So finden Sie das passende Gebiss

Röntgenbilder zeigen Gebissdruck auf

Hartnäckig halten sich falsche Ansichten über Gebisse – selbst dann, wenn Röntgenbilder sie längst korrigiert haben.
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Foto: CAVALLO CAVALLO Gebiss-Test

Ohne Reithalfter: Röntgenbilder zeigen, wie sich die einfach gebrochene Trense bei Zug in die Zunge bohrt.

In der Mai-Ausgabe 2004 wiederlegte CAVALLO mit dem schwäbischen Tierarzt Dr. Peter Witzman die Annahme, dass einfach gebrochene Trensen den Unterkiefer wie ein Nuss­knacker einklemmen. Röntgenuntersuchungen zeigten, dass sich die Wassertrense weder in den Gaumen bohrt, noch den Unterkiefer quetscht. Sie wirkt statt dessen seitlich auf die Zunge; das Gelenk vergräbt sich bei Zügelzug sogar tief in der Zunge. Nur wenn die Schenkel der Trense für das Pferdemaul zu lang sind, berührte das Gelenk den empfindlichen Gaumen. Schlechter als doppelt gebrochen Trensen sind sie daher nicht, solange sie zum Maul des Pferds passen. Kritisch ist die Wirkung auf die Zunge: Einfach gebrochene Trensen quetschen sie schon deutlich bei normalem Zügelzug; bei starkem Zug bohrt sich die Trense tief in den weichen Zungenmuskel. Um diesem Druck zu entgehen, muss das Pferd unbedingt mit dem Unterkiefer nachgeben können – also das Maul öffnen. Daher darf der Nasenriemen nicht zu fest geschnallt sein.

Foto: CAVALLO CAVALLO Gebiss-Test

Mit Reithalfter: Röntgenbilder zeigen, wie sich die einfach gebrochene Trense bei Zug in die Zunge bohrt.

Ebenfalls widerlegt ist die Meinung, dicke Gebisse wirken weicher als dünne. Auch hier halfen Röntgenbilder, diesmal am Anatomischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie in den USA durch Dr. Hillary Clayton. Das Pferdemaul ist wesentlich kleiner als gedacht, weshalb dicke Gebisse den Pferden in Kiefer, Zunge und Gaumen auseinander zwingen oder an diesen Stellen drücken. Wichtig ist daher der Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer: Die Trense darf nicht dicker als die Hälfte des Abstands sein.

13.08.2010
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO
Ausgabe 04/2010