CAVALLO Fairness Award 2010 für Dr. Gerd Heuschmann

Lahmheiten sind oft angeritten

Dr. Gerd Heuschmann hält fast jedes orthopädische Problem bei Pferden für hausgemacht, sprich: angeritten. Ein typisches Beispiel sind Schäden am Fesselträger, die Reitpferde häufig lahmlegen.
Foto: Rädlein CAVALLO Fairness Award

Ran ans Hinterbein: Dr. Heuschmann hilft großen und kleinen Pferden im Sattel.

„Ich bin sicher, dass daran steife Rücken und Hinterbeine schuld sind, weil die Federwirkung in den Gelenken fehlt und alle Kraft auf dem Fesselträger lastet.“ Bei solchen Lieblingsthemen redet er sich heiß. Zieht Bücher von Bürger bis Seunig aus dem Regal und lässt sein Laptop schnurren. Zeigt Röntgenbilder, anatomische Zeichnungen und Filme, auf denen Spitzenreiterinnen wie Anky van Grunsven und Isabell Werth ihre Pferde rollen und hebeln. „Das ist purer Zwang, total überspannt!“, impft Heuschmann ein. „Schauen Sie mal auf die Kandare, die ist horizontal durchgezogen.“

So unverblümt und ohne Scheu vor großen Namen kennen CAVALLO-Leser den mutigen Doktor spätestens seit dem Juli-Heft 2007. Damals kommentierte er fürs Titelthema „Die Angst der Pferde vor dem Reiter“ zusammen mit den Trainingsexperten Dr. Ulrike Thiel, Dr. Michael Weishaupt und Christine Stückelberger diverse Fotos und Videos, auf denen üble Abreiteplatzszenen von Profireitern zu sehen waren.

Auch bei Züchtern macht sich Heuschmann öfters unbeliebt. In CAVALLO 7/2003 kritisierte er, Warmblutzüchter würden „aufgequollene Mastfohlen auf weichen Mistmatratzen“ großziehen und Tiere auf diese Weise zum Krüppel machen, ehe je ein Reiter darauf saß: „Pferde sind an harte Böden angepasst, nur so entwickeln sich gesunde Beine ohne Fehlstellungen.“

07.09.2010
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe 06/2010