GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Über Brücken gehen

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. So überbrücken Sie den Horror vor der Holzbrücke mit Ablenkung und raffinierten Pausen am rechten Fleck.

Vier Bohlenbretter, drei bis vier Kanthölzer, ein paar Schrauben und eine gute Trainingsanleitung – mehr brauchen Sie nicht, um die neunte Aufgabe der Gerittenen Gelassenheitsprüfung für Sport- und Freizeitpferde (GHP) zu meistern. Aus den Bohlenbrettern bauen Sie eine etwa drei Meter lange und ein Meter breite Brücke, über die Ihr Pferd ruhig schreiten soll. Am besten nehmen Sie geriffelte Bretter oder bestreuen die Brücke vor dem Training mit Sand oder Sägespänen, damit Ihr Pferd nicht rutscht.

Die Bretter legen Sie einfach nebeneinander und schrauben sie an darunterliegende Kanthölzer. Für den Anfang nehmen Sie besser flache Kanthölzer, das erleichtert dem Pferd die ersten Schritte über die Holzbrücke. Geht Ihr Pferd sicher über die flache Brücke, können Sie höhere Kanthölzer darunterschrauben. Zwei der Kanthölzer sollten jeweils knapp vor der Außenkante angeschraubt werden, das dritte ungefähr in der Mitte. Schrauben Sie neben das dritte noch ein viertes Kantholz in 10 Zentimetern Abstand, können Sie dazwischen ein Rundholz legen und die Brücke später auch als Wippe nutzen – aber erst, wenn Ihr Pferd ohne mit der Wimper zu zucken über die Brücke geht.

Dann ist auch bei der GHP die Note 1 fällig: Das Pferd muß ohne Zögern oder Zackeln über die Brücke. Es darf den Kopf senken und vorsichtig gehen, aber weder scheuen noch verweigern. Um ihm den Schrecken vor der Brücke zu nehmen, hilft Ablenkung. „Konzentrieren Sie die Aufmerksamkeit des Pferds auf sich, nicht auf die Brücke“, erklärt Westerntrainer Claus Theurer, der im rheinland-pfälzischen Neustadt/Wied Trailkurse anbietet. „Sobald sich das Pferd an dem Hindernis stört, wende ich es ab und beschäftige es mit etwas anderem, reite Zirkel oder Volten, genauso wie ich trainieren würde, wenn da keine Brücke auf dem Reitplatz stünde.“ Das Pferd soll die Brücke vergessen und merken, daß von ihr keine Gefahr ausgeht.

„Regt sich das Pferd auf, und Sie reiten es auch noch zu seinem Schreckgespenst hin, wird der Streß immer größer. Statt sich zu beruhigen, regt es sich noch mehr auf. In dem Moment bestimmt das Pferd, wohin es flieht und wie es sich verhält“, warnt Claus Theurer.

„Den Spieß müssen Sie umdrehen: Sie entscheiden, wann die Brücke an der Reihe ist, reiten in die Nähe und halten an. Dann ist Pause.“ Das Pferd verbindet die Brücke mit Erholung und verliert die Scheu. „Reiten Sie anschließend ein paar Tritte an die Brücke heran“, rät Claus Theurer. Will Ihr Pferd nicht, wenden Sie es ab und arbeiten weiter: Zirkel, Schlangenlinien, Handwechsel, ein kurzer Galopp. Danach gibt es wieder eine Pause neben der Brücke – diesmal noch näher dran als beim letzten Mal.

Bleibt es ruhig und guckt sich entspannt die Brücke an, können Sie versuchen, auf die Brücke zu reiten. Am besten überqueren Sie diese zunächst quer. Da kann das Pferd schwerer zur Seite ausweichen oder daneben treten. Außerdem ist bei der kurzen Brücke das Ende in Sicht, das Hindernis erscheint überwindbar. Bleibt das Pferd stehen oder scheut vor der Brücke, müssen Sie wieder eine Runde arbeiten. Bleibt es dagegen ruhig und entspannt, schicken Sie es über die Brücke. „Wird das Pferd dabei hektisch und zackelt, wende ich es nach der Brücke zur Seite ab und reite sofort wieder drüber. Das mache ich so lange, bis das Pferd ruhig darüber geht“, erklärt Theurer.

Trabt das Pferd am Ende der Brücke an, um schnell wieder herunter zu kommen, sollten Sie es sofort nach der Brücke zum Stand durchparieren. Wenn Sie es sich zutrauen, können Sie auch so durchparieren, daß die Vorderbeine schon unten, die Hinterbeine noch auf der Brücke sind. Üben Sie das mehrmals hintereinander, wird Ihr Pferd wissen, daß Antraben zwecklos ist.

Nachdem Sie mit Ihrem Pferd quer über die Brücke geritten sind und alles geklappt hat, wird es Zeit für eine Pause: Entweder galoppieren Sie ein paar Runden oder traben leicht, damit das Pferd sich entspannen kann. Oder Sie reiten auf die Brücke, halten in der Mitte, loben das Pferd und steigen ab. Am nächsten Tag können Sie das Ganze in Kurzform wiederholen und danach längs über die Brücke reiten wie in der GHP gefordert.

Peilen Sie dafür vom Boden aus die Mitte der Brücke an, und reiten Sie kerzengerade darauf zu. Damit Sie keine Schlangenlinien reiten, ziehen Sie sich am besten eine Spurrinne in den Sand, an der Sie langreiten. Auch Ihrem Pferd helfen Markierungen: Stellen Sie eine Gasse aus Hütchen oder Gummieimern ohne Henkel auf, die trichterförmig auf die Brücke führen. Dann trifft Ihr Pferd garantiert die Mitte. Damit es auch auf der Brücke bleibt, können Sie diese mit ein paar Hütchen oder Eimern rechts und links begrenzen.

„Reite ich das Pferd das erste Mal längs auf die Brücke, pariere ich es in der Mitte durch zum Stand“, erzählt Claus Theurer. Das hat zwei Vorteile: Das Pferd hechtet nicht hektisch darüber und lernt, daß es auf der Brücke eine Pause bekommt. „Dann ist die Brücke der schönste Platz der Welt“, sagt Theurer. „Wiederhole ich das ein paar Tage, freut sich mein Pferd auf die Hindernisse, und ich kann mit ihm über jeden Parcours reiten.“

14.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
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