GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Tonnen, Engpässe und mehr

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Das gilt auch für Hindernisse wie Trichter und Tonnen. Mit einem gezieltem Trainingsplan meistern Sie diese Aufgaben!
Foto: Kuczka Die Mülltonne in der GHP

Achtung Tonne: Ausgiebig anschauen und beschnuppern!

Für den Ausritt müssen Pferde heute zivilisationsfest sein: An Zäunen flattern Zettel, vor Garagen parken Mülltonnen, im Wald huschen Radfahrer haarscharf an der Hinterhand vorbei. Damit Ihr Pferd hier nicht die Flatter macht, härten Sie es mit einer Flatterband-/Müllpassage ab – die dritte Aufgabe der Gerittenen
Gelassenheitspüfung
. Dabei geht das Pferd durch eine enge Gasse. Rechts stehen möglichst bunte Mülltonnen und Müllsäcke, links rascheln rot-weiße Absperrbänder an einer Leine.

Bevor Sie Ihr Pferd mutig hindurchmanövrieren, zerlegen Sie die Aufgabe in drei Elemente, die Sie einzeln üben: Mülltonne und/oder Müllsack, Flatterband, Gasse. Zunächst reiten Sie an einer Mülltonne vorbei. Das Pferd darf sie in aller Ruhe anschauen und beschnuppern, bis sie ihm geheuer ist. In gleicher Weise üben Sie mit Müllsäcken. Passiert Ihr Pferd eine ganze Reihe voller Müll und Plunder ohne zu scheuen oder skeptisch zu schielen, bauen Sie den Müll ab und die Flatterstrecke auf: Zwischen zwei Hindernisständern wird eine Schnur gespannt, an der Sie Bänder befestigen.

„Entschärfen Sie das Ganze zuerst, indem Sie einige Bänder weniger dranhängen. So kann das Pferd durchgucken“, rät Pferdetrainerin Kerstin Diacont. Erschrickt das Pferd gleich am Anfang, haben Sie es danach viel schwerer, also besser harmlos anfangen und langsam steigern. Nach und nach hängen Sie mehr Bänder auf, am Ende lassen Sie einen Helfer am Flatterband wackeln. „Lassen Sie das Pferd ruhig gucken. Sobald es sich die Hindernisse anschaut, sind sie schon nicht mehr so bedrohlich“, empfiehlt Diacont. Das Guckige legt sich, sobald das Pferd mit allem vertraut ist.

Dann kommt der nächste Schritt: Bauen Sie eine Gasse aus vertrauten Gegenständen – etwa Hindernisständer mit Stangen, Stroh- oder Heuballen. Die Gasse dürfen Sie anfangs nicht zu eng stellen. Bevor Ihr Pferd klaustrophobische Anfälle bekommt, lassen Sie es zunächst durch eine breite Gasse gehen und verengen Sie allmählich, bis das Pferd ohne Spannung durchschreitet. Zum Schluß setzen Sie die drei Elemente zur Aufgabe zusammen. Das setzt voraus, daß das Pferd sich nicht beeindrucken läßt, wenn Bänder seinen Körper berühren, Säcke umfallen oder farbige Mülltonnen auftauchen. Stellen Sie rechts Mülltonnen und -säcke auf, links das Flatterband. Auch jetzt sollten Sie die Gasse zunächst weit stellen, damit sich das Pferd an die Hindernisse gewöhnt.

Erleichtern können Sie ihm das Einfädeln, indem Sie Stangen wie einen Trichter vor die Gasse legen. So wird das Pferd automatisch hineindirigiert, und Sie können sich statt aufs Zielen aufs Vorwärtstreiben konzentrieren. Je sicherer Sie durch die breite Gasse kommen, desto enger können Sie sie beim nächsten Durchlauf stellen. Traben Sie darin zum Üben auch mal durch. Das wird in der Prüfung zwar nicht verlangt, gibt aber Sicherheit und schult die Konzentration.

Klappt alles, stellen Sie Ihr Hindernis an einem anderen Ort auf. Am besten in einem anderen Stall, zumindest aber auf der Koppel, am Putzplatz oder vor dem Hoftor. Das härtet ab und nimmt der Prüfung auf fremdem Gelände den Schrecken. Was, wenn das Pferd sich strikt weigert, die Gasse zu betreten? „Kennt das Pferd Flatterbänder und Müllsäcke schon von der Geführten Gelassenheitsprüfung, sind Sie beim Reiten meist kein großes Problem mehr“, beruhigt Kerstin Diacont. „Läuft es trotz guter Vorbereitung nicht durch, müssen Sie den längeren Atem haben.“ Sie parken das Pferd konsequent vor der Gasse – so lange, bis es lieber durchgeht, als tatenlos herumzustehen.

Beim Stehen darf es natürlich weder grasen noch abwesend durch die Landschaft gucken. „Die Aufmerksamkeit muß beim Hindernis sein und sonst nirgendwo“, sagt Diacont. Also müssen Sie die Pferdenase immer wieder Richtung Gasse zupfen. Sobald das Pferd sich anderen Dingen zuwendet, müssen Sie es wieder zur Ordnung rufen. „Irgendwann wird es auch dem ausdauerndsten Pferd zu blöd, rumzustehen und Hindernisse anzuschauen. Es wird durch die Gasse gehen.“

Rennt das Pferd rückwärts, statt manierlich durch die Gasse zu gehen, rät Diacont: „Warten Sie ab, bis es aufhört, rückwärts zu laufen, und reiten Sie entschlossen wieder auf die Gasse zu.“

Falls Ihr Pferd freilich völlig panisch wird und nichts mehr geht, lassen Sie sich einfach von einem Helfer durchführen. Hören Sie beim Üben niemals mit einer Verweigerung auf. Gehen Sie lieber ein paar Schritte zurück und entschärfen die Gasse. Sobald Ihr Pferd vorwärts geht oder auch nur vorwärts zuckt, machen Sie kurz Pause – zur Belohnung für Pferd und Reiter.

13.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 06/2006