GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Problemlos über die Plane

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Das gilt auch für Hindernisse wie die Plane - über die Ihr Pferd vertrauensvoll gehen sollte.
Foto: Rädlein CAVALLO GHP Gelassenheitsprüfung für Pferde

Besonders erschreckend: Farbige Planen.

"Entweder sie erstarren vor der Plane, oder sie werden hektisch“, beschreibt Pferdetrainerin Barbara Heilmeyer aus dem badischen Forst die beiden größten Probleme bei der Aufgabe "Plane" der Gerittenen Gelassenheitsprüfung für Sport- und Freizeitpferde (GHP). Gefordert wird, daß das Pferd ruhig über eine Plastikplane schreitet. Es darf kurz stocken und gucken, aber es darf weder vor dem Plastik Wurzeln schlagen noch panisch darüberrennen der zur Seite ausreißen.

Legen Sie zum Üben eine etwa 2 x 3 Meter große Plane aus, die so fest und stabil sein muß, daß das Pferd nicht mit Hufeisen-Stollen oder -Stiften hängenbleiben kann. Wichtig ist, daß Sie die Plane beschweren: Wickeln Sie die Enden um Stangen, oder graben Sie sie in den Sand ein. Fliegt die Plane durch einen plötzlichen Windstoß hoch, bekommt das Pferd nämlich noch mehr Angst davor. Danach haben Sie es schwer, ruhig darüberzureiten.

Reiten Sie über die breite Seite der Plane, dort kann das Pferd nicht so leicht vorbeirennen. Voraussetzung für die Planen-Überquerung ist, daß Ihr Pferd Ihnen vom Boden aus sicher über das knisternde Plastik folgt und sich möglichst auch darüberschicken läßt, ohne daß Sie voraus oder nebenher gehen. Für die beiden Problemtypen – Standhafte und Flüchtlinge – gibt es zwei unterschiedliche Trainingsmethoden: „Blütigere Pferde neigen zum Davonstürmen. Bei denen muß man Ruhe reinbringen“, sagt Barbara Heilmeyer.

Also tief durchatmen, das Pferd in einiger Entfernung zur Plane ruhig zum Stand parieren und lange gucken lassen. Später erst Schritt für Schritt zur Plane und am Schluß langsam darüber. Nach jedem Schritt in die richtige Richtung loben und ein Leckerli geben. Will das Pferd schnell drüberflitzen, wieder durchparieren und warten, bis es sich beruhigt hat. „Wenn das Pferd schnell drüberrennt, denkt es nicht und lernt auch nichts dabei. Schnelligkeit bedeutet in dem Fall Flucht, und Flucht heißt Angst – die das Pferd natürlich nicht haben sollte“, sagt Trainerin Heilmeyer.

Bleibt das Pferd in unbekannten Situationen dagegen wie erstarrt stehen, ist Durchparieren vor der Plane der falsche Weg und signalisiert solchen Charakteren, daß die Plane gefährlich ist. „Die Stehenbleiber sind oft Ponytypen, deren entwicklungsgeschichtliche Wurzeln in der Tundra liegen. Wären die damals kopflos geflohen, wären sie im nächsten Sumpf versunken. Also versteckten sie sich und blieben stehen“, spekuliert Barbara Heilmeyer.

Um solche Pferde aus ihrer Erstarrung zu lösen, hilft Futter. „Hafer, der einfach auf die Plane gestreut wird, funktioniert fast immer.“ Er ist deshalb gut geeignet, weil sich Pferde nicht daran verschlucken können und sie die einzelnen Körner länger auf der Plane suchen müssen als große Futterstücke.

„Wenn Sie ein besonders cleveres Pferd haben, wird es sich merken, daß auf der Plane Futter lag, und das nächste Mal wieder darauf zustürmen.“ Damit es danach nicht alle Planen nur nach Futter absucht, sollten Sie es möglichst noch am gleichen Übungstag auch ohne Futter über die Plane reiten und kräftig loben. Will Ihr Pferd, egal ob hektisch oder starr, partout nicht über die Plane, hilft ein Trick: „Legen Sie zwei Planen aus, die trichterförmig aufeinander zulaufen. In der Mitte bleibt ein Gang frei“, rät Barbara Heilmeyer.

Reiten Sie das Pferd durch die Gasse. Läuft es ruhig und gelassen, ohne einer der beiden Planen ausweichen zu wollen oder durch die Gasse zu hechten, können Sie die Planen am Ende enger zusammenlegen. So wird der Gang immer enger, bis sich die Planen am Ende überlappen.

„Das Pferd muß dann einen großen Schritt über die Planenenden machen, wenn es noch nicht draufsteigen will.“ Bleibt es dabei auch ruhig, legen Sie die Planen so aus, daß sie sich ein ganzes Stück überlappen. Jetzt muß das Pferd die Plane betreten – und wird es auch tun, wenn es vorher wirklich ruhig über die Plane gestiegen ist. Die Methoden funktionieren freilich alle nur dann, wenn Ihr Pferd gut genug an den Hilfen steht und sich mit Schenkel, Zügel und Gewicht einrahmen läßt.

Bricht es vor der Plane immer zu einer Seite hin aus, müssen Sie es genau auf die Seite stellen, zu der es ausbrechen will. Versucht es also, nach rechts vor der Plane auszuweichen, stellen Sie es auch nach rechts und legen den rechten Schenkel wie beim Schulterherein an. Die meisten Pferde weichen so seitwärts – in die Richtung, in der die Plane liegt. Hilft das nicht, oder sind Sie zu unsicher, steigen Sie besser nochmal ab und üben vom Boden aus, bis das Pferd wirklich planensicher ist. Lassen Sie es auf dem Plastik anhalten, rückwärtsrichten und traben.

Klappt das, hören Sie auf: Das Pferd unterscheidet nicht, ob Sie am Boden oder im Sattel die Führung übernommen haben. Es wird Sicherheit gewinnen und beim nächsten Mal vielleicht auch unter dem Reiter problemlos über die Plane schreiten.

Besser ist es aber, bei der nächsten Übungseinheit wieder zuerst vom Boden aus zu überprüfen, ob das Pferd mutig genug ist, über die Plane zu gehen. Ist es das, können Sie auch beim Reiten auf der Plane halten, rückwärtsrichten oder traben. Wenn Sie danach noch eine Herausforderung suchen, üben Sie auf der Plane eine Hinterhandwendung oder sprühen Sie mit bunter Farbe grelle Muster darauf.

14.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 10/2006