CAVALLO Fairness Award für das Pferdeparadies Les Dannes

Pferdegerechte Haltung in unendlicher Weite

Was zuerst auffällt, ist die Weite. Quietschgrüne Hügel sind wie bei einer Märklin-Modelleisenbahn mit Pferden garniert, soweit das Auge reicht. Dazu die Stille.
Foto: Rädlein CAVALLO Fairness Award 2010

Spielen, grasen, die Welt entdecken: Die pferdegerechte Haltung in „Les Dannes“ ist ein Vorbild für alle Betriebe.

Kein Geschnatter wie auf Pferdehöfen üblich, kein Giften zwischen den Tieren. Nur Hengst Gadget du Banney macht ab und zu mit einschlägigem Grunzen von sich reden, wenn er inmitten der grasenden Zuchtstutenherde seinen Mann steht.

Auch die Menschenfamilie in Les Dannes versteht sich hier seit 19 Jahren ohne viel Gedöns. Vater Kurt, im früheren Leben Kaufmannslehrling im Schweizer Kanton Aargau und Safari-Driver in Afrika, Mutter Monika und drei turnierreitende Kinder managen in aller Ruhe die 280 Pferde. 150 gehören ihnen selber, 30 davon fahren den ganzen Sommer über zu hochklassigen Springturnieren von Saumur bis La Baule. Kurt Fuchs legt einen Packen Fotos auf den Grilltisch: Eigengewächse oder zur Korrektur übernommene Pferde, in tadelloser Manier überm Sprung, auf Trense gezäumt.

„Dabei hatten die vorher teils richtige Knochenbrecher im Maul, weil die Leute nicht mehr mit ihnen zurecht kamen“, erzählt Fuchs. Der Herrscher im Paradies redet heute beim Award-Besuch mehr als sonst; er muss, er will seine Philosophie von Haltung, Fütterung, Ausbildung und Zucht unters Volk bringen, weil er davon überzeugt ist.

„Das Pferd muss Pferd sein dürfen.“ Was simpel klingt und oft strapaziert wird, zieht Familie Fuchs konsequent durch – vom urwüchsigen Auslauf ohne künstliche Unterstände bis zur natürlichen Familienplanung. Die Pferde trampeln sich ihr Dach in Hecken und Wäldchen. „An Fliegen, Mücken und Bremsen gewöhnen sie sich schnell“, hat Kurt Fuchs erfahren: „Zwei Wochen lang gibt‘s Beulen, das war‘s.“

07.09.2010
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe 07/2010